Am Mittwoch und Donnerstag fanden drei Zentralbanksitzungen statt. Eine Zentralbanksitzung ist immer ein Marktereignis, selbst wenn keine wichtigen Beschlüsse gefasst werden. In den meisten Fällen kennt der Markt die Entscheidungen der Notenbank und Änderungen ihrer geldpolitischen Ausrichtung bereits im Voraus. Dennoch reagiert der Markt in der Regel sehr stark auf jede Andeutung oder Anpassung in der begleitenden Erklärung der Notenbank. Der Donnerstagabend lässt sich allerdings mit gutem Gewissen nicht zu diesen Fällen zählen.
Das zentrale Ereignis der Sitzung am Mittwoch war, dass Jerome Powell nach 8 Jahren zurücktritt. Powell widmete seine Rede mehreren entscheidenden Fragen zur Zukunft der Notenbank und der US‑Wirtschaft. Gehen wir das Schritt für Schritt durch. Zunächst einmal hat die Federal Reserve zum dritten Mal in Folge beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen. Diese Entscheidung wurde durch die völlige Unsicherheit rund um den Konflikt im Nahen Osten bestimmt.
Tatsächlich nimmt die Unsicherheit mit jedem Tag konkretere Formen an. Zur Erinnerung: Es ist ein weiterer „Insider“-Bericht erschienen, dem zufolge Donald Trump sich auf eine langfristige Blockade der iranischen Häfen und der Straße von Hormus vorbereitet, was einer finanziellen Blockade des Iran gleichkäme. Nach erfolglosen militärischen Versuchen, den Iran dazu zu zwingen, auf Atomwaffen zu verzichten, hat Trump einen anderen Ansatz gewählt. Nun möchte der Hausherr des Weißen Hauses Teheran „mit allen Mitteln“ an den Verhandlungstisch bringen. Vereinfacht gesagt geht Trump davon aus, dass Iran ohne Geld schnell nachgeben und möglichen neuen Bombardierungen durch die USA nicht standhalten könne.
Ich weiß nicht, wie verlässlich diese „Insider“-Informationen sind, doch die Ereignisse der letzten drei Wochen deuten genau in diese Richtung. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran sind ins Stocken geraten; Trump beharrt weiterhin darauf, die Gespräche telefonisch am Laufen zu halten, während Teheran jegliche Verhandlungen mit Washington bestreitet und fordert, dass die Blockade der iranischen Häfen aufgehoben wird, bevor Gespräche wiederaufgenommen werden. Aus meiner Sicht gilt daher: Selbst wenn es zu Telefonkontakten kommt, tragen diese kaum zu Fortschritten in Richtung eines Friedensabkommens bei. Iran hat wiederholt auf die Versuche Washingtons hingewiesen, das Land an den Verhandlungstisch zu zwingen und ein Abkommen zu amerikanischen Bedingungen durchzusetzen. Die iranischen Behörden halten ein solches Arrangement für inakzeptabel, weshalb sie neuen Verhandlungen nicht zustimmen. Daraus lässt sich schließen, dass es so bald nicht zu Verhandlungen kommen wird und sich der Konflikt tatsächlich hinziehen könnte.
Auf Basis der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem Aufwärtsabschnitt des Trends (unteres Bild) befindet und sich kurzfristig in einer Korrekturstruktur bewegt. Das Korrekturwellenmuster scheint abgeschlossen zu sein und könnte nur dann eine komplexere, ausgedehntere Form annehmen, wenn sich der geopolitische Hintergrund im Nahen Osten verbessert. Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue Abwärtswellenstruktur auszubilden beginnen. Wir haben die Korrekturwelle gesehen; die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob der Markt an einen günstigen Ausgang der Verhandlungen glaubt.
Das Wellenmuster für GBP/USD ist im Laufe der Zeit klarer geworden, wie von mir erwartet. Nun sehen wir in den Charts eine ausgeprägte dreiwellige Aufwärtsstruktur, die bereits abgeschlossen sein könnte. Trifft dies zu, ist mit der Ausbildung von mindestens einer Abwärtswelle (vermutlich d) zu rechnen. Der Aufwärtsabschnitt des Trends könnte eine fünfwellige Form annehmen, doch dafür müsste sich der Konflikt im Nahen Osten beruhigen statt weiter anzuheizen. Das Basisszenario für die kommenden Tage ist daher ein Rückgang in Richtung der 34er‑Marke oder etwas darunter. Auch hier hängt alles wieder von den geopolitischen Faktoren ab.
Zentrale Grundsätze meiner Analyse:Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und führen häufig zu Anpassungen.Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, keinen Einstieg zu wagen.Es kann niemals 100%ige Sicherheit über die Bewegungsrichtung geben. Denken Sie daran, schützende Stop‑Loss‑Orders zu verwenden.Die Wellenanalyse kann mit anderen Analysearten und Handelsstrategien kombiniert werden.