GBP/USD hat nun eine große Chance, seinen Rückgang fortzusetzen, nachdem das Paar auf die Bearish Imbalance 19 reagiert hat, in deren Bereich es zwei Wochen lang gehandelt wurde. Ohne Zweifel war der Auslöser für den erneuten Abwärtsdruck am Freitag die unerwartet starken US-Konjunkturdaten. Nur wenige Marktteilnehmer dürften so robuste Nonfarm Payrolls für April und Mai erwartet haben. Dennoch entwickelt sich der US-Arbeitsmarkt im Jahr 2026 tatsächlich deutlich besser als im Vorjahr, was den US-Dollar stützt.
Auch die geopolitischen Entwicklungen spielen dem Dollar derzeit in die Hände, da Teheran und Washington nicht einmal in der Lage sind, ein vorläufiges Abkommen über Frieden und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu unterzeichnen. Infolgedessen behauptet der Dollar weiterhin eine stärkere Position gegenüber sowohl dem Euro als auch dem Pfund. Obwohl das aktuelle technische Bild relativ klar erscheint und auf weiteren Abwärtsraum für das Währungspaar hindeutet, würde ich Händler davor warnen, vorschnelle, endgültige Schlüsse zu ziehen. Der Dollar hat heute kräftige Unterstützung erhalten, aber niemand weiß, welche Entwicklungen sich über das Wochenende oder am Montag ergeben könnten. Sollte es zu einem unerwarteten Durchbruch kommen und Donald Trump schließlich ein Abkommen mit dem Iran unterzeichnen, könnte die Nachfrage nach dem sicheren Hafen US-Dollar rasch zu bröckeln beginnen.
Daher haben die Bären dank der US-Arbeitsmarktdaten eine hervorragende Gelegenheit erhalten, ihre Aufwärtsbewegung auszudehnen. Um dieses Momentum aufrechtzuerhalten, bedarf es jedoch zusätzlicher Unterstützung durch geopolitische Entwicklungen. Je negativer das geopolitische Umfeld wird, desto vorteilhafter ist dies für den Dollar.
Insgesamt ist die Lage rund um den Konflikt im Nahen Osten derzeit besser als noch vor einigen Monaten, als die Parteien in einen umfassenden militärischen Schlagabtausch verwickelt waren. Dennoch können sich die Bedingungen rasch ändern. In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche potenzielle Auslöser für eine erneute Eskalation, und nur der offenkundige Unwille beider Seiten, wieder zu aktiven Kampfhandlungen überzugehen, hat eine Rückkehr zu einem breiteren Konflikt verhindert.
Meiner Ansicht nach bleibt der übergeordnete Trend trotz der deutlichen Rückgänge des Währungspaares in diesem Jahr bullisch. Der Waffenstillstand im Nahen Osten ist fragil, gilt aber weiterhin und könnte potenziell um weitere 60 Tage verlängert werden. Allerdings bleibt die Straße von Hormus de facto blockiert, die Nuklearfrage ist weiterhin ungelöst, und jede Bewertung des Verhandlungsfortschritts stützt sich weitgehend auf die Aussagen von Donald Trump. Iran präsentiert nach wie vor eine gänzlich andere Sichtweise.
Die Situation pendelt weiterhin zwischen positiven und negativen Entwicklungen. Der Markt hegt derzeit noch ein gewisses Vertrauen, dass eine Einigung erzielt werden kann, doch dieses Vertrauen ist nicht grenzenlos.
Das technische Bild stellt sich derzeit wie folgt dar: Bullish Imbalance 18 hat eine Kursreaktion ausgelöst, während Bearish Imbalance 19 sich zwei Wochen lang nahe an einer Invalidierung befand, nun aber letztlich ein gültiges Verkaufssignal generieren könnte. Infolgedessen hat sich der technische Ausblick innerhalb eines einzigen Tages dramatisch verändert. Allerdings könnte er sich in den kommenden Tagen erneut drehen, da sich die geopolitischen Rahmenbedingungen zuletzt mehrfach täglich verändert haben.
Das wirtschaftliche Umfeld am Freitag unterstützte sowohl die Bären als auch den US-Dollar. Der Nonfarm Payrolls Report wies für Mai und April unerwartet starke Zahlen aus. Im Anschluss an diesen Bericht rückte die Arbeitslosenquote weitgehend in den Hintergrund, obwohl sie im Mai unverändert bei 4,3 % blieb. Damit profitieren die Bären derzeit von günstigen Bedingungen, doch die zentrale Frage ist, wie lange dieses Umfeld anhalten wird.
Das breitere fundamentale Umfeld lässt mich weiterhin eine langfristige Schwäche des US-Dollars erwarten. Der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat daran wenig geändert. Geopolitische Spannungen haben die Rolle des Dollars als sicherer Hafen vorübergehend wieder gestärkt, doch der Gesamt-Ausblick für die US-Währung bleibt herausfordernd. Sollte die US-Wirtschaft im Jahr 2026 an Dynamik gewinnen, die Federal Reserve ihren Straffungszyklus wieder aufnehmen und sich der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zu einer langwierigen Konfrontation entwickeln, könnte der Dollar sich möglicherweise in Richtung der Zone 1,3100–1,3000 verstärken. Meiner Meinung nach kann der langfristige Ausblick für den US-Dollar durch einen einzelnen starken Nonfarm Payrolls Report jedoch nicht grundlegend verändert werden.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich
8. Juni: Der Wirtschaftskalender weist keine wichtigen Veröffentlichungen aus. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Konjunkturdaten die Marktstimmung am Montag maßgeblich beeinflussen werden.
GBP/USD-Prognose und Trading-Tipps
Der langfristige Ausblick für das Pfund bleibt bullisch, auch wenn das jüngste Signal ein Verkaufssignal ist. Daher könnten die Bären, sofern die geopolitischen Entwicklungen nicht dazwischenfunken, weiterhin die Tiefs vom 18. Mai und 31. März anvisieren. Unterhalb dieser Swing-Tiefs könnte Liquidität abgegriffen werden, woraufhin die Bullen wieder die Kontrolle übernehmen könnten, sofern sich das geopolitische Umfeld unterstützender gestaltet.
Derzeit ist es schwer, sich ein Szenario vorzustellen, in dem der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten sich über Monate oder Jahre hinzieht. Folglich dürfte jede Aufwertung des US-Dollars langfristig nur begrenztes Potenzial haben.