EZB wird die Zinsen im Juni voraussichtlich anheben

Die europäische Gemeinschaftswährung reagierte auf die Inflationsdaten in der Eurozone und auf das Interview mit dem Chef der belgischen Zentralbank und Mitglied des EZB-Rats, Pierre Wunsch, eher gelassen.

Am Mittwoch gab der Politiker womöglich das bislang eindeutigste Signal: Sollte der Iran-Konflikt bis zur Juni-Sitzung nicht gelöst sein, ist eine Zinserhöhung in der Eurozone so gut wie unausweichlich.

„Irgendwann werden wir reagieren müssen, denn die Inflation hat bereits 3 % erreicht“, sagte er in dem Interview. Wunsch bezeichnete die Markterwartung von drei Zinsschritten um jeweils 25 Basispunkte in diesem Jahr als „vernünftig“ und bestätigte damit direkt das Marktszenario eines stimmberechtigten Ratsmitglieds.

Wichtig ist dabei der Kontext. Wunsch gehört nicht zu den größten geldpolitischen Falken bei der EZB und hatte sich auf der April-Sitzung nur verhalten für eine Zinserhöhung ausgesprochen. Dass er nun von einer hohen Wahrscheinlichkeit eines Schritts im Juni spricht, zeigt, dass sich der Konsens innerhalb der Notenbank allmählich verschiebt. Seinen Worten zufolge hat der Konflikt die EZB in den Mittelpunkt der Inflationsbekämpfung gerückt, und anders als 2022 dürften die Märkte dieses Mal nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden und könnten schneller reagieren. Derzeit preisen Händler eine mögliche Anhebung des Satzes vom aktuellen Niveau von 2 % auf 2,5 % ein – die Obergrenze der neutralen Spanne für die Wirtschaft.

Gleichzeitig bemühte sich Wunsch um Ausgewogenheit. Er bezeichnete Gespräche über Stagflation als verfrüht, charakterisierte die aktuelle Lage vielmehr als Wachstumsverlangsamung statt als Rezession und wies darauf hin, dass die Lohnentwicklung weiterhin sehr günstig sei.

Abschließend betonte der Politiker, dass das gesamte Ausmaß der Zinserhöhungen von der Entwicklung im Nahen Osten abhängen werde und einige Marktindikatoren darauf hindeuten, dass der Konflikt eher früher als später gelöst werden könnte. Mit anderen Worten: Die EZB ist handlungsbereit – behält sich aber Spielraum für Anpassungen vor.

Was das aktuelle technische Bild von EUR/USD betrifft, so müssen Käufer nun überlegen, wie sie das Niveau von 1,1610 zurückerobern können. Erst dann ist ein Anlauf auf einen Test von 1,1635 möglich. Von dort aus könnte der Kurs 1,1660 erreichen, was ohne Unterstützung der großen Marktteilnehmer jedoch recht schwierig werden dürfte. Das am weitesten entfernte Ziel wäre das Hoch bei 1,1690. Sollte das Währungspaar fallen, rechne ich mit ernsthaften Aktivitäten großer Käufer im Bereich von 1,1590. Bleiben diese aus, wäre es vernünftig, auf einen Rückgang zum Tief bei 1,1570 zu warten oder Long-Positionen ab 1,1550 zu eröffnen.

Zum aktuellen technischen Bild von GBP/USD: Käufer des Pfunds müssen zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 1,3415 zurückgewinnen. Nur dann eröffnet sich Potenzial für einen Anstieg auf 1,3445, wobei ein Durchbruch darüber hinaus recht schwierig werden dürfte. Das entfernte Ziel liegt im Bereich von 1,3475. Fällt das Paar, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über den Bereich um 1,3380 zu übernehmen. Gelingt dies, würde ein Durchbruch dieser Spanne die Position der Bullen deutlich schwächen und GBP/USD auf ein Tief bei 1,3340 drücken, mit der Perspektive eines weiteren Rückgangs bis 1,3300.