Nach der Juni-Sitzung beließ die Bank of Canada alle Parameter der Geldpolitik unverändert und setzte damit das Basisszenario um, das auch am meisten erwartet worden war. Konkret bleibt der Leitzins bei 2,25 %. Dennoch leistete die Zentralbank dem kanadischen Dollar faktisch kurzfristige Unterstützung – wenn auch nur auf dem Papier. Trotz der Bemühungen der Notenbank, in ihrer Rhetorik die Balance zu wahren, bewertete der Markt das Ergebnis der Sitzung als moderat „hawkish“. Infolgedessen markierte das Währungspaar USD/CAD ein Wochentief und testete die Marke von 38. Zwar konnten die Verkäufer ihre Positionen nicht halten, doch die Bank of Canada stellte sich eindeutig auf die Seite der kanadischen Währung.
Einerseits erklärte Gouverneur Tiff Macklem, dass die bestehenden Risiken in beide Richtungen weisen (eine wirtschaftliche Abkühlung bei gleichzeitig steigender Inflation) und dass die Zentralbank unter diesen Umständen versucht, ein fragiles Gleichgewicht zu wahren. Andererseits skizzierte er die Prioritäten der Bank und machte deutlich, dass die Zentralbank im Konflikt zwischen Preisstabilität und Unterstützung der Wirtschaftsaktivität bereit wäre, das Wachstumstempo zugunsten der Inflationsbekämpfung zu „opfern“.
Mit anderen Worten: Zuerst soll das „Inflationsfeuer gelöscht“ und dann das BIP gesteigert werden.
Der Hauptauslöser für die verschärfte Rhetorik waren die hohen Ölpreise infolge des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Zum Zeitpunkt der Sitzung lag der Rohölpreis um etwa 10 US‑Dollar über dem Niveau, das die Bank of Canada in ihren Prognosen vom Frühjahr zugrunde gelegt hatte. Die Gesamtinflation sprang im April auf 2,8 %, hauptsächlich aufgrund gestiegener Benzinpreise.
Diese Situation spiegelte sich im Tonfall der begleitenden Erklärung wider. So fand sich im Text eine recht deutliche Formulierung, wonach der Governing Council nicht zulassen werde, dass hohe Energiepreise zu einer dauerhaft erhöhten Inflation führen. In seinen Kommentaren zu dieser Formulierung wies Macklem darauf hin, dass die Bank of Canada „mit einer Straffung der geldpolitischen Parameter reagieren müsse“, falls die Unternehmen beginnen sollten, ihre höheren Kosten flächendeckend an die Verbraucher weiterzugeben.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es laut den jüngsten Daten zum Verbraucherpreisindex in Kanada bislang noch keine klaren Anzeichen für eine breite Übertragung des Energieschocks auf die Kerninflation gibt. Die Zentralbank erkennt jedoch das Risiko eines solchen Szenarios bereits an, nimmt eine vorausschauend restriktive Haltung ein und signalisiert Bereitschaft zu einer Straffung der Geldpolitik, falls sich sekundäre Inflationseffekte stärker abzeichnen.
Nach der Juni-Sitzung begannen die Swaps-Märkte, die Möglichkeit einer Zinserhöhung in diesem Jahr einzupreisen. Dies ist das erste Mal seit dem vergangenen Herbst, dass die Markterwartungen wieder nach oben drehen; die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung ist nahezu auf null gefallen.
Man könnte annehmen, dass die Zentralbank die Zinsen in der gestrigen Sitzung womöglich angehoben hätte, wenn sich die kanadische Wirtschaft nicht in einer technischen Rezession befände. Wegen dieser Rezession ist die Bank jedoch gezwungen, zunächst eine abwartende Haltung einzunehmen. Zur Erinnerung: Nach der Überarbeitung der Daten zum BIP-Wachstum Kanadas im vierten Quartal 2025 meldete das Statistikamt einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,0 %. Im ersten Quartal dieses Jahres ging das BIP des Landes ebenfalls um 0,1 % zurück.
Der zweite problematische Punkt ist die Unsicherheit im Handel. Die Risiken durch neue Zölle und die bevorstehende „Überprüfung“ von Handelsabkommen belasten das Investitionsklima in Kanada. Dies betrifft in erster Linie das USMCA-Abkommen. Gemäß den Vereinbarungen sind die Vertragsparteien verpflichtet, alle sechs Jahre eine formelle Überprüfung der Umsetzung des Abkommens durchzuführen; die erste dieser Überprüfungen ist bis zum 1. Juli dieses Jahres fällig. Kanada hat die USA und Mexiko offiziell darüber informiert, dass es eine Verlängerung der Vereinbarung ohne Bedingungen anstrebt. Die Vereinigten Staaten fordern jedoch eine Überarbeitung mehrerer für Kanada wichtiger Punkte des Abkommens. Insbesondere drängt das Weiße Haus auf eine Änderung der Regeln für die zollfreie Einfuhr von Fahrzeugen – Washington will eine Vorgabe durchsetzen, wonach mindestens 50 % der Fahrzeugkomponenten in den USA hergestellt werden müssen (was für die kanadische Autoindustrie inakzeptabel ist).
Vor diesem Hintergrund ist die „Juni-Pause“ absolut gerechtfertigt und gut begründet. Zugleich haben die unerwartet straffen Aussagen der Zentralbank dem kanadischen Dollar kurzfristig Unterstützung verschafft.
Nach einem kurzfristigen Rückgang des Kurses bis in den Bereich von 38 drehte das Währungspaar jedoch wieder nach oben und nähert sich nun der Marke von 40. Diese Kursentwicklung wird ausschließlich von der geopolitischen Nachrichtenlage bestimmt. Nach Trumps Ankündigung „neuer kraftvoller Angriffe auf den Iran“ ist die Nachfrage nach dem als sicher geltenden Greenback gestiegen – auch gegenüber dem kanadischen Dollar.
Die weitere Richtung von USD/CAD wird vollständig von der Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten abhängen. Sollte sich die Eskalation verstärken (etwa wenn eine zweite Welle der angekündigten Luftangriffe folgt), dürfte der US‑Dollar als sicherer Hafen noch stärker gefragt sein, was den Anstieg des Währungspaares in Richtung der Widerstandsbereiche bei 1,4050 (obere Bollinger-Band-Linie im W1-Chart) und 1,4100 (Kijun-Sen-Linie im MN-Chart) zusätzlich begünstigen würde. Kehren die Konfliktparteien dagegen tatsächlich an den Verhandlungstisch zurück, dürfte der Loonie voraussichtlich in die Spanne von 1,3910–1,3970 zurückkehren (untere und obere Bollinger-Band-Linie im Vier-Stunden-Chart).