EUR/USD. Wöchentliche Vorschau. TACO oder Eskalation: Wohin wird Trump das Paar treiben?

Wird es dem Währungspaar EUR/USD gelingen, sich aus den „Klauen“ der 1,17er-Marke zu befreien? Dies ist wohl die größte Spannung der kommenden Woche. Seit nunmehr vier Wochen bewegt sich das Paar in einer breiten Handelsspanne, doch jeweils zum Wochenschluss am Freitag endet der Handel innerhalb der 1,17er-Zone. Diese hat sich zu einer Art „Heimathafen“ für EUR/USD entwickelt, zu dem der Kurs nach jedem Volatilitätsschub verlässlich zurückkehrt.

Bis zum Ende der kommenden Woche könnte sich die Lage jedoch ändern – vorläufig eher zugunsten der Verkäuferseite. Nach heutigem Stand entwickeln sich die wichtigsten fundamentalen Faktoren zugunsten des US-Dollar. Ausschlaggebend ist dabei vor allem eine Zunahme der Risikoaversion vor dem Hintergrund der diplomatischen Pattsituation zwischen den USA und dem Iran sowie einer neuen Runde im Zollstreit zwischen den USA und der EU. Bleibt Donald Trump bei seinem harten Kurs, dürfte sich das weitere Geschehen eher nach einem Eskalationsszenario entwickeln. Das würde die Nachfrage nach dem als sicher geltenden US-Dollar erhöhen und damit Druck auf das Währungspaar EUR/USD ausüben. Außerdem ist zu beachten, dass Trump erneut „TACO spielen“ könnte, wie er es bereits früher getan hat.

Leider sind impulsive Entscheidungen des US-Präsidenten kaum linear prognostizierbar, doch lassen sich die wichtigsten Szenarien schon jetzt skizzieren.

Zur Erinnerung: Vorgestern kündigte Trump Pläne an, die Zölle auf europäische Autos und Lastwagen auf 25 % anzuheben. Er erklärte, die Europäische Union halte sich nicht an die Bedingungen des im vergangenen Jahr erzielten Handelsabkommens (dem sogenannten „Turnberry deal“). Insbesondere warf der US-Präsident Brüssel vor, den Ratifizierungsprozess dieses Abkommens hinauszuzögern und es damit faktisch wirkungslos zu machen. Zudem seien laut Trump hohe Zölle notwendig, um europäische Autohersteller zu zwingen, ihre Produktion in den USA anzusiedeln.

Wichtig ist, dass der offizielle Erlass zur Erhöhung der Zölle bis zum heutigen Tag noch nicht unterzeichnet wurde, Trump aber öffentlich versprochen hat, dies nächste Woche zu tun.

Setzt der Hausherr des Weißen Hauses seine Drohung um, werden vor allem die europäischen Länder und Unternehmen mit einem hohen Exportanteil in die USA und stark verflochtenen Lieferketten (Deutschland, Slowakei, Italien, Schweden) am stärksten betroffen sein. So schätzt das Kiel Institute for the World Economy, dass sich die kurzfristigen Verluste Deutschlands auf rund 15 Mrd. € belaufen könnten, während die langfristigen Verluste bis zu 30 Mrd. € erreichen dürften. Die Exporte deutscher Autos in die Vereinigten Staaten sind aufgrund früherer Zollanhebungen bereits um fast 10 % zurückgegangen, sodass ein weiterer „Zollschlag“ die Lieferung vieler Modelle schlicht unrentabel machen könnte.

Auch der Binnenmarkt in den USA wird die negativen Auswirkungen der höheren Zölle zu spüren bekommen: Schätzungen mehrerer Analysten zufolge werden die höheren Zölle US-Verbraucher rund 15 Mrd. US‑Dollar pro Jahr in Form von Aufschlägen auf Autos und Ersatzteile kosten. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die EU im vergangenen Jahr eine Liste im Umfang von 95 Mrd. € für die Einführung von Vergeltungszöllen vorbereitet hat, falls die USA ihre Drohungen gegen die europäische Automobilindustrie wahrmachen.

Nach Einschätzung der meisten Experten wird jedoch insbesondere Deutschland unter der neuen Runde der Handelskonfrontation leiden. So schätzt der Leiter des IFO Instituts, dass die deutsche Wirtschaft bereits in diesem Jahr in eine Rezession geraten könnte, sollte sich die weitere Entwicklung gemäß einem Negativszenario vollziehen.

Da Deutschland ein zentraler Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft ist, werden die Folgen einer Eskalation im Handel unweigerlich im gesamten Euroraum zu spüren sein.

Verzichtet Trump nicht auf seine Drohungen (und setzt damit das „TACO principle“ um) und erhöht er tatsächlich die Zölle auf die europäische Automobilindustrie, wird sich die Risikoaversion am Markt erneut verstärken, was eine erhöhte Nachfrage nach dem sicheren Hafen US‑Dollar zur Folge hätte.

Zusätzliche Unterstützung für EUR/USD-Verkäufer könnte vom „Iran case“ ausgehen, falls Trump die Friedensinitiativen Teherans rundweg zurückweist. Am Samstag (2. Mai) wurde bekannt, dass Iran über pakistanische Vermittler einen neuen Text eines Friedensabkommens an Washington übermittelt hat. Wie die iranische Agentur Tasnim berichtet, signalisierten die iranischen Vertreter ihre Bereitschaft, über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu sprechen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Blockade iranischer Häfen aufgehoben wird. Darüber hinaus spricht das Dokument Fragen von Nichtangriffsgarantien, dem Abzug der US‑Truppen aus der Region, der Freigabe iranischer Vermögenswerte, Ausgleichszahlungen sowie der Aufhebung der Sanktionen an.

Trump hatte zuvor erklärt, dass ihn die neuen Vorschläge Irans nicht zufriedenstellen. Ob er den genannten 14‑Punkte‑Entwurf eines Friedensabkommens jedoch bereits abgelehnt hat, ist derzeit nicht bekannt. Gelingt es den Parteien nicht, einen Kompromiss zu finden, steigen die Risiken eines Eskalationsszenarios deutlich an. Laut der britischen Zeitung The Guardian, die sich auf einen ranghohen iranischen Militär, Mohammad Jafar Asadi, beruft, könnte ein Krieg zwischen den USA und Iran „bald wieder aufflammen“, falls die diplomatischen Bemühungen vollständig zum Erliegen kommen. Bemerkenswert ist, dass Vertreter der IRGC am Sonntag erklärten, die USA hätten nur noch zwei Optionen: eine „nicht tragfähige“ Militäroperation oder einen „ungünstigen Deal“. Welche Seite die Waage überwiegen wird, wird sich bald zeigen.

In den kommenden Tagen wird sich die Aufmerksamkeit der EUR/USD‑Trader somit vollständig auf die geopolitische Agenda richten. Makroökonomische Daten werden nur eine sekundäre, unterstützende Rolle spielen, indem sie den dominierenden Einfluss geopolitischer Faktoren entweder verstärken oder abschwächen.

Setzt Trump das „TACO principle“ nicht um – das heißt, er mildert seine Position nicht in letzter Minute – wird sich der Dollar am Markt deutlich aufwerten, auch gegenüber dem Euro. In diesem Fall werden EUR/USD‑Verkäufer das Unterstützungsniveau von 1,1710 (die Mittellinie des Bollinger-Bands-Indikators im Vierstundenchart) durchbrechen und sich in Richtung des nächsten Unterstützungsniveaus von 1,1660 bewegen, das der unteren Linie der Bollinger Bands im gleichen Zeitrahmen entspricht.