GBP/USD. Britisches BIP und politischer Sturm in der Downing Street

Das Pfund gegenüber dem Dollar testet erneut die Marke von 1,34 vor dem Hintergrund einer allgemeinen Stärke des Greenback und einer gleichzeitigen Schwäche der britischen Währung. Händler, die sich auf GBP/USD konzentrieren, achten dabei nicht nur auf geopolitische Faktoren, sondern auch auf makroökonomische Daten. Am Mittwoch reagierten die Marktteilnehmer auf einen unerwartet starken US-PPI-Bericht, während am Donnerstag Daten zum britischen Wirtschaftswachstum veröffentlicht wurden, die sich als äußerst widersprüchlich erwiesen.

Den veröffentlichten Daten zufolge stieg das britische BIP im März gegenüber dem Vormonat um 0,3 %, während die meisten Experten einen wirtschaftlichen Rückgang von 0,2 % erwartet hatten. Im ersten Quartal wuchs die britische Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,1 % (Prognose: 0,6 %) – genauso schwach wie im vorherigen Quartal. Im Jahresvergleich erhöhte sich das BIP-Volumen um 1,0 %, während die meisten Experten mit einem moderateren Ergebnis von 0,8 % gerechnet hatten.

Mit anderen Worten: Der veröffentlichte Bericht lässt sich nicht eindeutig als stark oder schwach einordnen – seine Struktur wirkt insgesamt recht widersprüchlich.

Betrachten wir zunächst die Stärken der Veröffentlichung.

Erstens legte der Dienstleistungssektor im Quartalsvergleich deutlich um 0,8 % zu. Die wichtigsten Beiträge kamen aus dem Großhandel, dem IT-Sektor und der Werbebranche. Das zeigt, dass der Dienstleistungssektor trotz Inflationsdruck weiterhin eine hohe Aktivität aufweist.

Zweitens verzeichnete der Bausektor nach einer langen Phase der Stagnation wieder positive Dynamik. Hier wurde ein Wachstum von 0,4 % registriert. Besonders beeindruckend ist der starke Anstieg im März (um 1,5 %), der auf eine wiederkehrende Zuversicht in Infrastrukturprojekte hindeuten könnte.

Der dritte positive Aspekt ist die Widerstandsfähigkeit der Verbraucher. Obwohl der GfK-Konsumklimaindex weiterhin im negativen Bereich liegt (-25 Punkte im April), sind die Einzelhandelsumsätze in Großbritannien in den vergangenen drei Monaten um 1,6 % gestiegen, was die gesamtwirtschaftlichen BIP-Zahlen stützte.

Außerdem übertraf das Wachstum der durchschnittlichen Löhne (3,6 %) nach Inflationsbereinigung erstmals seit langer Zeit wieder den Preisanstieg. Theoretisch entsteht dadurch eine gewisse „Sicherheitsreserve“ für die privaten Haushalte.

Neben diesen Stärken weist der Bericht jedoch auch deutlich schwächere Komponenten auf. So hat sich die Industrie zwar verbessert, der verarbeitende Sektor stagniert jedoch im Grunde genommen. Während die Industrieproduktion im März gegenüber dem Vormonat um 0,2 % zunahm (ein schwaches, aber dennoch positives Wachstum), lag der Wert im Jahresvergleich bei null (bei einer Prognose von +0,2 %).

Hinzu kommt, dass ein Teil des Wachstums vorübergehender, situativer Natur sein könnte. Der Konflikt im Nahen Osten beziehungsweise dessen wirtschaftliche Folgen haben hier eine Rolle gespielt. Viele Unternehmen haben im März angesichts des Risikos von Lieferunterbrechungen und steigenden Energiepreisen versucht, ihre Einkäufe vorzuziehen und Lagerbestände aufzubauen. Käufe von Rohstoffen oder Komponenten „auf Vorrat“ werden von den Statistikbehörden in den Komponenten „Investitionen“ und „Veränderung der Lagerbestände“ verbucht. Ein solcher Effekt kann die Zahlen für das erste Quartal künstlich „nach oben ziehen“, führt aber typischerweise in den Folgemonaten zu einer Abkühlung der Aktivität. Anders gesagt: In diesem Fall handelt es sich nicht um einen vollwertigen Anstieg der Endnachfrage, sondern um eine zeitliche Vorverlagerung eines Teils der zukünftigen Nachfrage in die Gegenwart.

Angesichts dieser Widersprüchlichkeit war der veröffentlichte Bericht nicht in der Lage, die britische Währung zu stützen.

Das Währungspaar GBP/USD steht jedoch nicht nur wegen der uneinheitlichen BIP-Daten und der allgemeinen Stärke des US-Dollars (vor dem Hintergrund eines deutlichen Anstiegs der Risikoaversion) unter Druck – zusätzlichen Druck auf das Pfund haben auch die jüngsten politischen Ereignisse im Vereinigten Königreich ausgeübt.

Zur Erinnerung: Nach den Kommunalwahlen musste die regierende Labour Party eine herbe Niederlage einstecken und verlor die Kontrolle über mehrere Gemeinderäte. Diese enttäuschenden Ergebnisse (nach einem überzeugenden Sieg bei den Parlamentswahlen) haben die innerparteiliche Kritik an Premierminister Keir Starmer und seinem politischen Kurs verstärkt. Die innerparteiliche Krise ist in eine offene Phase übergegangen und hat am Donnerstag zu einem aufsehenerregenden Rücktritt im Kabinett geführt. Starmers Hauptkonkurrent, Wes Streeting, ist zurückgetreten. Er gilt als einer der prominentesten Vertreter des moderaten Flügels der Labour Party. Nach dem Sieg der Partei bei den nationalen Wahlen war er fast zwei Jahre lang Gesundheitsminister und wurde weithin als möglicher Anwärter auf die Parteiführung betrachtet. In seinem „Abschiedsbrief“ an den Premierminister kritisierte er diesen für einen fehlenden klaren politischen Kurs und forderte eine „Führungsdebatte“.

Dies ist ein durchaus alarmierendes Signal für den Premierminister – britischen Medien zufolge könnte Wes Streeting genügend Unterstützung von Abgeordneten mobilisieren, um Keir Starmer zur Rechenschaft zu ziehen.

Die zunehmende politische Instabilität und die Möglichkeit eines Wechsels an der Regierungsspitze üben zusätzlichen Druck auf die britische Währung aus.

Aus technischer Sicht bewegt sich das Währungspaar GBP/USD im Vier-Stunden-Chart zwischen der mittleren und der unteren Linie des Bollinger-Bänder-Indikators und unterhalb aller Linien des Ichimoku-Indikators, der ein bärisches „Parade of Lines“-Signal ausgebildet hat. Ein solches technisches Bild spricht für die Priorität von Short-Positionen, mit dem ersten und bislang wichtigsten Kursziel bei 1,3470 (untere Linie der Bollinger Bänder im H4-Zeitrahmen).