XAU/USD: Kurs balanciert bei 4450,00 am Abgrund

Die Goldpreise befinden sich zur Wochenmitte in einer äußerst verwundbaren Lage. Am Mittwoch setzte das Edelmetall seine Talfahrt fort und konsolidierte sich zum Zeitpunkt dieser Analyse in der Nähe des Wochentiefs bei 4445,00. XAU/USD zieht sich aus der Widerstandszone von 4590,00–4600,00 zurück, an der die Kurse in den vergangenen drei Wochen bei dem Versuch, die „runde“ Marke von 4500,00 zu überwinden, wiederholt gescheitert sind.

Die Anleger sind angespannt und bewerten die erneute Eskalation des Konflikts in der Straße von Hormus sowie die wachsenden Erwartungen an eine „hawkische“ Pause der Federal Reserve, die erheblichen Druck auf den nicht verzinslichen Vermögenswert ausübt.

Fundamentale Ausgangslage: Geopolitischer Schock und der restriktive Kurs der Fed

Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch, die die Märkte Ende Mai vorübergehend gestützt hatten, sind durch eine neue Welle militärischer Eskalation im Persischen Golf vollständig zunichtegemacht worden.

Schlüsselereignisse der letzten 24 StundenUS‑Angriffe auf Iran: Das US Central Command (CENTCOM) bestätigte die Durchführung „defensiver Schläge“ gegen die iranische Insel Qeschm in der Straße von Hormus.Reaktion Irans: Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) griffen das Hauptquartier der 5. US‑Flotte an und feuerten Raketen und Drohnen auf Ziele in Kuwait und Bahrain ab (die meisten wurden abgefangen).Eskalation im Libanon: Auch die Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah haben sich verschärft und die Konfliktzone ausgeweitet.

Trotz der jüngsten Äußerungen des US‑Präsidenten Donald Trump, wonach eine Einigung zur Verlängerung der Waffenruhe und zur Öffnung der Meerenge „bereits nächste Woche“ möglich sei, bezog Außenminister Marco Rubio eine harte Position. Er erklärte, Washington werde die Sanktionen gegen Iran nicht im Gegenzug für eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus aufheben, und eine Lockerung der Sanktionen sei nur nach erheblichen Zugeständnissen im Atomprogramm denkbar.

Diese Dynamik gegenseitiger Anschuldigungen und Angriffe (bei gleichzeitig ausbleibenden diplomatischen Durchbrüchen) hat die geopolitische Prämie schlagartig wieder in die Preise zurückgebracht. Entgegen der üblichen „sicheren Hafen“-Logik stärkte dies jedoch den Dollar. Steigende Ölpreise und die gewachsene Unsicherheit haben die Inflationserwartungen sowie die Aussicht auf einen restriktiveren Zinskurs der Fed neu belebt.

Neben der Geopolitik bleibt der Haupttreiber für den Druck die Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen durch die Fed. Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte bis Ende 2026 eine Wahrscheinlichkeit von nahezu 60 % für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein.

Wichtige hawkishe Signale dieser WocheJOLTs-Daten: Die Zahl der offenen Stellen in den USA stieg im April auf 7,618 Millionen (Prognose: 6,88 Millionen) und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2024. Dies deutet auf einen überhitzten Arbeitsmarkt hin.Kommentare von Fed-Vertretern: Die Präsidentin der Cleveland Fed, Beth Hammack, warnte, dass die Inflation möglicherweise „bald“ Maßnahmen erfordere, und die Zentralbank sei fest entschlossen, die Inflation auf 2 % zurückzuführen. Die Präsidentin der Dallas Fed, Lorie Logan, erklärte zudem, es sei „noch viel zu früh, um überhaupt über Zinssenkungen nachzudenken“, angesichts anhaltender Inflationsrisiken.Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen: Die Renditen haben sich über 4,40 % eingependelt und sind am Mittwoch um weitere 0,08 Prozentpunkte gestiegen. Hohe Renditen erhöhen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, da Gold keine Zinseinkünfte bietet, was die Preise direkt unter Druck setzt. Starke Arbeitsmarktdaten stellen den Bedarf an Zinssenkungen infrage, und die Fed könnte Schwierigkeiten haben, eine Lockerung der Geldpolitik zu rechtfertigen.Kurze technische Analyse

Aus technischer Sicht hat der Preis eine Trendwende bestätigt und bildet auf dem 4-Stunden-Chart für XAU/USD klassische bärische Signale.

