Analyse und Prognose zu GBP/USD – 4. Juni: Diplomatische Hoffnungen schwinden, während der Dollar wieder Unterstützung findet

Im Stundenchart fiel GBP/USD am Mittwoch bis auf das 50,0%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,3408, bevor das Währungspaar wieder anzog und sich zugunsten des Pfunds drehte. Infolgedessen könnte die Aufwärtsbewegung heute in Richtung des Widerstandsbereichs von 1,3454–1,3466 anhalten, den bullische Trader in den vergangenen Sitzungen mehrfach nicht überwinden konnten. Ein Schlusskurs unterhalb der Marke von 1,3408 würde es Tradern ermöglichen, mit einem erneuten Rückgang in Richtung der Unterstützungszone bei 1,3349–1,3355 zu rechnen.

Die Wellenstruktur bleibt bärisch, da den Bullen weiterhin ausreichend positive geopolitische Nachrichten fehlen, um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu starten. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle konnte das vorherige Hoch nicht überschreiten, während die jüngste Abwärtswelle das vorherige Tief nicht durchbrochen hat. Jüngste geopolitische Entwicklungen haben die Bullen zwar unterstützt, doch die Hoffnungen auf eine Einigung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten schwinden erneut. Der bärische Trend kann erst dann als abgeschlossen gelten, wenn das Hoch vom 25. Mai überschritten wird.

Der Nachrichtenfluss am Mittwoch spielte den Bären in die Karten und wurde durch robuste US-Konjunkturdaten zum Arbeitsmarkt und zur Geschäftstätigkeit gestützt. Allerdings wird der Markt von weit mehr als nur wirtschaftlichen Indikatoren bestimmt. Gestern erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghchi, dass in den Verhandlungen mit Washington in dieser Woche keinerlei nennenswerter Fortschritt erzielt worden sei. Die Ankündigung wirkte ernüchternd auf optimistische Trader, die weiterhin Vertrauen in die Aussagen von Donald Trump setzen.

Nach Angaben des US-Präsidenten seien sich beide Seiten bereits vor zwei Wochen zu 95 % über den Text eines zukünftigen Abkommens einig gewesen. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass es in den Verhandlungen faktisch keinen Fortschritt gegeben hat. Zudem finden die Gespräche ausschließlich über Vermittler statt und könnten angesichts der anhaltenden Raketenangriffe beider Seiten im gesamten Nahen Osten jederzeit scheitern. Entsprechend ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Meerenge in absehbarer Zeit wieder geöffnet wird.

Infolgedessen profitiert der US‑Dollar erneut von seiner Rolle als sicherer Hafen. Der einzige Faktor, der GBP/USD derzeit vor dem Übergang in einen neuen Abwärtstrend bewahrt, ist die wachsende Skepsis des Marktes gegenüber nahezu allen geopolitischen Meldungen. Investoren schenken weder den Aussagen Trumps noch den offiziellen Verlautbarungen aus Teheran Vertrauen, da sich die Botschaften häufig widersprechen. Trader sind zunehmend weniger bereit, darauf zu spekulieren, welche Meldungen zutreffen und welche nicht. Bis mehr Klarheit herrscht, könnte GBP/USD daher in einer relativ engen Handelsspanne verharren.

Im 4-Stunden-Chart ist GBP/USD vom Widerstandsbereich bei 1,3482–1,3514 abgeprallt, was auf ein mögliches Rückgangspotenzial in Richtung des 23,6%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,3327 hindeutet. In der näheren Zukunft dürften die Kursbewegungen jedoch eher von geopolitischen Entwicklungen als von der technischen Analyse bestimmt werden. Die technische Analyse sollte daher nur als ergänzendes Instrument betrachtet werden. Derzeit sind in keinem Indikator neue Divergenzen erkennbar.

Commitments of Traders (COT) Report

Die Stimmung in der Kategorie der Non-commercials ist in der letzten Berichtswoche etwas weniger bärisch geworden. Die Zahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen ging um 10.097 zurück, während die Short-Positionen um 13.006 sanken. Die Differenz zwischen Long- und Short-Positionen liegt nun bei etwa 58.000 gegenüber 119.000.

Die Bären haben in den vergangenen Monaten den Markt dominiert, was angesichts der geopolitischen Lage im Nahen Osten und der politischen Krise im Vereinigten Königreich nicht überrascht. Ihr Vorteil liegt derzeit bei mehr als zwei zu eins.

Ich glaube dennoch nicht vollends an einen anhaltenden Bärenmarkt beim Pfund. Kurzfristig wird die Marktrichtung allerdings weniger von Konjunkturdaten, Trumps Handelspolitik oder der Geldpolitik der Zentralbanken abhängen, sondern stärker von Dauer, Ausmaß und Folgen des Konflikts im Nahen Osten. In den vergangenen Wochen hat sich der Markt auf die Aussicht eines langwierigen Konflikts eingestellt, doch die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass letztlich ein Waffenstillstand möglich ist – auch wenn der Prozess wohl weder schnell noch einfach verlaufen wird.

Wirtschaftskalender

Vereinigte Staaten – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)

Der Wirtschaftskalender für den 4. Juni enthält nur eine Veröffentlichung, die voraussichtlich keine große Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich ziehen wird. Daher dürfte der Einfluss der Konjunkturdaten auf die Marktstimmung am Donnerstag gering bleiben.

GBP/USD-Prognose und Handelsempfehlungen

Kurzpositionen waren nach einem Rückprall vom Widerstandsbereich 1,3454–1,3466 im Stundenchart möglich, mit Kurszielen bei 1,3408 sowie 1,3349–1,3355. Das erste Kursziel wurde bereits erreicht.

Long-Positionen können heute nach einem Abprall vom Niveau 1,3408 in Erwägung gezogen werden, mit Ziel am Widerstandsbereich 1,3454–1,3466. Alternativ können Trader den Kauf des Währungspaares auch bei einem Schlusskurs oberhalb von 1,3454–1,3466 ins Auge fassen, mit einem Aufwärtsziel bei 1,3526–1,3539.

Die Fibonacci-Retracements sind im Stundenchart von 1,3158 bis 1,3655 und im 4-Stunden-Chart von 1,3866 bis 1,3158 eingezeichnet.