EUR/USD – Smart-Money-Analyse: Trumps Äußerungen dämpfen bärische Erwartungen

EUR/USD ist nun bereits seit sechs Handelstagen in Folge gestiegen. Zunächst wirkte die Bewegung wie eine normale Korrektur gegen den vorangegangenen Abwärtsschub, die voraussichtlich innerhalb der Bearish Imbalance 16 enden würde. Nach sechs Tagen mit Gewinnen kann man nun jedoch sagen, dass die Käufer eine starke Chance haben, die Initiative zurückzuerobern und den übergeordneten Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

Ich möchte die Leser daran erinnern, dass ich in den vergangenen Monaten konsequent vertreten habe, dass der Aufwärtstrend nicht beendet ist. Er wurde lediglich durch das komplexe geopolitische Umfeld unterbrochen. Ein genauerer Blick auf die jüngste Kursentwicklung stützt diese Sichtweise. Am vergangenen Dienstag und Mittwoch prallte das Paar zweimal von der Bearish Imbalance 16 nach unten ab, was durchaus als Verkaufssignal interpretiert werden konnte. Alles sah logisch und technisch gut begründet aus. Am Donnerstag legte das Paar jedoch kräftig zu, legte am Freitag eine kurze Pause ein und setzte die Aufwärtsbewegung am Montag fort.

Warum ist das passiert? Weil Donald Trump am Donnerstag überraschend seinen Kurs gegenüber dem Iran geändert und erneut erklärt hat, dass bereits am Wochenende ein Abkommen zustande kommen könnte. Am Montag wurde diese Information nicht nur von Trump, sondern auch vom Iran und von Pakistan bestätigt. Zwar ist das Abkommen formal noch nicht unterzeichnet, doch die Bestätigung durch alle drei an den Verhandlungen beteiligten Parteien erhöht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses deutlich. In dieser Phase konzentrieren sich die Marktteilnehmer offenbar weitaus stärker auf die Wahrscheinlichkeit eines Deals als darauf, was danach folgen könnte.

Die Bearish Imbalance 16 steht nun kurz davor, ungültig zu werden, was das erste Signal dafür wäre, dass der Aufwärtstrend wieder aufgenommen wird.

Kurzfristig werden sowohl die Kursentwicklung als auch die Stimmung am Markt weiterhin stark von den geopolitischen Entwicklungen abhängen. Sollten Teheran und Washington letztlich ein Memorandum of Understanding unterzeichnen, die Waffenruhe verlängern, Beschränkungen aufheben und beim Nuklearthema Fortschritte machen, könnten die Verkäufer zum Rückzug gezwungen werden, während Euro und Pfund ihre Aufwärtstendenzen wieder aufnehmen.

Vorerst bleiben die Marktteilnehmer jedoch vorsichtig und warten darauf, dass das Abkommen formell ratifiziert wird, was am Freitag in der Schweiz geschehen könnte.

Derzeit lassen sich schlicht keine umsetzbaren Handelssignale erkennen. Sollte die Bearish Imbalance 16 ungültig werden, wäre dies ein Hinweis darauf, dass der bärische Impuls gebrochen ist. In diesem Fall sollten Trader auf neue bullische Muster warten und diese entsprechend handeln. Bereits in dieser Woche könnte sich eine bullische Imbalance ausbilden, die künftig Einstiegschancen auf der Long-Seite bieten dürfte.

Erneut sei darauf hingewiesen, dass nahezu die gesamte Stärke des US-Dollars zwischen Januar und März geopolitisch bedingt war. Sobald die Vereinigten Staaten und der Iran eine Waffenruhe vereinbart hatten, zogen sich die Verkäufer rasch zurück, während Käufer den Handel über mehr als einen Monat dominierten.

Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit eines formellen Abkommens weiterhin relativ hoch. Dennoch reagiert der Markt skeptisch auf Meldungen, wonach der Konflikt kurz vor einer endgültigen Lösung stehe. In der Folge steigt der Euro zwar, doch das Tempo der Aufwärtsbewegung bleibt gemäßigt und vorsichtig.

Das wirtschaftliche Umfeld am Montag sprach klar gegen die Käufer, da der einzige nennenswerte Bericht – die Daten zur Industrieproduktion aus der Europäischen Union – unter den Markterwartungen lag. Die Industrieproduktion legte im April gegenüber März lediglich um 0,1 % zu. Der heutige Anstieg des Euro ist daher in erster Linie auf den wachsenden Optimismus am Markt in Bezug auf die Aussichten auf Frieden im Nahen Osten zurückzuführen.

Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe, warum Käufer über das gesamte Jahr 2026 hinweg aktiv bleiben dürften, und der Konflikt im Nahen Osten hat an dieser grundsätzlichen Einschätzung wenig geändert. Aus struktureller und langfristiger Sicht sind jene politischen Rahmenbedingungen, die im vergangenen Jahr maßgeblich zum deutlichen Rückgang des Dollars beigetragen haben, unverändert geblieben. In den kommenden Monaten kann der US-Dollar phasenweise an Stärke gewinnen, wenn Anleger verstärkt sichere Häfen suchen, doch dafür wäre eine anhaltende Eskalation der Spannungen im Nahen Osten erforderlich.

Ich rechne weiterhin nicht mit der Entstehung eines langfristigen Abwärtstrends im EUR/USD. Der Dollar hat durch geopolitische Entwicklungen vorübergehend Rückenwind erhalten, doch es bleibt unklar, was den Verkäufern mittel- bis langfristig einen dauerhaften Vorteil verschaffen könnte.

News Calendar für die Vereinigten Staaten und die Eurozone:

Deutschland – ZEW Konjunkturerwartungen (09:00 UTC).Vereinigte Staaten – Baugenehmigungen (12:30 UTC).Vereinigte Staaten – Baubeginne (12:30 UTC).

Der Wirtschaftskalender für den 16. Juni umfasst drei Veröffentlichungen, von denen keine als besonders bedeutend gilt. Daher dürfte der Einfluss der Konjunkturdaten auf die Marktstimmung am Dienstag gering oder gar nicht wahrnehmbar sein.

EUR/USD Prognose und Handelsempfehlungen:

Aus meiner Sicht befindet sich das Paar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das fundamentale Umfeld hat sich vor drei Monaten abrupt verändert, doch der übergeordnete Trend kann noch nicht als gebrochen oder abgeschlossen gelten.

Daher könnten die Käufer ihre Aufwärtsbewegung in naher Zukunft wieder aufnehmen, sofern die geopolitische Lage weiterhin Unterstützung bietet.

Derzeit sollten Trader ihre Aufmerksamkeit auf das Entstehen neuer Handelsmuster richten, vorzugsweise bullischer Natur. Ich rechne damit, dass sich ein solches Muster in dieser Woche herausbildet. Ebenso entscheidend ist, dass das Abkommen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten nicht scheitert. Andernfalls könnten die Verkäufer die Kontrolle über den Markt zurückgewinnen, und die sich entwickelnde bullische Struktur könnte – ähnlich wie das bärische Setup in der vergangenen Woche – vorzeitig zunichtegemacht werden.