Eskalation im Nahen Osten kann Gold nicht stützen

Gold ist im Zuge der sich verschärfenden Konfrontation zwischen den USA und Iran stark eingebrochen. Das Metall, das traditionell als „sicherer Hafen“ gilt, verliert an Wert, während Öl aufgrund von Befürchtungen über Lieferunterbrechungen in der Umgebung der Straße von Hormus steigt. Spot-Gold fiel um 3,5 % und rutschte auf 4.111,95 US‑Dollar je Unze – ein Tiefstand, der zuletzt am 23. März verzeichnet wurde.

Die Verkäufe hielten nach neuen US-Luftschlägen gegen iranische Ziele am Dienstag an. Die Angriffe waren eine Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Kampfhubschraubers der US-Armee.

Präsident Donald Trump warnte, Iran habe „die Verhandlungen zu lange hinausgezögert“ und werde den Preis dafür zahlen. Teheran antwortete mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Kuwait und Bahrain, was die geopolitischen Spannungen weiter verschärfte und den Anstieg der Ölpreise unterstützte.

Dennoch spiegelt der Rückgang des Goldpreises eine Neuordnung der Marktprioritäten wider – Anleger konzentrieren sich zunehmend auf das Risiko von Inflation und nicht mehr nur auf geopolitische Schocks.

Seit Beginn des Konflikts Ende Februar haben die gestiegenen Ölpreise die Erwartungen einer möglichen geldpolitischen Straffung neu belebt. Das FedWatch-Tool der CME Group beziffert die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Dezember auf 67 % – eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Erwartungen zu Jahresbeginn, als mit Zinssenkungen gerechnet wurde.

„Die Märkte brauchen nach dem starken Arbeitsmarktbericht vom Freitag und den Drohungen des Präsidenten gegenüber Teheran am heutigen Morgen dringend positive Nachrichten“, sagte der unabhängige Metallhändler Tai Wong dem Sender CNBC mit Blick auf den Druck auf den Goldpreis.

Am Mittwoch sorgte der Verbraucherpreisindex für etwas Erleichterung am Markt: Der Kern-VPI stieg im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,2 % und damit langsamer als im April, als er um 0,4 % zugelegt hatte.

Angesichts des zunehmenden, energiegetriebenen Inflationsdrucks richten Anleger ihre Aufmerksamkeit nun jedoch auf den am Donnerstag anstehenden Erzeugerpreisindex. Manche sind der Ansicht, dass dieser die Erwartungen hinsichtlich der nächsten Schritte der Fed – und damit auch die Aussichten für Gold und Öl – maßgeblich beeinflussen könnte.