Alle Kriege enden früher oder später mit einem Friedensabkommen. Ein Deal zwischen den USA und dem Iran könnte bereits nächste Woche in der Schweiz formalisiert werden. Er würde eine zweimonatige Waffenruhe und die vollständige Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus vorsehen. Anschließend beabsichtigen die Parteien, über das Atomprogramm Teherans zu verhandeln. Friedensgerüchte haben sich noch nie so real angefühlt wie jetzt. Dennoch beeilt sich EUR/USD nicht zu steigen.
Auf dem Forex-Markt geschehen in letzter Zeit viele merkwürdige Dinge. Der US‑Dollar hätte sich aufgrund seines Status als sicherer Hafen, der Stärke der US‑Wirtschaft und der steigenden Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung durch die Fed deutlich aufwerten müssen. Die Lücke bei den realen Renditen an den Anleihemärkten signalisiert, dass EUR/USD deutlich niedriger notieren müsste.
EUR/USD‑Entwicklung und Differenz der Staatsanleiherenditen
Aus irgendeinem Grund hat der Greenback sein Potenzial nicht entfaltet. Bedeutet das, dass er sich rasch abschwächen wird, sobald er einen Trumpf wie die Geopolitik verliert? Die Reaktion des wichtigsten Währungspaars auf die wachsende Wahrscheinlichkeit eines unmittelbar bevorstehenden Friedensabkommens zwischen den USA und Iran zeigt, dass dies nicht der Fall ist.
Nordea Markets geht davon aus, dass EUR/USD mittelfristig steigen wird. Die wichtigsten bremsenden Faktoren könnten eine im Vergleich zu Europa stärkere US-Wirtschaft, eine tendenziell eher restriktive Fed und schließlich ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten sein. Angesichts der voraussichtlich zügigen Beilegung dieses Konflikts wird eines der Hindernisse für den Aufwärtstrend des Euro wohl bald wegfallen.
Gleichzeitig beseitigen fallende Ölpreise das zweite Hindernis – die US-Inflation dürfte im Mai ihren Höhepunkt erreicht haben und sollte infolge sinkender Öl- und Benzinpreise bald nachlassen. Die vorübergehende Natur der hohen Energiepreise hat Experten von Bloomberg dazu veranlasst, ihre frühere Prognose einer Anhebung des Fed Funds Rate aufzugeben. Inzwischen erwarten 32 von 35 Volkswirten, dass die Fed die Pause bis Mitte 2027 verlängert und ihre Geldpolitik anschließend zweimal lockert – im Juli und im September des kommenden Jahres.
Entwicklung des Fed Funds Rate und Prognosen des Futures‑Marktes
Diese Einschätzung steht im Widerspruch zu den Signalen vom Terminmarkt, der für 2026 weiterhin eine geldpolitische Straffung erwartet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten lag die Wahrscheinlichkeit bei 75 %. Inzwischen ist sie auf knapp über 50 % gefallen. Theoretisch sollte das den US-Dollar deutlich schwächen.
Doch so wie sich die US‑Währung in günstigen Bedingungen nur widerwillig nach oben bewegt hat, ist sie auch jetzt in ungünstigen Bedingungen nicht in Eile zu fallen. Möglicherweise wartet EUR/USD auf die Eröffnung des US‑Aktienmarkts.
Aus technischer Sicht zeigte der Tageschart des wichtigsten Währungspaares eine Erholung von einem dynamischen Widerstand in Form eines gleitenden Durchschnitts. Solange EUR/USD jedoch über dem Pivot‑Level von 1,1555 bleibt, behalten die Bullen die Kontrolle. Händler sollten sich darauf konzentrieren, Long‑Positionen im Euro gegenüber dem US‑Dollar aufzubauen.