Was komplex erscheint, erweist sich als einfach, und was einfach wirkt, wird komplex. Als Donald Trump Kevin Warsh zum Chairman der Federal Reserve ernannte, hatten Trader eine naheliegende Strategie: US-Staatsanleihen kaufen und den US-Dollar verkaufen, in Erwartung von Zinssenkungen. Doch die Marktstimmung schlug rasch in die entgegengesetzte Richtung um. Die Dynamik der US-Treasury-Zinskurve signalisiert das Risiko einer Straffung der Geldpolitik. Das erlaubt den „Bären“ im EUR/USD, vorzurücken.
Dynamik der Treasury-ZinskurveLaut MUFG könnte Warsh das FOMC in Richtung einer expansiveren Geldpolitik drängen, doch die meisten Mitglieder dürften ihm kaum folgen. Tatsächlich deuten die robusten Beschäftigungsdaten für April auf eine Stabilisierung des US‑Arbeitsmarktes hin. Zugleich zwingt der Anstieg der Verbraucherpreise auf 3,8 % und der Kerninflation auf 2,8 % die Fed dazu, eine Anhebung des Federal Funds Rate in Erwägung zu ziehen.
Vor diesem Hintergrund verblassen sowohl die „hawkische“ Rhetorik von Vertretern der European Central Bank als auch die positive Überraschung beim deutschen Investorenstimmungsindex. Ermutigt durch die möglichen Chancen auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hoben die ZEW‑Befragten ihre Geschäftserwartungen an. Die aktuelle Lage verschlechterte sich jedoch weiter.
Dynamik der Investorenstimmung in DeutschlandMUFG meint, dass sich EUR/USD-Bullen davon nicht mitreißen lassen sollten. Das historische Muster scheint sich im Kreis zu drehen. Für den Euro war ein deutlicher Rückgang erwartet worden, so wie zu Beginn des bewaffneten Konflikts in der Ukraine.
Der Hauptgrund für die Widerstandsfähigkeit der regionalen Währung ist das Ausbleiben der Energiekrise, die 2022 belastete. Die Gaspreise sind nicht so stark gestiegen wie vor vier Jahren. Allerdings könnte die Erschöpfung der Erdgasreserven dazu führen, dass das wichtigste Währungspaar wieder in alte Fallen tappt – bis hin zum Fall auf die Parität.
Druck auf EUR/USD könnte sich aus den einbrechenden politischen Zustimmungswerten des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz ergeben. Er wurde im Parlament ausgebuht, nachdem er ein striktes Sparpaket mit Kürzungen im Gesundheitswesen und einer strukturellen Reform des Rentensystems vorgestellt hatte. Versuche, Ordnung in die Koalition und seine eigene Partei zu bringen, haben bislang noch keine positiven Ergebnisse gebracht. Merz läuft Gefahr, dem Beispiel von Keir Starmer zu folgen, dessen Position als britischer Premierminister ins Wanken geraten ist und der dadurch Ausverkäufe beim Pfund ausgelöst hat.
Weder die Konjunktur noch die Politik sprechen derzeit für den Euro. Der US‑Dollar hingegen könnte von steigenden Ölpreisen und anziehender Inflation profitieren. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit steigender Brent‑Preise deutlich höher als die eines Rückgangs. Diese Kräfteverhältnisse am Ölmarkt drohen die Inflation in den USA anzuheizen und die Fed zu Zinserhöhungen zu veranlassen.
Aus technischer Sicht bewegt sich der EUR/USD auf Tagesbasis weiterhin in einer Fair-Value-Spanne von 1,1680–1,1780. Die Versuche der Bullen, die obere Begrenzung des Handelkanals zu durchbrechen, scheitern nun bereits seit fünf Tagen. Ein Rückgang des Euro unter 1,1735 US‑Dollar würde ein Verkaufssignal liefern.