Das Währungspaar GBP/USD hat eine ausgeprägte Chance, seine Abwärtsbewegung fortzusetzen, nachdem es auf die bearishe Imbalance 19 reagiert hat. Gestern ging ich davon aus, dass eine weitere bearishe Imbalance 20 möglicherweise ungültig werden könnte, doch statt zu steigen, fiel das Paar am Mittwoch weiter. Heute setzt der Markt vor dem Hintergrund des geopolitischen Drucks im Nahen Osten seine Käufe des US-Dollars fort. Wieder einmal entwickelt sich diese Woche zugunsten der US‑Währung.
Der geopolitische Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat das Stadium präventiver Schläge hinter sich gelassen. US‑Streitkräfte greifen Iran nun bereits den dritten Tag in Folge an, während Iran im Gegenzug US‑Militärstützpunkte im Persischen Golf ins Visier nimmt. Zudem wurde der Inflationsbericht vom Mittwoch zwar größtenteils von den Marktteilnehmern ignoriert, zeigte aber dennoch, dass die Teuerungsrate auf 4,2 % gestiegen ist. Der heutige Producer Price Index deutete ebenfalls auf ein schnelleres Preiswachstum hin. Infolgedessen scheinen sich die Entwicklungen im Nahen Osten in Richtung eines erneuten militärischen Konflikts zu bewegen, während der weltweite Inflationsdruck voraussichtlich weiter zunehmen dürfte, sofern die Zentralbanken nicht gegensteuern. Die ECB hat heute bereits mit einer Straffung der Geldpolitik begonnen, in Großbritannien geht die Inflation paradoxerweise zurück, und der Fokus richtet sich nun auf die Federal Reserve.
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich erneut zu, was den US‑Dollar in den kommenden Wochen stützen könnte. Ich rechne nicht mit einer Dollar‑Rally, die vergleichbar wäre mit der Bewegung zwischen Januar und März, aber es fällt schwer zu bestreiten, dass sich die US‑Währung in Phasen geopolitischer Unsicherheit besser entwickelt als Euro oder Pfund. Daher erscheint es selbst dann, wenn der Dollar nicht deutlich zulegt, ebenso unwahrscheinlich, dass Euro und Pfund spürbar aufwerten.
Meiner Einschätzung nach bleibt der übergeordnete Trend trotz der scharfen Rückgänge des Paares in diesem Jahr bullish. Der Waffenstillstand im Nahen Osten besteht derzeit im Grunde nur auf dem Papier. Die Straße von Hormus ist faktisch weiterhin blockiert, die Nuklearfrage ist ungelöst, und etwaige Anzeichen von Fortschritten in den Verhandlungen basieren zu einem großen Teil auf Verlautbarungen von Donald Trump. Iran zeichnet ein völlig anderes Bild der Lage. Die Rahmenbedingungen schwanken weiterhin zwischen Entspannung und Eskalation. Im Moment tendiert der Markt eher zu der Möglichkeit eines erneuten Aufflammens des Konflikts.
Die aktuelle Chartstruktur stellt sich wie folgt dar: Die bullishe Imbalance 18 löste zunächst eine Reaktion im Preis aus, aber die bearishe Imbalance 19 generierte letztlich ein Verkaufssignal. Auf dieses Signal folgte innerhalb der Imbalance 20 ein weiteres bearishes Setup. Die geopolitische Entwicklung spricht für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung des Paares, und die technische Analyse weist in dieselbe Richtung. Solange nicht mindestens ein bearishes Muster negiert wird oder ein bullishes Muster entsteht, rechne ich nicht mit nennenswerten Kursgewinnen des Pfunds.
Der Wirtschaftskalender am Donnerstag blieb weitgehend ereignislos. Zumindest schenkte der Markt dem US‑Producer‑Price‑Index kaum Beachtung, und selbst die Händler im EUR/USD reagierten nur verhalten auf die Zinserhöhung der ECB.
Das breitere fundamentale Umfeld lässt mich nach wie vor auf längere Sicht eine Schwäche des US‑Dollars erwarten. Selbst der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten ändert daran wenig. Die geopolitischen Spannungen haben Anleger kurzfristig wieder an den Status des Dollars als „sicherer Hafen“ erinnert, doch das Gesamtumfeld für die US‑Währung bleibt eher ungünstig. Sollte die US‑Wirtschaft im Jahr 2026 an Fahrt gewinnen, die Federal Reserve ihren Zyklus der geldpolitischen Straffung wiederaufnehmen und sich der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zu einer langwierigen Konfrontation auswachsen, könnte der Dollar tatsächlich den Bereich von 1,3100–1,3000 ansteuern. Meiner Ansicht nach kann sich der langfristige Ausblick für den US‑Dollar jedoch nicht aufgrund eines einzigen positiven Nonfarm‑Payrolls‑Berichts grundlegend geändert haben, und die Federal Reserve hat bislang auch kein Signal gegeben, ihre Geldpolitik weiter verschärfen zu wollen.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich:
Vereinigte Staaten – University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC).Der Wirtschaftskalender für den 12. Juni weist nur ein einziges Ereignis aus, das ich nicht als besonders wichtig einschätze. Entsprechend dürfte der Einfluss der Fundamentaldaten auf die Marktstimmung am Freitag eher gering ausfallen.
GBP/USD‑Prognose und Handelsempfehlungen:
Der langfristige Ausblick für das Pfund bleibt bullish, doch die jüngsten Signale sind bearish. Daher könnten die Bären kurzfristig, sofern die geopolitischen Entwicklungen nicht dazwischenfunken, weiter in Richtung des Tiefs vom 31. März bei 1,3158 drücken. Liquidität könnte an den jüngsten Swing‑Punkten abgeholt werden, bevor die Bullen wieder die Kontrolle übernehmen, falls sich das geopolitische Umfeld aufhellt. Derzeit ist jedoch schwer vorstellbar, dass der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten rasch beigelegt wird, was den Aufwärtsspielraum des Pfunds begrenzt.