EUR/USD – 19. Juni: Der Euro bleibt unter Druck

Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Rückgang am Donnerstag fort, nachdem es sich unterhalb des 76,4%-Fibonacci-Retracements bei 1,1514 konsolidiert hatte, und bewegte sich in Richtung des 100,0%-Korrekturlevels bei 1,1409. Ein Rebound vom Niveau 1,1409 würde den Euro begünstigen und eine moderate Erholung in Richtung 1,1514 ermöglichen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1409 würde die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Rückgangs in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels von 127,2% bei 1,1291 erhöhen.

Das Wellenmuster im Stundenchart hat sich erneut verändert. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat das vorherige Hoch durchbrochen, während die neue Abwärtswelle wiederum unter das vorherige Tief gefallen ist. Infolgedessen ist der Trend erneut bärisch geworden. Die geopolitische Lage hat sich in den letzten Wochen deutlich verbessert, jedoch hat die Federal Reserve eine neue Welle bärischen Drucks ausgelöst. Für eine ausgewachsene Abwärtsbewegung wären zusätzliche Faktoren erforderlich, die ich derzeit nicht erkennen kann, aber die Bullen leisten im Moment praktisch keinen Widerstand.

Am Donnerstag gab es nur sehr wenige wichtige Ereignisse oder Nachrichtenveröffentlichungen. Der Euro verbrachte den Großteil des Tages mit Rückgängen, wobei es zutreffender wäre zu sagen, dass sich der US-Dollar den ganzen Tag über verstärkt hat. Das Paar setzte seine Abwärtsbewegung in der Nacht zum Freitag fort, was auf anhaltenden Verkaufsdruck und das vollständige Ausbleiben bullischer Aktivitäten am Markt hindeutet. Was könnte diese Bewegung antreiben? Meiner Ansicht nach ist sie nicht ausschließlich das Ergebnis der Federal-Reserve-Sitzung. Kevin Warsh und seine Kollegen haben viel getan, um den Dollar zu stützen, aber ich kann nicht sagen, dass die Aussicht auf eine künftig straffere Geldpolitik eine Rallye von 180 Punkten in der US-Währung allein rechtfertigt. Es wirkt, als würden den Händlern Teile des Gesamtbildes entgehen, oder die Bären hatten sich lange auf diese Bewegung vorbereitet und lediglich die FOMC-Sitzung als Auslöser genutzt. Man sollte sich daran erinnern, dass die Federal Reserve auf ihrer Juni-Sitzung die Geldpolitik unverändert gelassen hat und nur die Hälfte der FOMC-Mitglieder bis zum Jahresende einen weiteren Zinsschritt erwartet. Meiner Meinung nach ist der restriktive Kurs der Notenbank klar erkennbar, aber nicht stark genug, um eine derart aggressive Dollar-Rallye zu rechtfertigen. Nichtsdestotrotz können sich Trader derzeit auf die technische Analyse und die Schlüsselmarken stützen, da die Kursbewegung weiterhin klar einseitig verläuft. Was könnte für einen Trader schließlich besser sein als ein klar definierter Trend?

Im 4-Stunden-Chart setzt das Paar seine Abwärtsbewegung in Richtung des 0,0%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1411 fort. Ein Rebound von diesem Niveau würde den Euro stützen und eine moderate Erholung in Richtung des 23,6%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1569 ermöglichen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1411 würde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs erhöhen. Derzeit sind auf keinem Indikator aufkommende Divergenzen zu beobachten.

Commitments of Traders (COT) Report:

In der letzten Berichts­woche schlossen professionelle Händler 15.878 Long-Positionen und eröffneten 19.056 Short-Positionen. Im Verlauf der sieben Wochen im Februar und März verschwand der überwältigende Vorteil der Bullen infolge des Konflikts im Iran. In den vergangenen elf Wochen hat sich die Lage im Zuge einer Pause der Feindseligkeiten im Nahen Osten stabilisiert, und die Bullen haben ihren Vorsprung erneut zurückerobert. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 219.000, während die Short-Positionen 205.000 ausmachen.

Insgesamt bevorzugen große institutionelle Händler den Euro weiterhin langfristig. Selbstverständlich beeinflussen die verschiedensten globalen Entwicklungen – an denen es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt hat – die Anlegerstimmung weiterhin. Insbesondere richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte nach wie vor auf den Nahen Osten, wo der Konflikt lediglich unterbrochen, aber nicht gelöst wurde. Daher hängt die kurzfristige Richtung von Euro und US‑Dollar weniger von der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB und von Konjunkturdaten ab, sondern stärker von den Entwicklungen im Iran.

Wirtschaftskalender USA und Eurozone:

Der Wirtschaftskalender für den 19. Juni enthält keine nennenswerten Ereignisse. Daher dürfte das wirtschaftliche Umfeld am Freitag kaum Einfluss auf die Marktstimmung haben.

EUR/USD‑Prognose und Handelstipps:

Long-Positionen können heute in Betracht gezogen werden, wenn das Paar auf dem Stundenchart vom Niveau 1,1409 nach oben abprallt, mit einem Ziel bei 1,1514. Short-Positionen konnten zuvor nach einem Schlusskurs unterhalb von 1,1578 und unter 1,1514 eröffnet werden, mit einem Ziel bei 1,1409. Dieses Ziel ist inzwischen nahezu erreicht. Neue Short-Positionen können nach einer Konsolidierung unterhalb von 1,1409 erwogen werden, mit einem Ziel bei 1,1291.

Die Fibonacci-Gitter werden im Stundenchart von 1,1409 bis 1,1850 und im 4‑Stunden‑Chart von 1,2081 bis 1,1411 eingezeichnet.