EUR/USD. Der „Iran-Fall“ und Handelsrisiken: Der Markt testet die Unterstützungszone bei 1,1690

Verkäufer des EUR/USD testeten am Montag die Marke von 1,16 vor dem Hintergrund eines düsteren, beunruhigenden fundamentalen Umfelds. Neben dem anhaltenden Einfluss des Konflikts im Nahen Osten lastet zusätzlicher Druck auf dem Währungspaar durch die Eskalation der Handels Spannungen zwischen den USA und der EU, nachdem Donald Trump jüngst damit gedroht hat, Zölle auf die europäische Automobilindustrie anzuheben. Eine erneute Welle der Risikoaversion begünstigt den als sicherer Hafen geltenden Dollar, der an den Märkten verstärkt nachgefragt wird. Es scheint, als werde sich dieser Trend – zumindest kurzfristig – fortsetzen. Sollte Trump die Märkte nicht erneut mit einer „TACO-Strategie“ überraschen, bleibt das Währungspaar EUR/USD kräftig unter Druck.

Beginnen wir mit dem „Iran-Fall“. Leider ist die Lage hier noch weit von einer Deeskalation entfernt. Die USA und Iran halten über pakistanische Vermittler Kontakt, haben aber bislang noch keine Einigung erzielt. Auf dem Verhandlungstisch liegen zwei „konkurrierende“ Vorschläge, die de facto gegensätzliche Positionen widerspiegeln: Die Bedingungen Irans sind für die Vereinigten Staaten inakzeptabel, während die amerikanischen Forderungen wiederum Teheran nicht zufriedenstellen. Washington besteht auf der sofortigen Öffnung der Straße von Hormus, auf Garantien für die Sicherheit der Schifffahrt sowie auf langfristigen Beschränkungen des iranischen Nuklearprogramms – bis hin zu einem vollständigen Verbot der Anreicherung. Die iranische Seite wiederum beharrt auf der Aufhebung aller Sanktionen, der Beendigung der US-Seeblockade und dem Abzug der amerikanischen Truppen aus der Region. Nach Angaben iranischer Vertreter sollen sich die aktuellen Gespräche ausschließlich auf die Bedingungen für die Beendigung des Krieges konzentrieren, nicht auf das „nukleare Dossier“.

Trump hat den neuen Verhandlungsplan Irans bereits als „inakzeptabel“ bezeichnet. Zugleich erklärte er, dass amerikanische Vertreter „sehr positive“ Gespräche mit Teheran führten.

Darüber hinaus kündigte der US-Präsident an, dass amerikanische Streitkräfte noch in dieser Woche damit beginnen würden, zivile Schiffe zu eskortieren, die in der Straße von Hormus feststecken. Iran hat diese Ankündigung bereits scharf kritisiert. Insbesondere erklärte der Vorsitzende des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit, dass eine US‑Einmischung in die Schifffahrt in der Region „als Verletzung der Waffenruhe betrachtet werden wird“. Er betonte, dass jeder Versuch, die neue Ordnung in der Meerenge zu beeinflussen, „eine Reaktion hervorrufen wird“.

Mit anderen Worten: Die Situation bleibt äußerst angespannt und widersprüchlich. Einerseits tauschen die Verhandlungspartner über Mittelsmänner Vorschläge aus, zeigen damit eine formale Gesprächsbereitschaft und das Bestreben, den Verhandlungsprozess aktiv am Laufen zu halten. Andererseits setzen beide Länder ihren harten, kriegerischen Ton fort und signalisieren damit, dass es im Verhandlungsprozess real keinen Fortschritt gibt. So warnten Vertreter der IRGC etwa, sie seien bereit, bei einem vollständigen Scheitern der diplomatischen Bemühungen die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufzunehmen. Die Vereinigten Staaten wiederum demonstrieren ihrerseits die Bereitschaft, zu einem militärischen Szenario zurückzukehren, indem sie eine bedeutende Marinepräsenz in der Nähe der iranischen Grenzen aufrechterhalten.

Damit bleibt der Faktor Naher Osten ein wesentlicher Treiber für die Nachfrage nach sicheren Häfen – einschließlich des Dollars.

Eine zusätzliche Risikoquelle ist die sich zuspitzende handelspolitische Spannung zwischen den USA und der EU. Zur Erinnerung: Am 1. Mai kündigte Donald Trump an, dass die Vereinigten Staaten die Zölle auf Personen- und Nutzfahrzeuge aus der EU von 15 % auf 25 % anheben werden. Das Weiße Haus warf der Europäischen Union vor, die Bedingungen eines im Juli vergangenen Jahres in Schottland geschlossenen Handelsabkommens nicht einzuhalten. Nach Auffassung der amerikanischen Seite verzögert Brüssel den Ratifizierungsprozess des ausgehandelten Abkommens bewusst. Wichtig ist, dass die EU die Zölle auf importierte amerikanische Industriegüter (wie von beiden Seiten vereinbart) bisher noch nicht gesenkt hat – obwohl seit der Unterzeichnung des Abkommens in Turnberry bereits neun Monate vergangen sind.

Als Reaktion erklärte der Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis, die EU werde zu Gegenmaßnahmen greifen, falls Trump seine Drohungen wahrmacht und die Zölle auf europäische Autos tatsächlich anhebt.

Aktuell befindet sich die Situation jedoch weiter im Schwebezustand. Trump hat das Dekret zur Anhebung der Zölle noch nicht unterzeichnet, während die Europäer signalisieren, dass sie die Umsetzung der „Turnberry-Abkommen“ beschleunigen. So werden nach Angaben von Reuters das Europäische Parlament und der Rat der EU ab Mittwoch – also in nur zwei Tagen – ihre Verhandlungen zur Senkung der Zölle auf Einfuhren amerikanischer Waren fortsetzen. Ob diese Gespräche erfolgreich sein werden und ob Trump deren Ergebnis abwarten wird, bleibt allerdings offen.

Damit ist die vorherrschende bärische Stimmung gegenüber dem Währungspaar EUR/USD nachvollziehbar und begründet. Dennoch ist es den Verkäufern bislang nicht gelungen, sich nachhaltig in der 1,16er‑Zone zu etablieren, obwohl sie das Unterstützungsniveau bei 1,1690 (die Mittellinie des Bollinger‑Bands‑Indikators im W1‑Zeitfenster) aktiv testen. Hauptgrund dafür ist vor allem die anhaltende Unsicherheit sowohl in Bezug auf den „Iran-Fall“ als auch hinsichtlich der amerikanischen Handelspolitik. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, Short‑Positionen bei korrektiven Rücksetzern in Betracht zu ziehen, wobei das erste (und derzeit einzige) Ziel für die Abwärtsbewegung bei 1,1690 liegt.