EUR/USD: Wöchentliche Vorschau. Der „Iran-Fall“, das Fed-Sitzungsprotokoll sowie die PMI- und IFO-Indizes

Die kommende Woche könnte sich in zwei grundlegend unterschiedlichen Szenarien entwickeln. Das erste Szenario geht von einer Eskalation im Nahen Osten aus, während das zweite von der Aufrechterhaltung der derzeitigen Waffenruhe ausgeht. Nimmt die United States die militärischen Aktionen gegen den Iran wieder auf, wird sich die Risikoaversion an den Märkten deutlich verschärfen und die Aufmerksamkeit der Anleger wird sich vollständig auf die Ereignisse im Nahen Osten richten. In diesem Fall dürfte der Dollar seine Position am Markt stärken, unabhängig von den veröffentlichten Konjunkturdaten.

Sollte jedoch trotz zahlreicher Meldungen aus dem Nahen Osten die fragile Waffenruhe halten, wird sich der Fokus der Märkte wieder stärker auf die makroökonomische Agenda verlagern – vor allem auf die zentralen Datenveröffentlichungen, die im Folgenden erläutert werden.

Montag

Am Montag veröffentlicht China die Daten zu den Investitionen in Sachanlagen für April. Dies ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Investitionstätigkeit und den Gesamtzustand der chinesischen Wirtschaft. Im März und Februar lag dieser Wert nach einem viermonatigen, ausgeprägten Rückgang wieder im positiven Bereich. Das deutet darauf hin, dass die schwerste Phase des Investitionsabschwungs wahrscheinlich überwunden ist und die Effekte der Stabilierungsmaßnahmen allmählich greifen. Nach einem Rückgang auf -3,8 % stieg der Wert im Februar um 1,8 % und im März um 1,7 %. Prognosen gehen davon aus, dass die Investitionen in Sachanlagen im April ebenfalls um 1,7 % zulegen werden.

Ebenfalls am Montag veröffentlicht China die Daten zur Industrieproduktion. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die chinesische Industrie weiterhin widerstandsfähig ist und ein anhaltendes Wachstum verzeichnet. So legte die Industrieproduktion im März im Jahresvergleich um 5,7 % zu – etwas weniger als im Februar (6,3 %), aber über den Markterwartungen. Insgesamt expandiert der Industriesektor in China weiter; für April wird ein Wachstum von 6,0 % gegenüber dem Vorjahr erwartet.

Sollten die oben genannten Daten die Prognosen erreichen oder übertreffen, also in der „grünen Zone“ liegen, erhalten die Käufer von EUR/USD indirekte Unterstützung durch eine steigende Risikoaversion zugunsten risikoreicherer Anlagen. Dies gilt jedoch – erneut – nur dann, wenn der aktuelle Status quo im Nahen Osten unverändert bleibt und es keine Anzeichen einer Eskalation gibt.

Dienstag

In den Vereinigten Staaten werden die Daten zu den schwebenden Hausverkäufen veröffentlicht. Dies ist einer der wichtigsten vorlaufenden Indikatoren des US-Immobilienmarktes und spiegelt die Zahl der unterzeichneten Kaufverträge für Häuser und Wohnungen am Sekundärmarkt wider. Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass sich der US-Wohnimmobiliensektor allmählich, wenn auch uneinheitlich, erholt. Im März stiegen die schwebenden Hausverkäufe um 1,5 % und setzten damit nach einem schwachen Jahresauftakt einen moderaten Wachstumstrend fort. Die meisten Analysten erwarten, dass dieser Indikator im April im positiven Bereich bleibt; es wird mit einem Anstieg um 1,2 % gerechnet. Ein solches Ergebnis könnte dem US-Dollar einen gewissen Rückenwind verleihen.

Ebenfalls am Dienstag wird die Handelsbilanz der Eurozone für März veröffentlicht. Im Februar belief sich der saisonbereinigte Überschuss auf 7,0 Mrd. €, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vormonaten, in denen der Überschuss deutlich höher ausfiel (im Januar z. B. 12,1 Mrd. €). Für März wird ein weiterer Rückgang auf 6,5 Mrd. € erwartet – ein Hinweis auf eine schrittweise, aber stetige Verringerung des Außenhandelsüberschusses und damit eine Abschwächung der Unterstützung durch die Nettoexporte.

