Am Freitag setzt Gold (XAU/USD) seine Korrekturbewegung vom Mai-Hoch fort. Die Preise sind auf das Niveau von 4.550 $ gefallen und markieren damit ein tiefstes Niveau seit über einer Woche vor dem Hintergrund einer anhaltenden Stärke des US-Dollars. Der Dollarindex (DXY), der die US-Währung gegenüber einem Korb führender Währungen abbildet, hat ein neues Monatshoch erreicht.
Dies geschieht vor dem Hintergrund von Unsicherheit über den Verlauf der Verhandlungen zwischen den USA und Iran, die durch erhebliche Meinungsverschiedenheiten über Teherans Atomprogramm und die Lage in der Straße von Hormus ausgelöst wird. Die Unterstützung für den Dollar wird zudem durch zunehmende Erwartungen einer strafferen Geldpolitik der Federal Reserve verstärkt, was die Attraktivität von Gold als nicht verzinsliche Anlage mindert.
In einem Interview mit Fox News am Donnerstagabend erklärte der US-Präsident Donald Trump, dass Washingtons Geduld mit dem Iran zur Neige gehe und forderte Teheran zu einer Einigung auf. Gleichzeitig gab es Berichte, wonach iranische Streitkräfte vor der Küste der VAE ein Handelsschiff aufgebracht haben, was die Sorgen um Energiesendungen durch die strategisch wichtige Straße von Hormus verstärkt. Diese Faktoren stützen weiterhin die hohen Ölpreise.
Zusätzliche US-Inflationsdaten, die im Wochenverlauf veröffentlicht wurden und die Prognosen übertrafen, sowie die Zahlen zum Einzelhandel haben die Erwartungen an eine restriktivere Fed-Politik verstärkt und stützen weiterhin den Dollar.
Im April stieg der Verbraucherpreisindex (CPI, headline) auf Jahressicht auf 3,8 %, während der Kern-CPI 2,8 % erreichte. Der Erzeugerpreisindex (PPI) legte im Monatsvergleich um 1,4 % zu und erhöhte damit die jährliche Rate auf 6,0 %. Gleichzeitig stiegen die Einzelhandelsumsätze in den USA den dritten Monat in Folge, was auf eine robuste Konsumnachfrage trotz zunehmender Inflationsrisiken hinweist und die Erwartungen einer strafferen Geldpolitik durch die Notenbank weiter untermauert.
Dem FedWatch-Tool von CME Group zufolge preisen Marktteilnehmer derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 40 % für eine Zinserhöhung der Fed bis zum Jahresende ein. Dies unterstützt die Dollar-Bullen und spricht für weiteren Abwärtsdruck auf Gold. Zusätzlicher Druck kommt aus Indien, wo die Abschläge Rekordniveaus von bis zu 207 US-Dollar je Unze erreicht haben, nachdem die Einfuhrzölle auf Gold von 6 % auf 15 % angehoben wurden. In der Folge sind Händler gezwungen, im Vergleich zu den inländischen Referenzpreisen erhebliche Abschläge zu gewähren. Gleichzeitig bleibt die physische Goldnachfrage in China hoch, sodass sich die Aufschläge dort bei etwa 14–20 US-Dollar pro Unze über dem Weltmarktpreis bewegen. Allerdings dürfte dieser Faktor die globalen Preise angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und Inflationsrisiken kaum nennenswert stützen.
Die Beziehungen zwischen den USA und China scheinen sich nach dem jüngsten Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping stabilisiert zu haben. Dennoch warnte der chinesische Staatschef, unüberlegte Schritte in der Taiwan-Frage könnten zu „Zusammenstößen und sogar zu einem Konflikt“ zwischen den beiden Ländern führen. Der zweite Verhandlungstag findet heute in Peking statt, und der Nachrichtenfluss dürfte weiterhin für erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten sorgen.
Unterdessen beobachten Anleger die Entwicklungen im Nahen Osten auf der Suche nach kurzfristigen Handelssignalen. Insgesamt dürfte das Währungspaar XAU/USD die Woche im negativen Bereich abschließen, und das fundamentale Umfeld bleibt weiterhin zugunsten der Verkäufer ausgerichtet.
Aus technischer Sicht hat eine Reihe gescheiterter Versuche, sich oberhalb der 20-Tage-SMA zu halten, die Käuferseite geschwächt. Eine anschließende Abwärtsbewegung und ein Bruch der zentralen Unterstützung bei 4.500 US-Dollar würden das bärische Szenario bestätigen. Die Oszillatoren sind negativ, und die Bären haben derzeit die Oberhand. Allerdings verläuft die 200-Tage-SMA leicht aufwärtsgerichtet, sodass Gold langfristig eher Aufwertungspotenzial hat.