Der Kurs bleibt unter den exponentiellen gleitenden Durchschnitten der Perioden 50, 144 und 200 und signalisiert damit ein klassisches Zeichen für anhaltende kurzfristige bärische Kontrolle.

Der RSI (14) liegt bei etwa 44 und weist auf eine schwache, aber noch nicht überverkaufte bärische Dynamik hin, was weiteren Abwärtsbewegungen Raum lässt.Der OsMA zeigt abnehmende Histogrammbalken unterhalb der Signallinie (Null-Linie) und bestätigt damit, dass die jüngsten Stabilisierungsversuche an Stärke verlieren und sich in ein übergeordnetes Abwärtsszenario einfügen.Der Stochastik-Indikator ist in die überverkaufte Zone „eingetaucht“ und zeigt bislang noch keine Umkehrsignale.

Im Tageschart notiert der Kurs weiterhin unter der 144-Tage-EMA (4525,00) und der 50-Tage-EMA (4625,00). Lediglich die 200-Tage-EMA (4380,00) verhindert derzeit, dass das Metall noch weiter fällt.

Das Hauptszenario geht von einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung aus. Ein überzeugender Durchbruch und anschließende Konsolidierung unterhalb der zentralen Unterstützungszone bei 4380,00 würde den Weg in Richtung 4300,00 (Bereich starker institutioneller Nachfrage) und anschließend weiter hinab zu 4255,00 (50‑Tage‑EMA im Wochenchart und Ausbruchszone des mittelfristigen Aufwärtstrends) freimachen.

Wichtige EreignisseDatum

Ereignis

Erwartete Auswirkung

Heute (3. Juni), 12:15 GMT

ADP Employment Change Daten (Mai)

Prognose: 150–170 Tsd.; starke Zahlen würden den Dollar stärken

Heute (3. Juni), 14:00 GMT

ISM Services PMI Index (Mai)

Einschätzung der Widerstandsfähigkeit des Dienstleistungssektors

Heute (3. Juni), 18:00 GMT

Veröffentlichung des Federal Reserve Beige Book

Bewertung des Zustands der Wirtschaft

Freitag (5. Juni), 12:30 GMT

Nonfarm Payrolls (NFP) Bericht (Mai)

Wichtigster makroökonomischer Trigger – Prognose: 85–95 Tsd.; schwache Daten würden den Dollar schwächen

Wochenende

Fortgang der Verhandlungen USA–Iran

Wichtigster geopolitischer Trigger – Unterzeichnung eines Abkommens oder neue Eskalation

Fazit

Gold steht unter einem deutlichen doppelten Druck. Die Eskalation des Konflikts in der Straße von Hormus und steigende Ölpreise stützen die Stärke des Dollars, während der eher „hawkishe“ Kurs der Fed die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen anheizt.

Das aktuelle technische Bild bleibt bärisch, da sich der Preis unter dem 200‑Perioden‑EMA im 4‑Stunden‑Chart hält. Die Abwärtsstruktur des Marktes bleibt intakt: Jeder neue Anstieg stößt auf Verkaufsdruck, und die Hochs liegen sukzessive tiefer.

Die Schlüsselzone bei 4525,00–4400,00 wird in den kommenden Tagen zum zentralen Kampfbereich. Ein technischer Durchbruch unter diese Zone würde das bärische Szenario bestätigen und den Weg in Richtung 4380,00 und 4300,00 freigeben. Eine Rückkehr über 4525,00 wäre das erste Signal nachlassenden Drucks.

Die Entwicklungen im Nahen Osten beeinflussen weiterhin die Risikostimmung sowie die Richtung von USD und Gold, während das technische Bild die Verkäufer begünstigt. Anleger sollten die Arbeitsmarktdaten am Freitag genau beobachten – diese werden darüber entscheiden, ob der Dollar genügend Momentum aufbaut, um die Marke von 4380,00 nach unten zu durchbrechen.