Mittwoch

Während der europäischen Sitzung am Mittwoch werden die endgültigen Daten zum Wachstum des Verbraucherpreisindex (VPI) in der Eurozone für April veröffentlicht. Den Prognosen zufolge wird die endgültige Einschätzung der ersten Schätzung entsprechen: Der Gesamtindex der Verbraucherpreise dürfte bei 3,0 % verharren, während der Kernindex bei 2,2 % bleiben soll. Die Veröffentlichung dürfte nur dann für nennenswerte Schwankungen im EUR/USD sorgen, wenn es zu deutlichen Revisionen der April-Inflationsdaten kommt.

In der US-Sitzung am Mittwoch werden die Protokolle des FOMC zur Aprilsitzung vorgelegt. Zur Erinnerung: Am Ende dieser Sitzung beließ die US-Notenbank wie erwartet alle Parameter der Geldpolitik unverändert. Gleichzeitig wandten sich drei Falken gegen die Beibehaltung der Formulierung, der „nächste Schritt werde voraussichtlich eine Zinssenkung sein“. Loretta Mester, Beth Hammack und Neel Kashkari setzten sich dafür ein, jegliche Hinweise auf eine mögliche baldige Zinssenkung aus dem Text zu streichen. Zugleich stimmte das Direktoriumsmitglied Stephen Morris (ein Protegé von Donald Trump) bei der Aprilsitzung für Zinssenkungen und verwies auf Risiken für das Wirtschaftswachstum.

Der Ton der begleitenden Erklärung war insgesamt restriktiv. Die Fed überarbeitete ihre Einschätzung des Inflationsfortschritts und stellte fest, dass der Desinflationsprozess seinen früheren Schwung verloren habe. Außerdem verzichtete die Fed auf die Formulierung „ausgewogenes Risiko“, was signalisiert, dass die Inflationsbekämpfung weiterhin Priorität besitzt. Für die Märkte bedeutet dies, dass die Notenbank Inflationsrisiken als gravierender einstuft als die Risiken einer konjunkturellen Abschwächung.

Die FOMC-Protokolle könnten den „Effekt der Aprilsitzung“ verstärken oder abschwächen. Überwiegen in dem Text vorsichtige Töne (Sorgen über das Wirtschaftswachstum, die Lage am Arbeitsmarkt), dürfte der Dollar erneut unter Druck geraten, insbesondere gegenüber dem Euro. Meiner Einschätzung nach werden die Protokolle jedoch die von Powell auf der abschließenden Pressekonferenz formulierten Kernaussagen weitgehend wiederholen. Mit anderen Worten: Die Notenbank wird sich voraussichtlich auf die Inflation konzentrieren und eine abwartende Haltung einnehmen. Gleichzeitig dürfte die Option weiterer Zinserhöhungen – sofern überhaupt erwähnt – nicht dominieren.

Donnerstag

Der Donnerstag ist „PMI-Tag“. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland ist im April nach drei aufeinanderfolgenden Monaten mit Zuwächsen leicht gefallen, blieb mit 51,4 Punkten aber im Expansionsbereich. Für Mai wird mit einem anhaltenden Abwärtstrend gerechnet; Analysten erwarten einen Wert von 51,0 Punkten. Der Index für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone ist in den vergangenen vier Monaten kontinuierlich gestiegen und erreichte im April 52,2 Punkte. Für diesen Monat wird jedoch ein leichter Rückgang auf 51,8 Punkte erwartet. Sollte das verarbeitende Gewerbe entgegen den Erwartungen deutlicher nachgeben und in die Kontraktionszone fallen, geriete der Euro spürbar unter Druck.

Der Services PMI für Deutschland ist im April in die Kontraktionszone abgerutscht und auf 46,9 Punkte gefallen. Der Dienstleistungsindex für die Eurozone zeigte eine ähnliche Entwicklung und lag zuletzt bei 47,6 Punkten. Im Mai dürften beide Indikatoren leicht zulegen (auf 47,1 bzw. 47,7 Punkte), aber weiterhin unter der Marke von 50 Punkten bleiben. Ein weiteres Abrutschen tiefer in die Kontraktionszone könnte zusätzlichen Druck auf den Euro ausüben.

