Zum zweiten Mal in Folge versucht das Währungspaar EUR/USD, zugunsten des Euro zu drehen und seine Aufwärtsbewegung wieder aufzunehmen. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist weiterhin intakt, und Bullish Imbalance 13 wurde nicht aufgehoben. Allerdings lässt sich inzwischen mit einiger Sicherheit sagen, dass den Bullen die Kraft für einen neuen Vorstoß nach oben fehlt.
Die aktuelle Chartstruktur deutet klar darauf hin, dass die Reaktion auf Bullish Imbalance 13 schwach und wenig überzeugend ausgefallen ist, während die Reaktion auf Bearish Imbalance 15 präzise und entschlossen war. Gleichzeitig fehlt es aber auch den Bären an stichhaltigen Argumenten für eine nachhaltige Abwärtsbewegung. EUR/USD bewegt sich de facto seit mehreren Wochen seitwärts.
Worauf wartet der Markt? Meiner Ansicht nach wartet er nicht auf ein bestimmtes Ereignis, sondern blendet schlicht einen Großteil der eingehenden Nachrichten aus. Im Juni 2026 haben geopolitische Themen alle anderen Markttreiber vollständig überlagert. Gleichzeitig müssen geopolitische Schlagzeilen sorgfältig gefiltert werden, um Wesentliches von bloßem Rauschen zu trennen. Derzeit ignorieren Marktteilnehmer nahezu alle Meldungen, die in den Informationsstrom gelangen – und das aus gutem Grund, denn keine der jüngsten Schlagzeilen hat die Lage im Nahen Osten oder die Perspektiven für die Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten spürbar verändert.
Nichts desto trotz werden geopolitische Entwicklungen kurzfristig weiterhin sowohl die Kursbewegungen als auch die Marktstimmung prägen. Sollten Teheran und Washington letztlich ein Memorandum of Understanding unterzeichnen, die Waffenruhe verlängern und in den Verhandlungen über die Nuklearfrage Fortschritte erzielen, dürfte es den Bullen deutlich leichter fallen, wieder an Dynamik zu gewinnen. In diesem Fall könnten sowohl der Euro als auch das Pfund ihre Aufwärtstrends wieder aufnehmen.
Das Problem ist allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit eines derart optimistischen Szenarios mit jedem Tag zu sinken scheint.
Unter den aktuellen Bedingungen können Händler entweder auf eine Reaktion ausgehend von Bullish Imbalance 13 setzen – dem nach wie vor letzten bullischen Muster innerhalb der laufenden Aufwärtsbewegung – oder auf deren letztendliche Aufhebung. Wird der jüngste Rückgang als technische Korrektur innerhalb des Trends interpretiert, könnte diese bereits innerhalb von Imbalance 13 abgeschlossen worden sein.
Ohne geopolitische Unterstützung werden bullische Marktteilnehmer jedoch große Schwierigkeiten haben, die Kurse weiter nach oben zu treiben – was in den vergangenen zwei Wochen deutlich sichtbar wurde. Wird die aktuelle Bewegung hingegen als Beginn eines neuen Abwärtstrends gedeutet, müssten sich Händler auf ein Scheitern der Verhandlungen und eine erneute Eskalation des Konflikts einstellen. In diesem Fall würde das innerhalb von Bearish Imbalance 15 entstandene Verkaufssignal zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Es sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass die Aufwertung des US‑Dollar zwischen Januar und März nahezu ausschließlich geopolitisch getrieben war. Sobald sich die Vereinigten Staaten und Iran auf eine Waffenruhe geeinigt hatten, ließ der Abwärtsdruck auf EUR/USD rasch nach, und die Bullen dominierten den Markt über mehr als einen Monat.
Derzeit sinken die Chancen auf eine umfassende Einigung erneut, während der Markt Meldungen, die auf eine baldige Lösung des Konflikts hindeuten, ausgesprochen skeptisch beurteilt. Genauer gesagt: Eine Vereinbarung wird vermutlich irgendwann zustande kommen, doch „irgendwann“ reicht nicht aus, um eine kräftige, nachhaltige Rally im EUR/USD zu stützen.
