Gold stürzt ab angesichts der Eskalation zwischen den USA und Iran

Nach dem heftigen Ausverkauf von gestern erholt sich Gold heute leicht und legt um etwa 0,6 % auf rund 4.108 US-Dollar je Unze zu. Die Volatilität bleibt beispiellos: Innerhalb nur einer Sitzung stürzte das Metall zunächst um 4 % ab und erholte sich anschließend wieder – vor dem Hintergrund von Berichten, dass eine weitere Runde von US-Angriffen auf den Iran beendet worden sei.

Gestern kam es zu einer wichtigen Entwicklung: Teheran kündigte als Reaktion auf US-Luftangriffe die vollständige Schließung der Straße von Hormus für alle Schiffe an. Sollte diese Maßnahme vollständig umgesetzt werden, stünde der Markt vor einer grundlegend neuen Situation – nicht mehr vor der teilweisen Blockade der vergangenen vier Monate, sondern vor einer kompletten Unterbrechung der Wasserstraße, über die in Friedenszeiten rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Lieferungen transportiert wurde. Diese Ankündigung löste deutliche Bewegungen quer über die Anlageklassen hinweg aus.

Das Paradox bei Gold bleibt bestehen. Das Metall notiert 22 % unter dem Vorkriegsniveau, obwohl es nach klassischer Logik als sicherer Hafen dienen sollte. Der Grund ist derselbe: Der Krieg hat die Inflation beschleunigt, Inflation treibt die Zinsen nach oben, und höhere Zinsen belasten ein unverzinsliches Metall stärker, als geopolitische Sorgen es stützen. Der am Mittwoch veröffentlichte US‑CPI für Mai bestätigte diese Dynamik: ein Anstieg um 4,2 % gegenüber dem Vorjahr – der höchste Wert seit Anfang 2023 – und damit höher als das Lohnwachstum.

Ein technischer Punkt, der für Trader wichtig ist: Der jüngste Rutsch unter den 200‑Tage‑Durchschnitt hat zusätzliche algorithmische Verkäufe ausgelöst – eine Marke, die große Fonds bei der Festlegung ihrer Positionierung heranziehen. Anders gesagt: Der Verkaufsdruck wird nicht durch eine geänderte Einschätzung des Metalls ausgelöst, sondern durch den Bedarf an Liquidität.

Silber liegt 1 % höher bei 63,96 $. Platin und Palladium notieren ebenfalls im Plus.

Technischer Ausblick für Gold

Käufer müssen zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.127 $ zurückerobern. Dadurch würde sich ein Ziel bei 4.186 $ eröffnen; oberhalb dieses Bereichs wären weitere Ausbrüche allerdings deutlich schwieriger. Das nächste, weiter entfernte Ziel liegt im Bereich von 4.249 $. Auf der Unterseite werden die Bären versuchen, unter 4.062 $ die Kontrolle zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne den Bullen einen schweren Schlag versetzen und Gold in Richtung eines Tiefs bei 4.008 $ drücken, mit der Aussicht, 3.954 $ zu erreichen.