Gold brach nach der Fed-Entscheidung ein, doch die Hälfte des Rückgangs wurde bereits wieder aufgeholt

Gold legte heute um 1,6 % auf 4.297 US‑Dollar je Unze zu und erholte sich damit vom Rückgang der vorherigen Sitzung. Auslöser war die Unterzeichnung eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen den USA und Iran – Trump und iranische Vertreter unterzeichneten das Memorandum elektronisch. Allerdings ist weiterhin unklar, ob die Straße von Hormus tatsächlich wieder geöffnet wurde, und diese Unsicherheit verhindert, dass die Erholung in eine vollständige Trendumkehr übergeht.

Derzeit wirken zwei konkurrierende Narrative auf Gold ein. Das erste ist positiv: Sinkende Ölpreise dämpfen die Inflationserwartungen, was den Druck auf die Zinsen verringern und damit die wichtigste Bremse für das Metall in den vergangenen vier Monaten lösen könnte. Brent-Rohöl ist unter 78 US‑Dollar pro Barrel gefallen – nahe dem Niveau, ab dem der Energiebeitrag zur Inflation beginnt, sich zu neutralisieren. Das zweite Narrativ ist negativ: Die Federal Reserve hat gestern klar gemacht, dass eine Zinserhöhung zum Jahresende weiterhin auf dem Tisch liegt. Händler preisen eine Straffung bis Oktober vollständig ein. Höhere Zinsen setzen das nicht verzinste Metall direkt unter Druck.

Ich möchte auf eine wichtige Nuance in der gestrigen Fed-Entscheidung hinweisen. Die Zentralbank hat nicht nur die Zinsen unverändert gelassen, sondern auch den Verweis auf „zusätzliche Anpassungen“ aus dem Statement gestrichen, was der Markt als Signal einer Bereitschaft zur Anhebung und nicht zur Senkung interpretiert. Das ist ein bedeutender Wandel in der Kommunikation unter der Führung des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh: weniger Signale zur Richtung der Geldpolitik, stärkere Abhängigkeit von Daten. Für Gold bedeutet dies anhaltende Unsicherheit in Bezug auf die Zinsen, und Unsicherheit mit einer Tendenz zur Straffung ist ungünstiger als Gewissheit mit einer Tendenz zur Lockerung.

Silber steigt heute sogar noch dynamischer – um 2,5 % auf 69,61 US‑Dollar nach einem Rückgang von 3 % am Vortag. Platin und Palladium notieren ebenfalls im Plus.

Was das aktuelle technische Bild für Gold angeht, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.372 $ zurückerobern. Dadurch könnten sie das Ziel bei 4.432 $ ins Visier nehmen, wo ein Ausbruch nach oben allerdings recht schwierig werden dürfte. Das nächste Kursziel läge dann im Bereich von 4.481 $. Kommt es hingegen zu einem Rückgang, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über die Marke von 4.304 $ zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus dieser Spanne die Position der Bullen erheblich schwächen und Gold auf ein Tief bei 4.249 $ drücken, mit dem Potenzial, 4.186 $ zu erreichen.