Eine äußerst angespannte Handelswoche neigt sich dem Ende zu. Sie war geprägt von wichtigen Ereignissen im Zusammenhang sowohl mit der militärischen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen Seite und Iran auf der anderen als auch mit geldpolitischen Sitzungen von fünf der größten Zentralbanken der Welt, darunter der Federal Reserve.
Die nächste Woche wird die letzte vollständige Handelswoche des Monats, des Quartals und des Halbjahres sein. Unerwartete Bewegungen im Zusammenhang mit Portfolio-Umschichtungen sind nicht auszuschließen.
Der US-Dollar-Index geht mit starker Tendenz aus der Woche, markiert neue Jahreshochs und testet erstmals seit Mai 2025 den Bereich um 101,00. Der Haupttreiber der Rally war ein restriktives Signal der Federal Reserve, das selbst die Marktwirkung einer unterzeichneten Rahmenvereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran überlagerte.
Am Freitag gab der Index von seinem Hoch bei 101,10 leicht nach, behauptet sich jedoch deutlich in der Nähe des wichtigen Widerstandsbereichs um 100,75. Die Märkte, die im Vorfeld des US-Feiertags Juneteenth bei verringerter Liquidität handeln, verarbeiten ein neues geldpolitisches Umfeld, in dem die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed bis Jahresende auf nahezu 90 % geschätzt wird.
Die entscheidende Frage für den Dollar in der kommenden Woche ist, ob er die jüngst eroberten Positionen halten kann oder ob geopolitische Risiken und eine Korrektur der Renditen den Index wieder auf vertrautere Niveaus zurückführen.
Fundamentaler Hintergrund: Der hawkishe Signalton der Fed ist das Haupttrumpfasse des Dollars
1. FOMC: Rhetorikwende und Dot Plot
Die FOMC-Sitzung am 16.–17. Juni markierte einen Wendepunkt, der die Positionierung an den Devisenmärkten spürbar veränderte. Wie erwartet beließ die Fed den Leitzins bei 3,50–3,75 % und das bereits zum vierten Mal in Folge; der Beschluss fiel erstmals seit neun Monaten einstimmig aus. Ausschlaggebend waren jedoch der aktualisierte Dot Plot und die Rhetorik des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, die sich deutlich restriktiver zeigte, als vom Markt erwartet worden war.
Wesentliche Änderungen in den Prognosen
- Verschiebung im Dot Plot. Die Medianprognose für den terminalen Zinssatz im Jahr 2026 wurde auf 3,8 % angehoben. Das bedeutet, dass nun neun von 18 FOMC-Mitgliedern mindestens einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bis Jahresende erwarten, und sechs von ihnen zwei oder mehr Zinsschritte. Im Gegensatz dazu rechnet nur noch ein Entscheidungsträger mit Zinssenkungen in diesem Jahr.
- Aufwärtsrevision der Inflationsprognosen. Die Erwartungen für die Inflation im Jahr 2026 wurden angehoben: Die Prognose für die Kern-PCE stieg auf 3,3 %, jene für die Gesamt-PCE auf 3,6 %.
- Streichung der „Easing“-Formulierungen. Die Formulierung in der Erklärung, die bislang Lockerungen als nächsten Schritt andeutete, wurde vollständig entfernt. Das ist ein klares Marktsignal, dass die Fed Zinssenkungen nicht mehr als Basisszenario betrachtet.
Marktreaktion auf das Fed-Signal
Die Märkte preisten rasch eine Zinserhöhung bis Oktober oder November ein. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im Dezember wird inzwischen mit 88 % veranschlagt, und die Chancen auf eine Bewegung bis Oktober stiegen binnen einer Woche von 40 % auf 77 %. Die zweijährigen US-Treasury-Renditen, die besonders empfindlich auf die Geldpolitik reagieren, kletterten um 16 Basispunkte auf 4,21 % – den höchsten Stand seit Februar 2025 – und sorgten für den kräftigsten Tagesanstieg des Dollars seit Anfang März.
2. Geldpolitische Divergenz: warum der USDX über 100,00 notiert
Die Widerstandsfähigkeit des Dollars ist in erster Linie auf den Renditeaufschlag zugunsten der Vereinigten Staaten zurückzuführen. Während die Fed die Möglichkeit weiterer Straffungen signalisiert, befinden sich andere Zentralbanken in einer ganz anderen Lage.
Maßnahmen der Zentralbanken in dieser Woche und zentrale Signale
- Fed: belässt den Satz bei 3,50–3,75 % – ein hawkishes Signal möglicher weiterer Straffungen im Jahr 2026.
- ECB: Erhöhung um 25 Basispunkte auf 2,40 % – moderat restriktiv, aber ein isolierter Schritt.
- BoE: belässt bei 3,75 % – eine Pause, mit einer kleinen hawkischen Minderheit (zwei Stimmen für eine Anhebung).
- BoJ: Anhebung des Leitzinses auf 1,00 % – ein historischer Schritt, doch der US–Japan-Spread bleibt deutlich.
