S&P500 (SPX): Die Tech-Lokomotive ignoriert den Inflationsschock

Der US-Aktienmarkt zeigt weiterhin eine überraschende Widerstandsfähigkeit. In der ersten Hälfte der europäischen Sitzung am Donnerstag markierte der S&P 500 ein neues Allzeithoch und notierte über 7.470,00.

Dies geschah trotz überraschend hoher Daten zur Erzeugerpreisinflation (PPI), die erneut Befürchtungen über eine weitere geldpolitische Straffung aufkommen ließen. Stattdessen setzten die Anleger auf das Treffen der US- und chinesischen Staats- und Regierungschefs in der Hoffnung, dass der Gipfel die Handelsrisiken verringern würde, und richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Technologiesektor.

Fundamentale Ausgangslage: Ignorieren der Realität, ein „hawkisher“ Pausenmodus, Warshs Ernennung und der US‑China‑Gipfel

Gestern war der wichtigste Auslöser für Nervosität an den Märkten der Produzentenpreisindex (PPI) für April. Die Zahlen waren schockierend und deuteten – nach der CPI‑Veröffentlichung am Dienstag – erneut auf eine Inflation hin, die nicht nachlässt.

Wichtige PPI‑Daten:

- Jährlicher PPI: 6,0 %, Prognose 4,9 %, vorher 4,3 %

- Kern‑PPI (j/j): 5,2 %, Prognose 4,3 %, vorher 4,0 %

- Monatlicher PPI: 1,4 %, Prognose 0,5 %, vorher 0,7 %

Dies waren die stärksten Werte seit Dezember 2022. Besonders beunruhigend ist, dass der rasche Anstieg der Energiepreise (bedingt durch die Blockade der Straße von Hormus) beginnt, sich auf andere Sektoren auszuweiten, was auf eine breitere Weitergabe der Inflation schließen lässt. Ökonomen warnen, dass die Divergenz zwischen PPI und CPI ihren größten Abstand seit 2010 erreicht hat – ein Signal für anhaltenden Inflationsdruck in den kommenden Monaten.

Trotz dieses Inflationsschocks sind die Märkte nicht in einen tiefen Ausverkauf geraten. Das liegt daran, dass sich die Anleger auf den US‑China‑Gipfel und einen starken Technologiesektor konzentrierten und die beunruhigenden Signale vorübergehend ausblendeten.

Die Markterwartungen wurden unmittelbar neu justiert: Zinssenkungen im Jahr 2026 wurden vollständig aus den Szenarien gestrichen, und der Fokus verlagerte sich auf die Möglichkeit einer Zinserhöhung bis zum Jahresende. Die Renditen 30‑jähriger US‑Staatsanleihen näherten sich 5 %, was die Opportunitätskosten für Anleger erhöht.

Die „hawkishe“ Grundtendenz wurde durch die Bestätigung von Kevin Warsh als neuem Fed‑Vorsitzenden durch den Senat am Mittwoch zementiert. Seine Ernennung verstärkt die Sorge vor einer länger anhaltenden straffen Geldpolitik, da er für einen starken US‑Dollar bekannt ist und einen lockeren Kurs ablehnt.

Der Gipfel zwischen US‑Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping wurde zum Hauptereignis, das einen breiteren Ausverkauf verhinderte. Die Erwartungen an konkrete Durchbrüche waren gering, doch allein das Treffen und Anzeichen für eine Stabilisierung der Beziehungen wurden positiv aufgenommen.

Laut Berichten sprachen die beiden Seiten über einen besseren Zugang für US‑Unternehmen zum chinesischen Markt und über steigende chinesische Investitionen. Ein zentrales Ergebnis war zudem die Feststellung, dass die Straße von Hormus offen bleiben müsse und dass Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen dürfe. Diese geopolitische Aussage wirkte als starkes positives Signal. Der Technologiesektor erhielt zusätzlichen Rückenwind durch die Präsenz von Nvidia‑CEO Jensen Huang in Trumps Delegation, was Hoffnungen auf gelockerte Exportbeschränkungen nährte.

Kurze technische Analyse

Aus technischer Sicht zeigt der S&P 500 weiterhin eine ausgeprägt bullische Dynamik, nachdem er sich Ende März kraftvoll von den Tiefs im Bereich von 6.310,00 erholt hat.

In kurzen, mittleren und langen Zeitrahmen notiert der Kurs über den wichtigen gleitenden Durchschnitten (50, 144 und 200), und die wichtigsten Indikatoren befinden sich weiterhin im bullischen Bereich.

Im Tageschart liegen RSI und Stochastik im überkauften Bereich und signalisieren nach dem ausgedehnten Anstieg eine mögliche Konsolidierung oder Korrektur, worauf auch das OsMA-Histogramm hindeutet. OsMA bleibt zwar über null, steigt aber nicht mehr weiter an und geht leicht zurück.

Das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Tage ist eine fortgesetzte Konsolidierung in der Spanne 7.400,00–7.500,00, mit einem möglichen Rücksetzer bis 7.347,00 (EMA200 im 1-Stunden-Chart). Der Markt wird die Ergebnisse des Gipfels verarbeiten und den tatsächlichen Gehalt möglicher Handels- und Technologieabkommen bewerten, der geringer ausfallen könnte als erhofft.

Wichtige Ereignisse

- Do–Fr, 13.–14. Mai: US-Präsident Trump trifft Chinas Präsident Xi Jinping in Peking – der wichtigste geopolitische Auslöser; jede Einigung zu Technologie oder Zöllen würde die Rally stützen.

- Heute, 12:30 GMT: Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen für April – Einschätzung der Widerstandsfähigkeit der Konsumnachfrage.

- 15. Mai: offizielles Ende der Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Chef – Abschluss des Führungswechsels bei der Fed.

Fazit

Der S&P500 befindet sich in einer paradoxen Situation. Schockierende Inflationsdaten (der jährliche PPI sprang auf 6,0 %) und steigende Erwartungen an eine restriktivere Fed-Politik (Anleiherenditen ziehen an) schaffen ein klassisch bärisches Umfeld. Dennoch treibt der Technologiesektor, gestützt durch die Hoffnung auf gelockerte China-Beschränkungen und robuste Unternehmensgewinne, den Index weiter nach oben.

Die Schlüsselzone 7.400,00–7.500,00 wird in den kommenden Tagen zum Schauplatz der entscheidenden Auseinandersetzung. Ein Halten über 7.410,00 erhält die Chance auf einen Ausbruch über 7.500,00 und einen anschließenden Anstieg in Richtung 7.600,00. Technische Indikatoren im überkauften Bereich warnen zwar vor einer möglichen Korrektur, doch der vom Gipfel ausgelöste fundamentale Impuls überwiegt bislang.

Siehe auch: S&P500 (SPX): Szenarioausblick am 14.05.2026

Während die Inflation weiter steigt, zeigt sich der Technologiesektor nach wie vor widerstandsfähig. Diese Robustheit, zusammen mit den diplomatischen Hoffnungen in Peking, hat den Markt vor stärkeren Rückgängen bewahrt. Anleger sollten die Gipfelergebnisse, die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen sowie die Kommentare des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh genau beobachten.