Ungemach kommt selten allein. China nutzt die Schwächen der USA – etwa das Urteil des Supreme Court, demzufolge Zölle rechtswidrig sind, und Rückschläge im Nahen Osten – und geht die Taiwan-Frage frontal an. Xi Jinping zeigte sich unzufrieden über US‑Waffenverkäufe an die Insel und drängte Donald Trump dazu, die Anerkennung der Eigenständigkeit Taipehs zurückzunehmen. Andernfalls sei ein groß angelegter Konflikt zwischen Supermächten möglich.
Der Bewohner des Weißen Hauses befindet sich in einer schwierigen Lage. Versucht er, das Waffengeschäft mit Taiwan zu blockieren, drohen ihm Probleme mit dem Kongress und mit Wählern, die bereits jetzt mit dem Konflikt im Nahen Osten unzufrieden sind. Tut er dies nicht, zieht er den Zorn Pekings auf sich. Für die Weltwirtschaft zeichnet sich damit ein dritter geopolitischer Krisenherd ab, der die Nachfrage nach dem US‑Dollar als sicherem Hafen erhöhen und EUR/USD unter 1,17 drücken würde.
Dynamik der europäischen Einkaufsmanagerindizes und der InflationAnleger sind zunehmend besorgt über eine mögliche Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Juni. Auf der Pressekonferenz nach der letzten Sitzung des EZB-Rats äußerte Christine Lagarde Zuversicht hinsichtlich der Notwendigkeit, die Geldpolitik zu straffen. In der Folge begann der Terminmarkt, für das Jahr 2026 zwei bis drei Schritte einer geldpolitischen Straffung einzupreisen, wobei sich die Experten von Bloomberg auf zwei festlegten.
Die Ölpreise steigen jedoch trotz des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten nicht. Das bedeutet, dass die Inflation im Euroraum wahrscheinlich nicht so schnell zunimmt, wie die EZB befürchtet hatte. Vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Geschäftstätigkeit nehmen die Risiken eines Stagflationsschocks, vor dem EZB-Ratsmitglied Olli Rehn gewarnt hat, zu. Chefvolkswirt Philip Lane bemerkte, dass eine Abschwächung der Binnennachfrage Anpassungen der Geldpolitik erheblich erschweren würde.
Damit könnten die Märkte zu früh reagiert haben, als sie ein mögliches Anziehen der Geldpolitik signalisierten, was den EUR/USD zunächst stützte. Eine Rücknahme solcher Erwartungen dürfte das Hauptwährungspaar jedoch unter Druck setzen. Zudem liefern die makroökonomischen Daten aus den Vereinigten Staaten zunehmend überzeugende Argumente für eine Anhebung der Federal-Funds-Rate.
Dynamik der US-ErzeugerpreiseNach einem beeindruckenden Anstieg der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in den USA um 115.000 und einer Beschleunigung der Verbraucherpreise auf 3,8 % haben nun auch die Erzeugerpreise für positive Nachrichten gesorgt. Im April stiegen sie um 6 % und erreichten damit den höchsten Stand seit 2022.
Wenn der Arbeitsmarkt stark ist und die Inflation anzieht, ist es ein geeigneter Zeitpunkt, eine Straffung der Geldpolitik in Betracht zu ziehen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Je mehr Mitglieder des FOMC zu dieser Auffassung tendieren, desto besser wird sich der US‑Dollar entwickeln.
Aus technischer Sicht testet das Währungspaar EUR/USD im Tageschart die Untergrenze der Fair-Value-Spanne bei 1,1685–1,1775. Gelingt dieser Test, steigen die Risiken weiterer Rückgänge des Euro in Richtung 1,159 und 1,154 US‑Dollar, was den Tradern eine Gelegenheit für Verkäufe bietet.