Das Währungspaar EUR/CHF ist zur Wochenmitte mit einem spürbaren Anstieg gestartet und notiert im Bereich von 0,9220–0,9230, nachdem es sich von den Tiefstständen Anfang Juni um 0,9130 erholt hat. Das Paar zeigt einen stabilen Aufwärtstrend vor dem Hintergrund einer deutlichen Divergenz in der Geldpolitik der European Central Bank (ECB) und der Swiss National Bank (SNB).
Anders als viele andere, vom US-Dollar dominierte Währungspaare wird die Entwicklung von EUR/CHF von zwei besonderen Faktoren bestimmt: Zum einen erhöht die ECB zum ersten Mal seit September 2023 die Zinsen vor dem Hintergrund eines Energieinflationsschocks; zum anderen setzt die Swiss National Bank weiterhin in erster Linie auf Währungsinterventionen, um die Inflation zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu sichern.
Am 11. Juni kündigte die Europäische Zentralbank wie erwartet eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte an. Damit liegen der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte, die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität nun bei 2,4 %, 2,65 % bzw. 2,25 %.
Wichtigste Punkte aus der EZB-ErklärungAnhebung der Inflationsprognosen: Die EZB erwartet, dass die Gesamtinflationsrate im Jahr 2026 im Durchschnitt bei 3,0 % liegt und anschließend auf 2,3 % im Jahr 2027 und 2,0 % im Jahr 2028 zurückgeht. Die Prognose für die Kerninflation wurde für 2026 und 2027 auf jeweils 2,5 % angehoben.Abwärtsrevision des Wachstums: Die neue Wachstumsprognose für den Euroraum liegt für 2026 nur bei 0,8 % (mit einem anschließenden Anstieg auf 1,2 % im Jahr 2027 und 1,5 % im Jahr 2028) und spiegelt die Belastungen der Eurozonen-Wirtschaft durch den Energieschock wider.Festhalten an einem „meeting-by-meeting“-Ansatz: Die EZB betonte, dass sie sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festlegt und alle Entscheidungen von den jeweils eingehenden Daten abhängen.Anerkennung der Risiken: Die Notenbank erklärte, dass der Ausblick unsicher bleibt und sowohl ein Risiko steigender Inflation als auch nachlassenden Wirtschaftswachstums besteht.Obwohl die Zinserhöhung an den Märkten weithin erwartet worden war, war ein wichtiges Signal, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen vorsichtig falkenhaften Ton beibehielt und die Risiken weiterer Inflationsimpulse durch steigende Energiepreise anerkannte. Dies ermöglichte es den Märkten, ihre Erwartungen an eine mögliche zweite Zinserhöhung in den kommenden Monaten aufrechtzuerhalten.
2. Schweizerische Nationalbank: Setzt auf InterventionenIm Gegensatz zur EZB befindet sich die SNB in einer völlig anderen Lage. Die Inflation in der Schweiz bleibt niedrig, was es der SNB erlaubt, ihren Leitzins bei 0,00 % zu belassen (und eine Anhebung nicht in Betracht zu ziehen). Das zentrale Instrument sind stattdessen Währungsinterventionen.
Seit der letzten Sitzung haben Stellungnahmen von SNB-Vertretern die erhöhte Bereitschaft der Notenbank zu Eingriffen am Devisenmarkt hervorgehoben. Präsident Schlegel merkte am 3. Juni an, dass „der Krieg im Iran den Druck auf den Franken erhöhen könnte“ und die SNB ihre „Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt erhöht“ habe.
Warum die SNB sich mit Zinserhöhungen Zeit lässtNiedrige Inflation: Während die Inflation im Euroraum bei 3,2 % liegt, bewegt sie sich in der Schweiz nahe am Zielniveau. Die SNB sorgt sich sogar um Deflationsrisiken, falls sich der Franken zu stark aufwertet.Schutz der Exporte: Ein stärkerer Franken verteuert Schweizer Exporte (Uhren, Pharmazeutika, Ausrüstungen). Da der Euroraum der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist, wäre ein schwacher Euro höchst unerwünscht.Importierte Inflation: Die SNB geht davon aus, dass die Aufwertung des Schweizer Frankens (die sich in den vergangenen Monaten trotz einer jüngsten Korrektur vollzogen hat) potenzielle Zweitrundeneffekte höherer Energiepreise auf die Inflation dämpfen wird.Bevorstehende Interventionsdaten: Am 30. Juni wird die SNB die Daten zu ihren Devisenmarktinterventionen für das erste Quartal veröffentlichen. Ökonomen erwarten, dass diese Zahlen nach mehreren sehr ruhigen Jahren in diesem Bereich einen deutlichen Anstieg der Maßnahmen gegen die Aufwertung des Frankens zeigen werden.Zinsdifferenz: Der wichtigste Treiber für das Wachstum von EUR/CHFDie aktuelle Divergenz der Geldpolitik schafft klassische Voraussetzungen für eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken. All dies dürfte EUR/CHF um 0,9200 stützen, mit einem möglichen Anstieg in Richtung 0,9300 vor dem Hintergrund der Ergebnisse der EZB-Sitzung.
