Am Donnerstag drehte das Währungspaar EUR/USD erneut zugunsten des US-Dollars und konsolidierte sich unterhalb des 50,0%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1745. Infolgedessen könnte die Abwärtsbewegung des Paares heute in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels von 38,2% bei 1,1666 anhalten. Allerdings hängt heute alles von den Nachrichten ab. Ein Schlusskurs oberhalb des Niveaus von 1,1745 würde den Bullen erneut ermöglichen, Angriffe in Richtung des 61,8%-Korrekturlevels bei 1,1824 zu starten.
Die Wellenstruktur im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat das vorherige Hoch nur um wenige Punkte überschritten, während die neue Abwärtswelle das vorherige Tief unterschritten hat. Damit hat sich der Trend erneut in einen Aufwärtstrend verwandelt, bleibt jedoch äußerst instabil, da alle jüngsten Wellen in etwa gleich groß waren. Die vorübergehende Waffenruhe zwischen Iran und den USA hat die Bullen unterstützt, aber nun, drei Wochen später, lässt sich sagen, dass sich die geopolitische Entwicklung in Richtung einer Verlängerung des Konflikts bewegt. Daher könnten die bullischen Angriffe begrenzt bleiben oder ganz zum Erliegen kommen.
Am Donnerstag war der Nachrichtenhintergrund äußerst schwach, sodass die Händler den gesamten Tag über überwiegend passiv blieben. Am Abend kam es zu seltsamen und unerklärten Explosionen im Iran, während Donald Trump seine Rhetorik gegenüber Teheran erneut verschärfte. Zu den Ursachen oder Quellen der Explosionen liegen bislang keine Informationen vor. Trump erklärte, dass der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA weiterhin in Kraft sei, betonte jedoch zugleich, dass Amerika bereit sei, die Angriffe auf den Iran wiederaufzunehmen, falls kein Abkommen unterzeichnet werde.
„Iran wird von Verrückten regiert. Wenn sie die Möglichkeit hätten, Atomwaffen einzusetzen, hätten sie das längst getan. Aber sie werden diese Möglichkeit niemals haben. Wir werden sie zerstören, wenn sie kein Abkommen unterzeichnen“, schrieb Donald Trump in den sozialen Medien.
Damit erinnert die gesamte Situation erneut an den Versuch, Iran unter Druck zu setzen, ein Abkommen zu den Bedingungen der USA zu akzeptieren. Die Händler verfügen nicht über vollständige Informationen zu den Verhandlungen, was es äußerst schwierig macht, belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Allerdings ist bislang nicht einmal eine Rahmenvereinbarung oder ein Memorandum of Understanding vereinbart oder unterzeichnet worden. Der Konflikt zieht sich in die Länge, und ebenso die Verhandlungen. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Eskalation des Konflikts.
Im 4-Stunden-Chart hat das Paar zugunsten des US-Dollars gedreht und mit einem Rückgang in Richtung des 76,4%-Korrekturlevels bei 1,1617 begonnen. Ein erneuter Rückprall vom Niveau bei 1,1778 stützt die Erwartungen einer weiteren Abwärtsbewegung. Meiner Ansicht nach ist der Stunden-Chart derzeit aufgrund der insgesamt schwachen Kursbewegung aussagekräftiger. Die Bullen hatten vor etwa einem Monat die Initiative am Markt übernommen, suchen nun aber nach neuen Impulsen für weiteres Wachstum. Derzeit sind auf keinem Indikator neue Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT) Report:
In der jüngsten Berichtswoche schlossen professionelle Händler 316 Long-Positionen und eröffneten 5.296 Short-Positionen. Über sieben Wochen im Februar und März ist der gesamte Vorteil der Bullen dahingeschmolzen, während sich die Lage in den letzten fünf Wochen wieder etwas ausgeglichener darstellt. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 217.000, die Short-Positionen auf 181.000. Die Lücke weitet sich erneut zugunsten des Euro aus.
Insgesamt blicken die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin mit erheblichem Interesse auf den Euro. Selbstverständlich beeinflussen verschiedene globale Ereignisse – von denen es in den vergangenen Jahren viele gab – nach wie vor die Anlegerstimmung. Derzeit konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf den Nahen Osten, wo der Konflikt lediglich unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und Dollar in naher Zukunft weniger an der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB und an Konjunkturdaten orientieren, sondern stärker an den Entwicklungen im Iran.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
Deutschland – Veränderung der Industrieproduktion (06:00 UTC)Eurozone – Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (07:00 UTC)USA – Veränderung der Nonfarm Payrolls (12:30 UTC)USA – Arbeitslosenquote (12:30 UTC)USA – Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne (12:30 UTC)USA – University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC)Der Wirtschaftskalender für den 8. Mai umfasst sechs Termine, wobei alle Veröffentlichungen aus den USA als wichtig gelten. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung könnte in der zweiten Hälfte des Freitags stark ausfallen.
EUR/USD Prognose und Handelstipps:
Verkaufsgelegenheiten können heute in Betracht gezogen werden, wenn sich das Paar auf dem Stundenchart unterhalb der Marke von 1,1745 festigt, mit einem Ziel bei 1,1666. Kaufpositionen können in Erwägung gezogen werden, wenn sich das Paar oberhalb der Marke von 1,1745 stabilisiert, mit einem Ziel bei 1,1824.
Die Fibonacci-Retracement-Niveaus werden auf dem Stundenchart von 1,2082–1,1410 und auf dem 4-Stunden-Chart von 1,1474–1,2082 eingezeichnet.