EUR/USD – Smart Money Analyse: Bullische Erwartungen haben sich nicht erfüllt

Das Währungspaar EUR/USD ist in den vergangenen zwei Handelstagen um 200 Punkte gefallen. Am gestrigen Abend wurden die Ergebnisse der vierten FOMC-Sitzung des Jahres 2026 bekannt gegeben, was für den US‑Dollar eine äußerst positive Überraschung bedeutete. Händler waren zunächst davon ausgegangen, dass der Kurs der Fed aufgrund der erhöhten Inflation etwas restriktiver werden könnte. Tatsächlich fiel die Neuausrichtung jedoch noch aggressiver aus.

In den letzten Wochen hatte der Markt im Wesentlichen nicht mehr als eine Runde geldpolitischer Straffung bis zum Jahresende eingepreist. Nach der Veröffentlichung des aktualisierten Dot Plots wurde jedoch deutlich, dass zwei oder sogar drei Zinserhöhungen möglich sind. Natürlich ist es nach wie vor schwierig, genau zu bestimmen, wie oft die Fed die Zinsen bis zum Jahresende anheben könnte, da nur noch vier Sitzungen verbleiben. Dennoch deutet die Tatsache, dass die Hälfte der FOMC‑Mitglieder mindestens eine weitere Zinserhöhung befürwortet, darauf hin, dass der restriktive Kurs der Fed in den kommenden sechs Wochen sogar noch stärker ausfallen könnte.

Auf der Pressekonferenz äußerte Kevin Warsh seine Sorge darüber, dass die Inflation seit fünf Jahren über dem Ziel der Fed liegt, und zerstreute damit praktisch die Marktbefürchtungen, er könnte zu einer „Marionette des Weißen Hauses“ werden. Warsh bezog eine klare, entschlossene Position und kam einer Zusage sehr nahe, die Inflation in naher Zukunft wieder auf das 2‑Prozent‑Ziel zurückzuführen. Infolgedessen deutet das Basisszenario für den Rest des Jahres nun auf zwei Zinserhöhungen hin, die Händler bereits den zweiten Tag in Folge einpreisen.

Die Geopolitik ist in dieser Woche eindeutig in den Hintergrund gerückt. Laut einigen Berichten haben Teheran und Washington bereits ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, den Waffenstillstand um 60 Tage verlängert und mit den Arbeiten zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus begonnen. Auch Atomverhandlungen sollen in Kürze starten.

Dennoch blieb der erwartete Rückgang des Dollars trotz der nachlassenden geopolitischen Spannungen aus. Ebenso konnte der Euro nicht von der geldpolitischen Straffung der EZB profitieren. Die Bären behalten trotz des übergeordneten Nachrichten- und geopolitischen Umfelds weiterhin die Kontrolle. Unter diesen Umständen sollten Händler abwarten, bis die aktuelle bärische Phase ausgelaufen ist. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt intakt.

Derzeit liegen keine aktiven Handelssignale oder -formationen vor. Die bärische Imbalance 16 hat sich letztlich zwar gehalten, der Kurs ist jedoch darüber hinausgelaufen, sodass ich sie nicht als gültiges Verkaufssignal werten würde. Meiner Ansicht nach wäre das Paar ohne die Fed‑Sitzung nicht so stark gefallen. Tatsächlich stand die Imbalance 16 kurz davor, ungültig zu werden.

Dennoch deutet das aktuelle technische Bild auf eine Fortsetzung des Abwärtsimpulses hin, der am 17. April eingesetzt hat. Kurzfristig können die Bullen lediglich auf Liquiditätsabholungen im Bereich der Tiefs vom 30. März, 19. März, 13. März und 1. August des vergangenen Jahres hoffen.

Ich möchte erneut betonen, dass die gesamte Rallye des US‑Dollars zwischen Januar und März in erster Linie von geopolitischen Faktoren getrieben war. Sobald sich die Vereinigten Staaten und Iran auf einen Waffenstillstand verständigt hatten, zogen sich die Bären umgehend zurück, und die Bullen dominierten das Marktgeschehen über mehr als einen Monat.

Derzeit ist das Abkommen unterzeichnet, und der Markt hatte sich auf einen weiteren Anstieg des EUR/USD vorbereitet. Eine starke Unterstützung für den Dollar ergab sich jedoch aus der zunehmend restriktiven Ausrichtung der Fed. Trotz der anhaltenden Aufwertung des Dollars rechne ich weiterhin damit, dass der aktuelle Abwärtsimpuls ausläuft und der übergeordnete Aufwärtstrend wiederaufgenommen wird.

Am Donnerstag wurden keine wichtigen Konjunkturdaten veröffentlicht, und die Aufmerksamkeit der Märkte blieb auf die Fed und die Bank of England gerichtet. Entsprechend hatten Händler noch ausreichend Informationen von den Ereignissen am Mittwoch zu verarbeiten.

In der Eurozone wurden am Donnerstag keine nennenswerten Wirtschaftsdaten veröffentlicht, während die Entscheidung der EZB zur Zinserhöhung in der vergangenen Woche vom Markt weitgehend ignoriert wurde.

Die Bullen haben weiterhin zahlreiche Gründe, im Jahr 2026 aktiv zu bleiben, und selbst der Konflikt im Nahen Osten hat deren Zahl nicht verringert. Strukturell und fundamental haben sich die unter Trump eingeführten politischen Maßnahmen, die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars beitrugen, nicht verändert.

In den kommenden Monaten könnte sich die US‑Währung in Phasen erhöhter Risikoaversion zeitweise stärken, doch würde dieser Faktor eine anhaltende Eskalation der Spannungen im Nahen Osten voraussetzen. Die Dollar‑Rallye dieser Woche war in erster Linie auf die Bereitschaft des FOMC zurückzuführen, die Geldpolitik im Jahr 2026 weiter zu straffen.

Terminkalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone:

19. Juni: Der Wirtschaftskalender enthält keine wichtigen Ereignisse. Daher dürfte der Einfluss des konjunkturellen Umfelds auf die Marktstimmung am Freitag minimal ausfallen.

EUR/USD‑Prognose und Handelsempfehlungen:

Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das fundamentale Umfeld hat sich vor drei Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben, doch kann der übergeordnete Trend bislang weder als negiert noch als abgeschlossen gelten.

Folglich könnten die Bullen einen neuen Aufwärtsvorstoß starten, auch wenn das Eingehen von Long‑Positionen in der aktuellen Phase trotz des deutlichen Rückgangs im Jahr 2026 verfrüht erscheint. Händler sollten zunächst abwarten, bis der aktuelle Abwärtsimpuls beendet ist und sich bullische Formationen herauszubilden beginnen.

In dieser Phase sollten Händler die Entstehung neuer Muster beobachten, vorzugsweise bullischer Art. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich in dieser Woche eine neue bärische Imbalance ausbildet. Infolgedessen könnten sich in der kommenden Woche Chancen für Short‑Positionen ergeben. Gleichzeitig möchte ich die Nähe von vier wichtigen Zwischentiefs hervorheben, die als Liquiditätsziele dienen könnten, bevor ein neuer Aufwärtsimpuls einsetzt.