Das technische Gesamtbild bleibt vergleichsweise klar. Der Aufwärtstrend ist weiterhin intakt, benötigt aber dringend Unterstützung. Ideal wäre, wenn diese Unterstützung aus dem geopolitischen Umfeld käme – etwa in Form einer Grundsatzvereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten, gefolgt von fortgesetzten Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.
Ohne einen unterstützenden Nachrichtenfluss erscheint eine erneute, kräftige Aufwärtsbewegung des Euro eher unwahrscheinlich.
Die am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturdaten vermochten abermals kaum die Aufmerksamkeit der Händler zu wecken. Der einzige potenziell marktbewegende Bericht war der ISM Services PMI, doch bereits zu Wochenbeginn hatte der Manufacturing PMI die Stimmung kaum beeinflusst. Andere wichtige Veröffentlichungen, darunter die Inflationsdaten aus der Eurozone, wurden vom Markt weitgehend ignoriert.
Die Bullen haben nach wie vor zahlreiche Gründe, 2026 aktiv zu bleiben, und der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat das große Bild nur geringfügig verändert. Strukturell und fundamental gelten die Rahmenbedingungen, die im vergangenen Jahr zum deutlichen Rückgang des Dollar beigetragen haben, weiterhin.
In den kommenden Monaten könnte der US‑Dollar phasenweise an Stärke gewinnen, wenn Anleger sichere Häfen suchen. Eine solche Unterstützung würde allerdings eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten voraussetzen. Ich gehe weiterhin nicht davon aus, dass sich ein tragfähiger, langfristiger Abwärtstrend im EUR/USD ausbildet. Der Dollar hat temporären Rückenwind durch geopolitische Ereignisse erhalten, doch es bleibt offen, welche Faktoren einen langfristigen Dollar‑Aufschwung tragen könnten.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die EurozoneEurozone – Rede von EZB‑Präsidentin Christine Lagarde (08:00 UTC).Eurozone – Einzelhandelsumsätze (09:00 UTC).Vereinigte Staaten – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC).Der Wirtschaftskalender für den 4. Juni weist drei Termine aus, von denen keiner besonders bedeutsam erscheint. Entsprechend dürfte das konjunkturelle Umfeld die Marktstimmung am Donnerstag kaum oder gar nicht beeinflussen.
EUR/USD‑Prognose und Handelsempfehlungen
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das fundamentale Umfeld hat sich vor rund drei Monaten drastisch verändert, doch der übergeordnete Trend kann bislang weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten.
Daher könnten die Bullen ihre Aufwärtsbewegung in naher Zukunft wieder aufnehmen, sofern sie auch nur eine moderate Unterstützung aus dem geopolitischen Umfeld erhalten.
Zuvor boten sich Händlern bereits Chancen, Long‑Positionen auf Basis von Signalen aus Imbalance 12 und dem Order Block einzugehen. Die Aufwärtsbewegung könnte letztlich in Richtung der Jahreshöchststände fortgesetzt werden, wobei Bullish Imbalance 13 die zentrale Referenzzone darstellt.
Aktuell ist es jedoch entscheidend, dass die Bullen die Kontrolle über den Markt behalten. Damit der Euro seinen Anstieg ohne größere Hindernisse fortsetzen kann, muss sich der Konflikt im Nahen Osten in Richtung eines dauerhaften Friedens entwickeln. Ein Scheitern der Verhandlungen, die Ablehnung einer Rahmenvereinbarung durch eine der Parteien oder ein erneuter Bruch der Waffenruhe könnten den Abwärtsdruck verstärken.
Innerhalb von Bearish Imbalance 15 hat sich bereits ein Verkaufssignal ausgebildet. Sollte sich die geopolitische Lage in dieser Woche nicht verbessern, wird ein Rückgang in Richtung 1,1500 zunehmend wahrscheinlich. Gleichwohl fungiert Bullish Imbalance 13 weiterhin als ausgeprägte Unterstützungszone.