EUR/USD Analyse – 29. Mai: Inflationsentwicklung in der Eurozone zeigt Anzeichen einer Abschwächung

Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich etwas verändert. Es gibt nach wie vor keinen Grund, von einer Aufhebung des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) zu sprechen. Die Trendstruktur hat jedoch inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht ist mit der Ausbildung einer Welle C zu rechnen, deren Tief unter dem Tief von Welle A liegen dürfte.

Derzeit fällt es schwer, an einen derart deutlichen Rückgang des Euro zu glauben, doch das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass die Geopolitik zu drastischen Marktverschiebungen führen und etablierte Trends umkehren kann.

Auf der niedrigeren Zeitebene kann ich eine klassische dreiwellige, korrektive Aufwärtsstruktur erkennen. Nach deren Abschluss begann sich ein neues Abwärtstrendsegment zu entwickeln, das folgerichtig die Form einer impulsiven Struktur annehmen sollte. Trifft diese Annahme zu, ist im Rahmen der Welle C höheren Grades mit der Ausbildung einer fünfwelligen Struktur zu rechnen, mit Kurszielen unterhalb der Marke von 1,1400.

Gibt es fundamentale Gründe, eine so starke Aufwertung des US-Dollars zu erwarten? Meiner Ansicht nach derzeit nicht. Die vergangene Woche hat gezeigt, dass Teheran und Washington ihre Verhandlungen fortsetzen, die theoretisch zu einem erfolgreichen Ergebnis führen könnten. Solange die Möglichkeit einer Einigung besteht, wird es dem Dollar schwerfallen, seine Aufwertung fortzusetzen.

Das Währungspaar EUR/USD verharrte den gesamten Freitag über auf der Stelle, und die Volatilität blieb erneut begrenzt. Der Donnerstag war ein deutlich aktiverer Handelstag, an dem zudem mehr wichtige Ereignisse auf der Agenda standen.

Heute verdienen im Grunde nur die Inflations- und Arbeitsmarktdaten aus Deutschland Beachtung, auch wenn der Markt beide Veröffentlichungen weitgehend ignoriert hat. Dennoch möchte ich den Verbraucherpreisindex hervorheben, da er für den Euro keine besonders positiven Signale liefert.

Die vorläufige Inflationsrate für Mai lag bei 2,6 % und damit um 0,3 Prozentpunkte unter dem April-Wert im Jahresvergleich sowie 0,3 Prozentpunkte unter den Markterwartungen. Der Wert von 2,6 % deutet darauf hin, dass sich die Inflation nicht nur verlangsamt, sondern sich allmählich dem Zielniveau der EZB annähert.

Natürlich handelt es sich dabei nur um eine Vorabschätzung und noch nicht um den endgültigen Wert für Mai. Zudem spiegelt sie lediglich die Daten eines einzigen Euroland-Staates wider. Deutschland verfügt jedoch über die größte Volkswirtschaft in der Währungsunion, weshalb seine Konjunkturdaten besonders wichtig sind.

Wenn sich die Inflation in Deutschland verlangsamt, könnte sie sich auch in der gesamten Eurozone abschwächen. Sollte die Inflation im Euroraum tatsächlich nachlassen, hätte die EZB im Juni weniger Anlass, ihre Geldpolitik weiter zu straffen.

Zur Erinnerung: Noch gestern gingen Marktteilnehmer davon aus, dass die EZB im kommenden Monat als einzige große Zentralbank ihre Politik verschärfen dürfte. Im Vereinigten Königreich hat sich die Inflation im April verlangsamt, während die Federal Reserve derzeit nur begrenzten Spielraum für weitere Zinserhöhungen hat und vorerst an ihrem abwartenden Kurs festhält.

Infolgedessen hatte sich der Markt auf eine straffere Geldpolitik im Euroraum eingestellt. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun jedoch deutlich gesunken, was zusätzlichen Druck auf den Euro ausüben könnte.

Allgemeine Schlussfolgerungen

Auf Grundlage meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Instrument weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) verbleibt, sich kurzfristig jedoch in einer korrektiven Struktur befindet.

Das korrektive a-b-c-Wellenmuster scheint abgeschlossen zu sein. Daher entwickelt sich Welle 3 oder Welle c weiter und könnte Teil einer größeren Welle-C-Struktur sein. Die gesamte Welle C (sofern die aktuelle Zählung zutrifft) könnte sich letztlich deutlich unter das Niveau von 1,1400 ausdehnen.

Ein solches Szenario würde jedoch eine starke geopolitische Unterstützung erfordern. Andernfalls könnte die laufende Abwärtswellenfolge lediglich die Form einer a-b-c-Korrektur annehmen und in der Nähe des Niveaus von 1,1578 enden.

Auf der höheren Zeitebene ist weiterhin ein Aufwärtstrendsegment erkennbar, dem sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. Kurzfristig ist mit der Ausbildung der Welle C zu rechnen, mit Zielen nahe 1,1352, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement entspricht.

Nach Abschluss der A-B-C-Struktur könnte sich ein neuer langfristiger Aufwärtstrend zu entwickeln beginnen.

Grundprinzipien meiner AnalyseWellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und werden häufig überarbeitet.Wenn keine Klarheit darüber besteht, was der Markt tut, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.Absolute Gewissheit über die Marktrichtung ist unmöglich. Verwenden Sie daher stets schützende Stop-Loss-Orders.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.