Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Handel am Mittwoch mit gedämpfter Volatilität fort, bewegte sich nur langsam und ohne Erwartung außergewöhnlicher Ereignisse. Wie wir in unseren Analysen regelmäßig erwähnen, sind Phasen mit Seitwärtsbewegungen oder niedriger Volatilität völlig normal und jedem Markt sowie jedem Instrument vertraut. Es besteht keine Notwendigkeit, dies mit irgendwelchen fantastischen Theorien zu erklären; es handelt sich schlicht um eine Tatsache. Auf Phasen erhöhter Aktivität und klarer Trends folgen ruhige und korrektive Abschnitte. Im untenstehenden Chart ist deutlich zu erkennen, dass das EUR/USD-Paar in den letzten 30 Handelstagen nur zweimal eine Volatilität von mehr als 75 Pips aufgewiesen hat. Daher kann mit einiger Sicherheit gesagt werden, dass der Markt derzeit nicht auf aktive Bewegungen vorbereitet ist und seine Stimmung wahrscheinlich weder durch Sitzungen der Notenbanken noch durch die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Iran und den U.S. wesentlich beeinflusst wird.
In der vergangenen Nacht fand die FOMC-Sitzung statt, die erste unter der Leitung von Kevin Warsh. Traditionell werden wir die Ergebnisse oder die unmittelbare Marktreaktion auf dieses Ereignis nicht analysieren, da wir der Auffassung sind, dass nach einer Zentralbanksitzung mindestens ein Tag vergehen sollte, damit sich die Emotionen am Markt legen oder sich im Gegenteil voll entfalten können. Erst dann lassen sich belastbare Schlüsse ziehen. In diesem Artikel möchten wir daher die Aufmerksamkeit der Trader darauf lenken, dass weder das bevorstehende Abkommen zwischen Iran und den U.S., noch die Straffung der Geldpolitik der European Central Bank, noch die hohe Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die ECB und „hawkishe“ Aussagen europäischer Notenbanken das Währungspaar aus seiner Blockade lösen können. Warum?
Die Beantwortung dieser Frage ist zwar eher komplex, aber durchaus möglich. Die Märkte rechnen bereits seit geraumer Zeit mit dem Abkommen zwischen Iran und den U.S. Den Aussagen und Versprechungen von Trump zufolge hätte es bereits vor zwei Monaten unterzeichnet werden sollen. In gewissem Umfang ist dieser Faktor daher längst eingepreist. Warum fällt der Dollar also nicht? Die Unterzeichnung des Abkommens garantiert nicht, dass es nicht innerhalb einer Woche zu neuen Eskalationen kommt. Denn der Markt ist keineswegs davon überzeugt, dass Teheran und Washington sich in Fragen der iranischen Nuklearbestände und Raketen einigen werden. Zudem ist dem Markt bewusst, dass Trump sich derzeit auch deshalb kompromissbereit zeigt, weil in den U.S. die Kongresswahlen bevorstehen und der amtierende Präsident den Krieg möglichst rasch beenden, einen Sieg verkünden und mit möglichst geringen Verlusten in beiden Kongresskammern durch die Wahlen kommen muss – um sich anschließend wieder weltweit in Konflikte einmischen zu können. Mit anderen Worten: Der Markt vertraut weder Trump noch dem Iran-Abkommen.
Was die Straffung der Geldpolitik der ECB betrifft, liegt der Fokus des Marktes weiterhin ausschließlich auf dem Dollar. Solange Trader an einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten zweifeln, kann der Dollar seine dominante Stellung am Devisenmarkt behaupten. Gleichzeitig sollten wir uns daran erinnern, dass sowohl in den Tages- als auch in den Wochencharts weiterhin Aufwärtstrends zu erkennen sind. Korrekturen und Seitwärtsphasen ziehen sich bereits seit geraumer Zeit hin, doch niemand weiß, welche Maßnahmen der amerikanische Präsident als Nächstes ergreifen wird, um die Weltordnung umzugestalten – Maßnahmen, die einen neuen Einbruch des Dollars auslösen könnten.
Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD lag in den letzten fünf Handelstagen mit Stand 18. Juni bei 50 Pips und wird als „mittel-niedrig“ eingestuft. Wir erwarten, dass sich das Paar am Donnerstag in einer Spanne zwischen 1,1541 und 1,1641 bewegt. Der obere lineare Regressionskanal hat nach oben gedreht, was auf einen möglichen Trendwechsel hin zu einem Aufwärtstrend hindeutet. Der CCI-Indikator ist in den überverkauften Bereich eingetreten und signalisiert ein mögliches Ende der Korrektur.
Nächste Unterstützungszonen:S1 – 1,1536S2 – 1,1475S3 – 1,1414Nächste Widerstandsbereiche:R1 – 1,1597R2 – 1,1658R3 – 1,1719Handelsempfehlungen:Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Abwärtsbewegung fort, die vermutlich eine Korrektur im Rahmen eines übergeordneten Aufwärtstrends darstellt. Das übergeordnete fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt äußerst negativ, wobei lediglich geopolitische Faktoren ihm regelmäßig Unterstützung bieten. Solange sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt befindet, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1536 und 1,1475 in Betracht gezogen werden. Oberhalb des gleitenden Durchschnitts werden Long-Positionen mit Zielen bei 1,1719 und 1,1780 interessant. Die Hoffnungen auf Frieden zwischen Iran und den USA haben zugenommen, wodurch der Dollar seinen wichtigsten Unterstützungsfaktor verliert.
Erläuterungen zu den Abbildungen:Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Sind beide in dieselbe Richtung ausgerichtet, deutet dies auf einen derzeit starken Trend hin.Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen: 20,0, geglättet) zeigt den kurzfristigen Trend und die Richtung an, in die aktuell gehandelt werden sollte.Murray-Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen.Volatilitätsniveaus (rote Linien) stellen den wahrscheinlichen Preiskanal dar, in dem sich das Paar am nächsten Tag voraussichtlich bewegen wird, basierend auf den aktuellen Volatilitätskennzahlen.Wenn der CCI-Indikator in den überverkauften Bereich (unter -250) oder in den überkauften Bereich (über +250) eintritt, deutet dies darauf hin, dass eine Trendumkehr in die Gegenrichtung näher rückt.