EUR/USD-Analyse – 20. Mai: Wird die EZB die Zinsen im Juni unverändert lassen?

Das Wellenmuster im 4‑Stunden‑Chart für EUR/USD hat sich etwas verändert. Es gibt nach wie vor keinen Hinweis darauf, dass der seit Januar vergangenen Jahres laufende Aufwärtstrendabschnitt (im unteren Chart dargestellt) aufgehoben wäre. Die Trendstruktur hat inzwischen jedoch eine korrektive Form angenommen.

Langfristig ist mit der Ausbildung einer Welle C zu rechnen, deren Tief voraussichtlich unter dem Tief der Welle A liegen wird. Derzeit fällt es schwer, an einen derart starken Rückgang des Euro zu glauben, aber das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass Geopolitik wahre Wunder vollbringen und Trends umkehren kann.

Auf der kleineren Zeitebene lässt sich eine klassische dreiwellige, aufwärts gerichtete Korrekturstruktur erkennen. Nach Abschluss dieser Struktur begann sich ein neuer Abwärtstrendabschnitt zu bilden, der folgerichtig impulsiver Natur sein sollte.

Trifft diese Annahme zu, ist innerhalb der Welle C höheren Grades mit der Ausbildung einer fünfwelligen Struktur zu rechnen, mit Zielen unterhalb der Marke von 1,1400. Gibt es informationelle Gründe, eine derart starke Dollar-Aufwertung zu erwarten? Meiner Ansicht nach derzeit nicht.

Der Montag zeigte, dass Teheran und Washington an den Verhandlungstisch zurückkehren könnten, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Stärkung des US‑Dollars verringert.

Das Währungspaar EUR/USD gab am Mittwoch lediglich um 10 Basispunkte nach, und die Abschwächung des Euro verlangsamt sich. Der Euro fällt nun bereits seit sieben Tagen in Folge, sodass zumindest eine kleine Verschnaufpause bald einsetzen sollte.

Das heutige Nachrichtenumfeld war eher schwach und gemischt. Wichtige Konjunkturdaten blieben aus, während geopolitische Entwicklungen in gesonderten Analysen behandelt werden. Daher konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf die Aussagen der EZB‑Vertreter Olli Rehn und Philip Lane.

Der Chef der finnischen Zentralbank erklärte am Mittwoch, der Euroraum stehe kurz vor einem stagflationären Schock, was bedeutet, dass eine straffere Geldpolitik für die europäische Notenbank möglicherweise nicht der beste Schritt wäre.

Stagflation bezeichnet das gleichzeitige Auftreten von wirtschaftlicher Abschwächung und steigender Inflation. Zur Erinnerung: Um die Inflation zu senken, ist eine straffere EZB‑Politik erforderlich, während zur Ankurbelung des Wachstums niedrigere Zinsen nötig wären. Die EZB‑Entscheidungsträger stehen somit bald vor einem Dilemma, das dem der Federal Reserve, die sich seit über einem Jahr damit konfrontiert sieht, sehr ähnlich ist: die Kontrolle über die Inflation zu behalten oder das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, erklärte am Mittwoch, dass eine nachlassende Binnennachfrage (bedingt durch die hohe Inflation) die Anpassung der Geldpolitik erschwere. Da eine Lockerung der Politik derzeit nicht zur Debatte steht, bezog sich Lane auf Entscheidungen über weitere Zinserhöhungen.

Auf Basis all dessen könnten die EZB und die Bank of England entgegen den allgemeinen Erwartungen ihre Leitzinsen auf den Juni‑Sitzungen unverändert lassen. Natürlich ist es noch zu früh, dies mit Sicherheit zu sagen, doch die Aussagen der Mitglieder des EZB‑Rates deuten in diese Richtung.

Für den Euro ist dies eine negative Nachricht, und die Nachfrage nach der Währung könnte weiter zurückgehen.

Allgemeine Schlussfolgerungen

Auf Grundlage der EUR/USD‑Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Instrument sich weiterhin in einem langfristigen Aufwärtstrendabschnitt (unterer Chart) befindet, während es sich kurzfristig nach wie vor in einer Korrekturstruktur bewegt.

Das korrektive a‑b‑c‑Wellenmuster erscheint abgeschlossen. Daher entwickelt sich derzeit Welle 3 oder Welle c, möglicherweise als Teil einer übergeordneten Welle C. Die gesamte Welle C (falls die aktuelle Zählung korrekt ist) könnte deutlich unterhalb des Niveaus von 1,1400 enden.

Ein solches Szenario würde jedoch starke geopolitische Unterstützung erfordern. Andernfalls könnte die abwärts gerichtete Wellenstruktur die Form einer a‑b‑c‑Korrektur annehmen und in der Nähe des Niveaus von 1,1578 enden.

Im größeren Bild ist zunächst ein Aufwärtstrendabschnitt zu erkennen, dem die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur folgt. In naher Zukunft ist mit der Bildung der Welle C mit Zielen in der Nähe von 1,1352 zu rechnen, was dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Retracement‑Level entspricht.

Nach Abschluss der A‑B‑C‑Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.

Wesentliche Grundsätze meiner AnalyseWellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und unterliegen häufigen Änderungen.Besteht keine Klarheit über die Marktsituation, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.Es kann niemals vollständige Sicherheit über die künftige Kursrichtung geben. Verwenden Sie daher stets Stop‑Loss‑Schutzorders.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.