EUR/USD: Märkte beobachten Trump-Xi-Gipfel inmitten von Handels­hoffnungen

Heute richten alle Trader ihre Aufmerksamkeit im Hinblick auf EUR/USD auf Peking. Zum ersten Mal seit acht Jahren ist US-Präsident Donald Trump zu einem offiziellen Besuch nach China gereist, um Gespräche mit Präsident Xi Jinping zu führen.

Das Ereignis ist zweifellos alles andere als gewöhnlich. Journalisten zerlegen selbst die kleinsten Details: Besonders die Tatsache, dass es Trump nicht gelang, beim Händedruck mit Xi die Initiative zu übernehmen (der US-Präsident versuchte, die Hände zu sich heranzuziehen, doch der chinesische Staatschef ging diese Bewegung mit), wurde zum Gegenstand weltweiter Medienaufmerksamkeit.

Wenn bereits derartige Kleinigkeiten unter die Lupe genommen werden, dann analysiert der Markt die ersten Äußerungen der Staatschefs geradezu mit einem Vergrößerungsglas. Jedes Wort hat Gewicht; jede Formulierung und jede rhetorische Wendung spielt eine Rolle – auch für Trader im EUR/USD.

Die Staatschefs der Supermächte haben bereits die erste Runde der bilateralen Gespräche abgeschlossen, die mehr als zwei Stunden dauerte. Nach diesem Treffen erklärte Xi Jinping, die Länder sollten Partner und keine Rivalen sein, und betonte die Notwendigkeit von Stabilität. Trump nannte Xi im Gegenzug einen großartigen Führer und Freund und äußerte die Hoffnung auf eine „fantastische Zukunft der Beziehungen“.

Dennoch war das Trump–Xi-Treffen laut führenden internationalen Medien zwar positiv und sachlich, aber nicht bahnbrechend – ohne große endgültige Vereinbarungen oder abrupte Kurswechsel.

Gleichzeitig warnte der chinesische Staatschef den US-Präsidenten vor der Gefahr eines direkten Konflikts, falls die Taiwan-Frage falsch gehandhabt werde. Wie Bloomberg berichtet, trübten solche Äußerungen Xis die freundliche Atmosphäre des Treffens etwas. Die Associated Press formulierte noch schärfer und meinte, der US-Präsident habe in Peking Binsenweisheiten von sich gegeben, während Xi Jinping offen und direkt vor einer möglichen Konfrontation gewarnt habe. Insbesondere bei der Diskussion über Washingtons Vorgehen in der Taiwan-Frage verwies Xi auf die Thukydides-Falle – das Risiko eines Krieges oder einer scharfen Eskalation, wenn eine schnell aufsteigende Macht eine dominierende herausfordert – und betonte zugleich, dass ein Konflikt weder automatisch noch unvermeidlich sei. Xis strenger Ton stand in starkem Kontrast zu Trumps Auftreten, der seinen chinesischen Amtskollegen lobte und sagte, es sei ihm eine Ehre, sein Freund zu sein. Auf die Frage, ob der Fall Taiwan während des Treffens besprochen worden sei, wollte der US-Präsident jedoch nicht antworten.

Analysten schätzen, dass ein so deutlicher Kontrast in der Rhetorik auf eine substanzielle Distanz zwischen den Staatschefs in zentralen strategischen Fragen hinweist (die US-Beziehungen zu Taiwan, der Konflikt im Nahen Osten und Handelsstreitigkeiten). Nach Einschätzung der AP ist das Trump–Xi-Treffen eher eine politische Inszenierung und eine symbolische Geste als ein Zeichen für einen ernsthaften Durchbruch.

Andere Beobachter gehen davon aus, dass Donald Trump im Vorfeld der Kongress-Zwischenwahlen im November einen schnellen und lauten wirtschaftlichen Erfolg anstrebt (etwa eine Ausweitung der chinesischen Käufe von US-Agrarprodukten). China hingegen verfolgt ein deutlich langfristigeres Spiel, bei dem es nicht um einen einmaligen Deal geht, sondern um eine schrittweise und systematische Abschwächung des US-Zolldrucks. Das Treffen der Staatschefs wirkt daher wie ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Herangehensweisen und Ziele. Auf der einen Seite steht das Bedürfnis, kurzfristige politische Aufgaben zu lösen; auf der anderen eine langfristige Logik und der Aufbau eines stabileren Kräftegleichgewichts.

Diese Einschätzungen dominieren derzeit die globale Medienlandschaft.

Gleichzeitig haben offizielle iranische Vertreter ihre Rhetorik gegenüber den Vereinigten Staaten deutlich verschärft. Außenminister Abbas Araghchi forderte heute öffentlich dazu auf, der amerikanischen Despotie ein Ende zu bereiten und sie auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen. Solch scharfe Aussagen deuten darauf hin, dass sich das Verhandlungsfenster zwischen den USA und Iran schließt und das Risiko einer weiteren Eskalation hoch bleibt.

Vor diesem ambivalenten fundamentalen Hintergrund steht EUR/USD unter Druck, hält sich aber weiterhin innerhalb der 1,17er-Marke. Gestern versuchten Verkäufer, sich der Hauptunterstützung bei 1,1690 (der Mittellinie des Bollinger-Bänder-Indikators im Wochenchart) zu nähern, kamen aber nur bis 1,1696 und schlossen den Handelstag bei 1,1711. Heute pendelt das Paar im unteren Bereich der 1,17er-Zone.

Meiner Ansicht nach ist der sogenannte „Xi-Faktor“ derzeit kaum in der Lage, einen nachhaltigen Trend zu formen – der Markt reagiert auf Rhetorik schneller als auf tatsächliche Vereinbarungen oder Nicht-Vereinbarungen. Unter solchen Umständen sind kursbewegende Schlagzeilen meist emotional getrieben und werden in der Regel später teilweise oder vollständig korrigiert.

Daher ist es im Moment ratsam, bei EUR/USD eine abwartende Haltung einzunehmen. Erstens ist Trumps Besuch in China noch nicht beendet, die Verhandlungen laufen weiter. Zweitens ist es unter diesen Bedingungen klüger, die Nachrichten nicht im Moment zu handeln, sondern abzuwarten, bis der Markt sie verarbeitet hat und die Richtung über die Dollardynamik und Risikoanlagen bestätigt. Mit anderen Worten: In dieser Phase der US–China-Saga ist es vernünftig, sich vorerst aus dem Markt herauszuhalten.