- SNB: belässt bei 0 % – neutral, mit Schwerpunkt auf der Interventionspolitik.
Die hawkishe Anpassung der Fed droht, eine anhaltende Aufwertung des Dollars auszulösen, die den dämpfenden Effekt des US–Iran-Abkommens mehr als ausgleicht, so Ökonomen. Der Wachstumsvorsprung der Vereinigten Staaten, gestützt durch Investitionen in KI und einen robusten Arbeitsmarkt, zieht weiterhin globales Kapital an.
3. Geopolitik: Dollar-Schwäche ist nur von kurzer Dauer
Die Hoffnung auf ein Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sowie die Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückten die Ölpreise und verbesserten kurzfristig die globale Risikostimmung, was den Dollar als sicheren Hafen vorübergehend unter Druck setzte. Doch die hawkishe Wende der Fed überwog diesen Faktor.
Darüber hinaus bleibt der Nahe Osten instabil. Am Freitag teilte das Schweizer Außenministerium mit, dass die geplanten Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nicht stattfinden werden. Israelische Luftschläge im Libanon und die Absage der Reise von Vizepräsident J.D. Vance zu Verhandlungen mit Iran schaffen neue Risiken. Eine erneute Eskalation könnte die Nachfrage nach dem Dollar als Zufluchtswährung erneut anfachen und ein weiteres bullishes Argument für die US-Währung liefern.
Kurzfristige technische Analyse
Technisch hat der USDX eine mittelfristige Trendwende bestätigt, nachdem er die wichtigen Widerstände bei 98,97, 99,10 und 99,29 (den 144‑, 200‑ und 50‑Tage‑EMAs) durchbrochen hat und in dieser Woche ein Jahreshoch von 101,10 erreichte. Trotz einer Korrektur am Freitag hält sich der Index in der Nähe des wichtigen Widerstands bei 100,75 (die wöchentlichen 200‑ und 144‑Tage‑EMAs sowie der monatliche 50‑Tage‑EMA).
Der Index legte auf Wochensicht um rund 1 Prozent zu und verzeichnete damit seine beste Wochenperformance seit Anfang März. Er notiert zudem weiterhin über den kurzfristigen gleitenden Durchschnitten (5, 10 und 20), die sich im Bereich von 100,71–100,75 bündeln. Dies deutet darauf hin, dass die aktuelle Gegenbewegung als Korrektur innerhalb eines Aufwärtstrends interpretiert wird. Ein technischer Ausbruch über 100,00 und die Erneuerung der Jahreshochs bestätigen die Wiederaufnahme des Bullenmarktes. Ökonomen führen den Anstieg auf eine Neukalibrierung der Fed-Politik zurück und sehen weiteres Potenzial nach oben.
Für weitere Details siehe „US Dollar Index (USDX): possible dynamic for June 19, 2026.“
Prognosen der Großbanken
- Deutsche Bank: EUR/USD-Jahresendprognose 1,1500, was auf anhaltende Dollarstärke hindeutet.
- Societe Generale: USDX-Jahresendprognose 98,60–99,00, was auf eine moderate Dollarabwertung in der zweiten Jahreshälfte, jedoch keinen strukturellen Trendwechsel schließen lässt.
- MUFG: sieht Aufwärtsrisiken für ihr Dollar-Schwächeszenario 2027 und räumt ein, dass das hawkishe Signal der Fed Aufwärtsdruck erzeugt.
Wichtige Termine in der kommenden Woche
- 22. Juni — PBoC LPR-Entscheidung: unverändert erwartet; indirekter Einfluss über USD/CNH.
- 22. Juni — Kanadische Inflation (Mai): Einfluss auf USD/CAD.
- 23. Juni — vorläufige S&P Global PMIs für Deutschland, die Eurozone und die USA: werden die unterschiedlichen Konjunkturdynamiken aufzeigen.
- 25. Juni — US PCE (Mai): dürfte erhöht bleiben; ein starker Wert würde die hawkishe Haltung der Fed untermauern.
- Im Wochenverlauf — Fed-Redner: jegliche hawkische Kommentare könnten den US-Dollar stärken.
Fazit
Der US-Dollar beendet die Woche als klarer Outperformer und bestätigt seine Stärke nach der hawkischen Überraschung der Fed. Die Bereitschaft von Chair Kevin Warsh, die Geldpolitik zu straffen, sowie die Überarbeitung des Dot-Plots haben die Markterwartungen grundlegend verändert und dazu geführt, dass mögliche Zinserhöhungen bis zum Jahresende eingepreist werden. Der Dollar profitiert sowohl vom Zinsdifferenzial als auch von seiner Rolle als sicherer Hafen vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheit im Nahen Osten.
Die Zone 100,50–101,10 wird in den kommenden Tagen zum entscheidenden Kampfgebiet. Ein technischer Ausbruch darüber würde den Weg für neue Mehrjahreshochs ebnen, während ein nachhaltiger Schlusskurs unter 100,50 eine Korrektur in Richtung 100,00 und 99,95 auslösen könnte.