Der Euro und das britische Pfund sind gestern nach den Sitzungen der Zentralbanken deutlich gegenüber dem US‑Dollar gestiegen. Es ist deutlich geworden, dass die European Central Bank (ECB) und die Bank of England (BoE) ernsthaft zu Zinserhöhungen tendieren, die bereits im Juni erfolgen könnten. Damit soll einer erneuten Inflation vorgebeugt werden, die aus dem Konflikt im Nahen Osten entstehen könnte.
Nach den gestrigen Äußerungen der Spitzenvertreter von ECB und BoE verzeichneten der Euro und das britische Pfund am Devisenmarkt kräftige Kursgewinne und ließen den US‑Dollar zurück. Die in den Sitzungen getroffenen Entscheidungen sowie die anschließenden Kommentare lösten eine Welle der Neubewertung von Risiken und Erwartungen in Bezug auf die künftige Geldpolitik aus. Der Hinweis auf mögliche Zinserhöhungen bereits im Juni war dabei ein Schlüsselfaktor, der diese Rally auslöste.
Aus den jeweiligen Stellungnahmen der Zentralbanken ergibt sich eine gemeinsame Linie: Der Konflikt im Nahen Osten, der insbesondere die Rohstoffmärkte und hier vor allem den Ölmarkt belastet, drängt die Notenbanken zu entschlossenerem Handeln. Das Risiko eines erneuten Inflationsdrucks infolge steigender Energiepreise wird zunehmend greifbar. Vor diesem Hintergrund dient die Erwägung möglicher Zinserhöhungen als präventive Maßnahme, die auf eine Stabilisierung der Preisdynamik und die Wahrung der makroökonomischen Stabilität in der Eurozone und im Vereinigten Königreich abzielt.
Obwohl beide Zentralbanken sich gestern durch unveränderte Leitzinsen zunächst etwas Zeit verschafft haben, um die weitere Entwicklung des Krieges im Iran abzuwarten, signalisierten sie, dass sie im Laufe des Sommers Zinserhöhungen prüfen werden.
ECB-Präsidentin Christine Lagarde deutete an, dass die Vertreter der Eurozone auf ihrer Juni-Sitzung eine Anhebung der Zinsen in Betracht ziehen werden, nachdem heute ausführlich über die Umsetzbarkeit eines solchen Schrittes diskutiert wurde. „Der vergangene Zeitraum wird ein geeigneter Zeitpunkt sein, um den Zustand der Wirtschaft zu beurteilen und eine fundierte Entscheidung auf Basis validierter und revidierter Daten zu treffen“, sagte sie.
Für die BoE sieht das pessimistischste Szenario, das von einem Ölpreis von 130 US‑Dollar je Barrel und einem anhaltend hohen Niveau ausgeht, eine Inflationsspitze von 6,2 % bis Anfang 2027 vor; und gemäß Modellrechnungen auf Grundlage geldpolitischer Regeln könnten die Zinsen in diesem Fall bis zu siebenmal angehoben werden. Selbst das derzeit von BoE-Gouverneur Andrew Bailey bevorzugte mildere Szenario rechnet mit zwei Zinserhöhungen – ein deutlicher Kontrast zu Februar, als die Verantwortlichen noch intensiv über mögliche Zinssenkungen diskutierten.
Im aktuellen technischen Bild für EUR/USD müssen sich die Käufer darauf konzentrieren, das Niveau von 1,1735 zurückzuerobern. Erst dann eröffnen sich Chancen auf einen Test von 1,1750. Von dort ist ein Anstieg bis 1,1775 möglich, was ohne Unterstützung der großen Marktteilnehmer jedoch recht schwierig sein dürfte. Das fernste Ziel wäre das Hoch bei 1,1790. Fällt das Währungspaar nur in den Bereich um 1,1710 zurück, rechne ich mit entschlossenem Eingreifen größerer Käufer. Bleibt dieses aus, wäre es sinnvoll, entweder auf eine Erneuerung des Tiefs bei 1,1685 zu warten oder Long-Positionen ab 1,1655 zu eröffnen.
Mit Blick auf das aktuelle technische Bild für GBP/USD müssen die Käufer des Pfunds zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 1,3620 zurückerobern. Nur dann können sie das Ziel 1,3650 anvisieren, wobei ein Ausbruch nach oben aus diesem Bereich recht schwierig werden dürfte. Das fernste Ziel liegt im Bereich von 1,3680. Sollte das Paar fallen, werden die Bären versuchen, die Unterstützung bei 1,3570 unter Kontrolle zu bringen. Gelingt ihnen dies, würde ein Ausbruch aus der Spanne die Position der Bullen deutlich schwächen und GBP/USD auf das Tief bei 1,3550 drücken, mit Aussicht auf eine Bewegung in Richtung 1,3525.