In der US-Sitzung wird außerdem der Bericht zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung veröffentlicht. Die wöchentlichen Daten zu den anfänglichen und fortlaufenden Anträgen gehören zu den aktuellsten Indikatoren für den Zustand des US-Arbeitsmarktes; deutliche Ausschläge oder – vor allem – die Ausbildung eines stabilen Trends können daher erheblichen Einfluss auf den EUR/USD-Kurs haben. In letzter Zeit schwanken die Erstanträge zwischen 190.000 und 210.000 und bewegen sich damit auf historisch niedrigen Niveaus. Prognosen zufolge wird sich der Wert in dieser Woche innerhalb dieser Spanne halten (+210.000). Die Veröffentlichung dürfte den Wechselkurs nur dann spürbar beeinflussen, wenn sie deutlich von der Prognose abweicht – nach oben (230.000+) oder nach unten, insbesondere falls die Erstanträge unter die psychologisch wichtige Marke von 200.000 fallen.

Ebenfalls am Donnerstag wird der US-PMI für das verarbeitende Gewerbe veröffentlicht. Nach einem kräftigen Sprung im April (54,5) wird für diesen Monat ein leichter Rückgang auf 53,6 erwartet. Ein solcher Wert könnte den US-Dollar dennoch stützen, da der Index damit weiter in der Expansionszone bliebe, in der er sich bereits seit August des vergangenen Jahres befindet. Der Services PMI der USA dürfte ebenfalls über der 50-Punkte-Marke bleiben und auf 51,1 steigen.

Freitag

Am Freitag werden in Deutschland die IFO-Indizes veröffentlicht. Anders als die ZEW-Indizes, die die Erwartungen von Finanzmarktakteuren widerspiegeln, basieren diese Kennzahlen auf einer Umfrage unter Vertretern der Realwirtschaft. Sie erlauben somit eine Einschätzung sowohl der aktuellen Geschäftslage als auch der Geschäftserwartungen. Den vorläufigen Prognosen zufolge dürfte der Geschäftsklimaindex für Deutschland erneut leicht nachgeben – diesmal auf 84,1 nach zuvor 84,4 Punkten. Dies würde einen weiteren Rückgang des IFO bei zugleich moderat schwachen ZEW-Indizes bedeuten. Daraus ließe sich schlussfolgern, dass der Pessimismus der Finanzmärkte der tatsächlichen Abschwächung in der Realwirtschaft vorausläuft. Der Lageindex wird voraussichtlich auf 85,0 fallen und damit den niedrigsten Stand seit Februar des vergangenen Jahres markieren. Der Index der IFO-Konjunkturerwartungen dürfte ebenfalls rückläufig sein und auf 82,6 sinken.

Damit ist der Wirtschaftskalender für die kommende Woche zwar nicht mit besonders bedeutenden Veröffentlichungen für EUR/USD-Trader gefüllt, doch können die genannten Daten in einem Umfeld relativer Nachrichtenarmut durchaus für erhöhte Volatilität im Währungspaar sorgen. Sollte Donald Trump allerdings tatsächlich beschließen, die militärischen Operationen gegen den Iran wieder aufzunehmen, würden makroökonomische Daten in den Hintergrund treten – der als sicher geltende US-Dollar würde unabhängig von den Konjunkturindikatoren verstärkt nachgefragt.

Aus technischer Sicht bleibt beim Währungspaar EUR/USD die Präferenz für Short-Positionen bestehen. Im H4-Chart notiert der Kurs zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger Bänder und unter sämtlichen Ichimoku-Linien, was ein bärisches „Parade of Lines“-Signal ergibt. Im D1-Chart hat der Kurs die untere Bollinger-Band-Linie zwar unterschritten, befindet sich jedoch noch innerhalb der Kumo-Wolke. Das nächste Ziel der Abwärtsbewegung liegt bei 1,1610 (untere Bollinger-Band-Linie im Vier-Stunden-Chart). Das Hauptziel verläuft bei 1,1570 (untere Bollinger-Band-Linie im Tageschart).