Gold hat es geschafft, wieder Tritt zu fassen und sich von den niedrigsten Ständen seit Herbst 2025 zu erholen, begünstigt durch die Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten. Zunächst sagte Donald Trump Luftangriffe auf den Iran ab und kündigte anschließend ein Abkommen mit dem Land an. Das reichte aus, damit sich die XAU/USD-Notierungen wieder über 4.300 US-Dollar je Unze erholen konnten. Nun bereitet sich das Edelmetall auf einen Härtetest in Form der FOMC-Sitzung unter Leitung des neuen Chair Kevin Warsh vor.
Der Konflikt im Nahen Osten hat für Gold zahlreiche Gegenwinde erzeugt. Höhere Ölpreise befeuerten die Inflation in den USA, ließen die Renditen von US-Staatsanleihen steigen und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve. Gleichzeitig wertete der US-Dollar auf. Gerüchte über ein Abkommen zwischen Washington und Teheran deuten darauf hin, dass ein Preisboden erreicht sein könnte und XAU/USD seine Aufwärtsbewegung einleitet.
Die Dynamik von Gold und US-StaatsanleiherenditenDer Rückgang des Goldpreises wurde durch Kapitalabflüsse aus spezialisierten börsengehandelten Fonds (ETFs) ausgelöst, deren Bestände sich mit dem Preis mitbewegen, sowie durch eine geringere Aktivität der Zentralbanken am Goldmarkt. Diese Faktoren werden mit Sicherheit wieder an Bedeutung gewinnen und XAU/USD stützen, sobald die Gegenwinde nachlassen. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Umfrage des WGC, dass 45 % von 76 Zentralbanken planen, ihre Goldkäufe in den kommenden 12 Monaten zu erhöhen, während nur eine einzige Zentralbank einen Verkauf plant. Dies ist der höchste jemals in der Geschichte der Umfrage verzeichnete Wert.
Die erste ernsthafte Bewährungsprobe auf dem Weg des Goldpreises nach Norden wird die FOMC-Sitzung im Juni sein. Der Anstieg des Edelmetalls auf Rekordhochs Anfang 2026 wurde durch die Erwartung befeuert, dass der geldpolitische Expansionszyklus der Fed nach drei Zinssenkungen Ende des vergangenen Jahres anhalten würde. Der Rückgang von XAU/USD von April bis Juni erfolgte vor dem Hintergrund steigender Wahrscheinlichkeiten für eine Straffung der Geldpolitik.
Die Haltung der Fed ist von entscheidender Bedeutung für die Klärung der weiteren Entwicklung des Goldpreises. Zudem führt die zunehmende Unsicherheit im Zusammenhang mit einem möglichen Führungswechsel bei der Fed dazu, dass Trader ihre Positionen im Edelmetall vor der Bekanntgabe der Ergebnisse der zweitägigen FOMC-Sitzung schließen, was zu einer kurzfristigen Konsolidierung führt.
Warsh plädiert für mehr Handeln und weniger Reden. Seiner Ansicht nach ist die Zentralbank zu einer Geisel ihrer eigenen Worte geworden. Prognosen spiegeln wider, was er einst gedacht hat. Allerdings ändern sich die Bedingungen ständig, sodass frühere Schätzungen bedeutungslos werden. So erwartete die Fed im März lediglich eine einzige Senkung des Leitzinses für Federal Funds. Anleger rechnen damit, dass die Kreditkosten unverändert bleiben, während einige Notenbankvertreter für einen Anstieg im Jahr 2026 stimmen.
Technisch betrachtet bildet sich im Gold-Tageschart ein Wolf-Wave-Muster heraus. Ein Rebound von Punkt 5, gefolgt von der Fortsetzung der Rally, liefert die Grundlage für die Prognose eines Anstiegs der Notierungen auf 5.200 US‑Dollar je Unze. Ein Ausbruch über das Pivot-Level bei 4.350 US‑Dollar fungiert als Katalysator für Käufe.