Vertrauen ohne Vertrauen

Käufer des US-Dollars zeigten sich deutlich unzufrieden mit den gestrigen Daten, denen zufolge der Conference Board Consumer Confidence Index in den USA im Mai um 0,7 Punkte auf 93,1 gefallen ist – etwas schlechter als die Konsensprognose von 92,0 und bereits der dritte Monat in Folge unter der Marke von 100. Diese Daten fielen mit dem Rekordtief des University of Michigan Index zusammen, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. All dies zeigt, dass sich der amerikanische Verbraucher zunehmend schlechter fühlt – und das ist keineswegs überraschend.

Die beunruhigendste Komponente ist der Index für die aktuelle Lage, der um 3,2 Punkte auf ein Drei-Monats-Tief gefallen ist. Der Anteil der Verbraucher, die von einem ausreichenden Arbeitsplatzangebot berichten, ist auf den niedrigsten Stand seit 2021 gesunken – dies ist einer der sensibelsten Frühindikatoren für den tatsächlichen Zustand des Arbeitsmarktes. Während die offiziellen Beschäftigungsdaten stabil bleiben, geht einer solchen Verschlechterung der Wahrnehmung traditionell eine reale Abkühlungsphase um mehrere Monate voraus.

Im Bericht heißt es, dass zwei Drittel der Befragten eine Reduzierung ihrer Ausgaben aufgrund steigender Preise verzeichneten. Das Bild ist eindeutig: Die Menschen kaufen weniger, verschieben größere Anschaffungen und weichen auf günstigere Alternativen aus. Die Pläne zum Kauf von Autos, Häusern und größeren Haushaltsgeräten sind zurückgegangen. Steigende Benzinpreise treffen Haushalte mit niedrigem Einkommen am stärksten – sie geben unverhältnismäßig einen größeren Teil ihres Budgets für Kraftstoff aus und besitzen praktisch keine Aktien, die derzeit Rekordstände erreichen. Auch der Anstieg der Hypothekenkredite stärkt nicht gerade das Vertrauen der Amerikaner in die Zukunft.

Dies schafft einen aufschlussreichen Widerspruch. Fast 55 % der Befragten erwarten, dass die Aktienkurse im kommenden Jahr steigen werden – der höchste Wert seit Ende 2024. Der Erwartungsindex für die nächsten sechs Monate hat in diesem Jahr seinen Höchststand erreicht. Mit anderen Worten: Die Menschen schränken ihre Ausgaben heute ein und glauben gleichzeitig an einen steigenden Aktienmarkt morgen. Dies spiegelt deutlich die Kluft wider, über die Ökonomen zunehmend diskutieren: Das Wachstum des S&P 500 fühlt sich für die meisten Amerikaner nicht mehr wie ein Zuwachs an Wohlstand an – es bleibt eine Geschichte für diejenigen, die ein Portfolio und ausreichend Liquidität haben.

Für die Federal Reserve ändert dieser Bericht die Aussichten nicht grundlegend. Die Konsumausgaben bleiben stabil – teilweise dank Steuererstattungen. Doch die Kombination aus sinkendem Vertrauen, sich verschlechternder Wahrnehmung des Arbeitsmarktes und anhaltend hohen Inflationserwartungen lässt Kevin Warsh in derselben Falle wie seinen Vorgänger zurück: Zinserhöhungen bei einem sich abschwächenden Konsum sind schmerzhaft, doch das Ausbleiben von Zinserhöhungen bei einer Inflation von über 3 % bedeutet, das Vertrauen der Märkte zu verspielen.