Am Mittwoch ist der Preis für amerikanisches Öl, gemessen an West Texas Intermediate (WTI), stark gefallen. Der Markt bewertet die geopolitischen Risiken im Nahen Osten neu, nachdem Axios über bedeutende positive Entwicklungen in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran berichtet hat.
Laut Axios stehen Washington und Teheran kurz davor, ein Memorandum of Understanding zu unterzeichnen, das zur Lösung des aktuellen Konflikts beitragen und den Weg für einen erweiterten Dialog über das Atomprogramm Irans ebnen soll. Berichten zufolge umfassen die diskutierten Punkte die schrittweise Aufhebung von Beschränkungen in der Straße von Hormus, die Verhängung eines Moratoriums für die Urananreicherung durch Iran sowie eine Lockerung der amerikanischen Sanktionen, wodurch Milliarden von Dollar eingefrorener iranischer Vermögenswerte freigegeben würden.
Zusätzlich erwartet das Weiße Haus innerhalb der nächsten 48 Stunden eine Antwort Irans zu zentralen Fragen. Eine an den diplomatischen Bemühungen in Pakistan beteiligte Quelle bestätigte gegenüber Reuters, dass die Parteien „praktisch kurz davor“ stehen, eine Vereinbarung abzuschließen.
Diese Entwicklungen haben an den Finanzmärkten eine Risikoaversion in Richtung „risk-on“ ausgelöst und zu einem starken Rückgang der Ölpreise geführt, da Anleger begonnen haben, die mit potenziellen Angebotsunterbrechungen verbundene „geopolitische Prämie“ aktiv abzubauen.
Die Straße von Hormus bleibt eine strategisch wichtige Schlagader für den globalen Energiemarkt: Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert diese enge Meerenge. Jede nachhaltige Verbesserung der Lage in der Region reduziert automatisch die Sorge vor möglichen Störungen der Rohölversorgung.
Die bärische Marktbewegung verstärkte sich, nachdem der US-Präsident Donald Trump eine vorübergehende Aussetzung der Initiative „Project Freedom“ bekannt gab, die darauf abzielte, die sichere Schifffahrt durch die Straße von Hormus wiederherzustellen, um weitere diplomatische Verhandlungen zu ermöglichen. Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, dass die Waffenruhe zwischen den USA und Iran derzeit eingehalten werde und betonte, Washington sei nicht an einer Eskalation des Konflikts interessiert.
Der Rückgang der Ölpreise erfolgt trotz anhaltend angespannter Bedingungen am physischen Markt. Am Dienstag meldete das American Petroleum Institute (API) für die vergangene Woche einen Rückgang der US-Rohölbestände um 8,1 Millionen Barrel und übertraf damit deutlich die Konsensprognose eines Rückgangs um 2,8 Millionen Barrel. Zudem warnten Analysten von Goldman Sachs, dass die weltweiten Ölbestände sich Niveaus nähern, die seit acht Jahren nicht mehr so niedrig waren.
Dennoch konzentrieren sich die Märkte kurzfristig eindeutig auf die Verbesserung der geopolitischen Lage, da ein mögliches Abkommen zwischen den USA und Iran die Energieversorgung in der Region nach und nach stabilisieren und die Risiken für das globale Angebot verringern könnte.
Aus technischer Sicht wurde der jüngste Durchbruch unter den 200-Perioden-Simple Moving Average (SMA) im Vier-Stunden-Chart als zentrales bärisches Signal gewertet. Der Relative-Stärke-Index (RSI) schwankt im überverkauften Bereich, was auf eine wahrscheinliche Korrektur hindeutet.
Im Tageschart hat der Relative-Stärke-Index die bärische Einschätzung für die kurze Frist bestätigt, indem er in den negativen Bereich überging. Es ist jedoch zu beachten, dass weder der 100-Tage- noch der 200-Tage-SMA ihren Verlauf geändert haben, was darauf hindeutet, dass die Ölpreise künftig wieder steigen könnten.