Was das bedeutetDie Märkte preisen über die nächsten 10–12 Monate drei EZB-Zinserhöhungen ein (einschließlich des Schritts am Donnerstag).Die Schweizer Zinsen bleiben dagegen „an der Nulllinie verankert“, mit dem Risiko sogar negativer Zinsen im Falle einer deutlichen Aufwertung des Frankens.Diese Zinsdifferenz macht den Euro für Carry Trades und Anlagen attraktiver und schafft eine anhaltende Nachfrage nach dem Währungspaar EUR/CHF.Geopolitischer Faktor: Der „Safe-Haven“-Status des Frankens verliert an StärkeDer Schweizer Franken gilt traditionell neben Gold als einer der wichtigsten „sicheren Häfen“. Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten zeigt jedoch eine paradoxe Dynamik.
Warum der Franken im Konflikt nicht aufwertetInflationskanal: Der Krieg im Iran und die Schließung der Straße von Hormus haben zu einem starken Anstieg der Energiepreise geführt. Für die Schweiz wie auch für den Euroraum bringt dies Inflationsrisiken mit sich, die für die SNB jedoch nachrangig sind.SNB-Interventionen: Die SNB hat bereits ihre „erhöhte Interventionsbereitschaft“ erklärt, und Analysten halten es für gut möglich, dass sie Franken verkauft, um eine übermäßige Aufwertung zu verhindern.Direkte Bedrohungen: Investmentbanken (z. B. J.P. Morgan) haben zuvor gewarnt, dass die Schweiz im Falle eines umfassenden Krieges aufgrund ihrer Rolle im Asset Management und in finanziellen Abwicklungen in den Konflikt hineingezogen werden könnte und damit ihren Status als „sicherer Hafen“ einbüßen würde.Wichtige TermineDonnerstag, 11. Juni (12:45 GMT)Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine LagardeErwartete Signale zu weiteren SchrittenHauptquelle der Volatilität am DonnerstagDonnerstag, 11. Juni (12:30 GMT)US-PPI-Daten (Producer Price Index)Ist-Wert: 6,5 % im Jahresvergleich (Höchststand seit 2022)Indirekte Auswirkungen über den US-DollarEnde JuniVeröffentlichung der SNB-Interventionsdaten für Q1Erwarteter Anstieg der InterventionenWichtiger Hinweis auf die Absichten der SNBIm Verlauf der WocheÄußerungen der Staats- und Regierungschefs der USA, des Iran und Israels——FazitDer EUR/CHF-Cross steht im Zentrum der auseinanderlaufenden Geldpolitik von EZB und SNB. Auf der einen Seite hat die EZB die Zinsen zum ersten Mal seit September 2023 angehoben und dürfte einen vorsichtig falkenhaften Ton beibehalten, während die Märkte für die nächsten 10–12 Monate drei Zinsschritte einpreisen. Auf der anderen Seite verharrt die SNB beim Nullzins (0,00 %) und setzt statt auf Zinserhöhungen auf Deviseninterventionen, um die Inflation zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte zu stützen.
Der Zinsdifferenz (mehr als 200 Basispunkte) kommt eine Schlüsselrolle beim Wachstum des Währungspaars zu. Ein weiterer Faktor, der den Euro stützt, ist das „vorsichtig falkenhafte“ Signal der EZB, das es den Märkten ermöglicht, ihre Erwartungen weiterer Straffungen aufrechtzuerhalten.
Die Schlüsselzone von 0,9197 (EMA144 im Tageschart)–0,9240 (EMA50 im Wochenchart) wird sich in den kommenden Tagen zur Arena für einen entscheidenden Schlagabtausch entwickeln.
Ein technischer Ausbruch unter dieses Niveau könnte eine kurzfristige Korrektur auf 0,9170–0,9130 auslösen, doch die fundamentalen Faktoren (Zinsdifferenz, falkenhafte EZB) deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs darüber bestehen bleibt.
Trader sollten vorsichtig agieren und weitere Äußerungen von Vertretern beider Zentralbanken, die anstehenden Interventionsdaten der SNB (Ende Juni) sowie die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten genau beobachten.