Der Markt befindet sich nach einem der größten Ausverkäufe der letzten Jahre in einer Reset-Phase. So beschreibt Morgan Stanley die Erholung von den lokalen Tiefstständen. Die Bank geht davon aus, dass Anleger weiterhin Rücksetzer zum Einstieg nutzen werden und dass der S&P 500 bis zum Jahresende 8.000 Punkte erreichen wird. Eine geradlinige, lineare Rally von den Tiefs im März ist selten – Märkte verlaufen nie in einer perfekten Gerade, und es bleibt immer Zeit für Korrekturen.
S&P 500 und Dynamik der Indexprognosen
Ich stimme Morgan Stanley und Citigroup zu. Experten sind ebenfalls der Ansicht, dass die Anleger das Interesse an Mega-Cap-Tech nicht verloren haben, und haben ihr S&P-500-Ziel von 7.700 auf 8.100 angehoben, wobei sie sich auf optimistische Prognosen der zukünftigen Gewinne berufen.
Tatsächlich gehörten die Verlierer vom vergangenen Freitag am Montag zu den meistgekauften Titeln. Der Philadelphia Semiconductor Index legte nach dem Rekordabverkauf um rund 5 % zu. Selbst Intel hielt sich gut, nachdem berichtet wurde, dass Google und NVIDIA seine Produkte als Notfalloptionen in Betracht ziehen.
Entwicklung des Philadelphia Semiconductor Index
Dennoch bleibt der Markt wegen der hartnäckigen Inflation und der Aussicht auf eine straffere Geldpolitik der Fed besorgt. Die Erholung des S&P 500 verlief uneinheitlich: 8 von 11 Sektoren schlossen im Minus. Nur rund 180 Aktien legten zu, während der Rest im roten Bereich schloss.
Die hohe Marktkonzentration, angespannt wirkende Fundamentaldaten und die Sorge vor Zinserhöhungen, die eine Rezession auslösen könnten, zwingen Anleger zur Vorsicht.
Genau diese Vorsicht und Gewinnmitnahmen empfiehlt auch Bank of America. Ihre Analyse zeigt, dass 70 % der Abwärtssignale ausgelöst wurden, verglichen mit 50 % an früheren Hochpunkten. Unter Verwendung von 20 proprietären Kennzahlen kommt BofA zu dem Ergebnis, dass der S&P 500 bei 17 davon überbewertet erscheint; bei 8 Kennzahlen wirkt der breite Index wie in einer Tech-Blase.
Damit sind die Großbanken in Bezug auf den kurzfristigen Kurs des S&P 500 uneins. Morgan Stanley und Citigroup empfehlen, Rücksetzer zum Einstieg zu nutzen; Bank of America rät dazu, Gewinne mitzunehmen.
Meiner Ansicht nach steht der breite Index vor seiner nächsten echten Bewährungsprobe mit der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten. Die Bloomberg-Konsensschätzungen liegen für die Gesamtinflation (headline CPI) bei 4,2 % gegenüber dem Vorjahr und für die Kerninflation (core CPI) bei 2,9 %. Solche Werte würden die Wahrscheinlichkeit einer Straffung durch die Fed von Dezember auf einen früheren Zeitpunkt im Zyklus vorziehen. Das würde die Renditen von US-Treasuries nach oben treiben und die weltweite Risikobereitschaft dämpfen – eindeutig eine schlechte Nachricht für Aktien.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 nach dem kräftigen Ausverkauf eine Inside-Bar ausgebildet hat. Es bietet sich an, zwei Pending Orders zu platzieren: eine Kauforder in der Nähe des Hochs der Inside-Bar bei etwa 7.465 und eine Verkaufsorder in der Nähe des Tiefs bei 7.395.