EUR/USD fiel in der vergangenen Woche um 190 Punkte. Danach ließ der Abwärtsdruck nach, während es den Bullen nicht gelang, eine nennenswerte Gegenbewegung zu starten. Derzeit steht eine erneute Eskalation im Nahen Osten nicht im Fokus, obwohl Donald Trump am Montag Iran mit neuen Angriffen drohte, falls innerhalb von 60 Tagen kein Atomabkommen unterzeichnet wird. Trump erklärte zudem, die Vereinigten Staaten könnten die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen und von Schiffen Sicherheitsgebühren verlangen.
In der jetzigen Phase bleiben diese Aussagen jedoch weitgehend rhetorisch. Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington haben gerade erst begonnen, und beiden Seiten bleiben zwei Monate, um die diplomatische Pattsituation zu durchbrechen. Allein die Tatsache, dass in der vergangenen Woche ein vorläufiges Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet wurde, ist bereits aussagekräftig. Dennoch zögern Händler, belastbare Schlüsse zu ziehen und den sicheren Hafen US‑Dollar aufzugeben. Die Lage entwickelt sich zwar schrittweise in die richtige Richtung, könnte sich aber jederzeit wieder verschlechtern. Der Markt ist sich dessen bewusst, weshalb die Bullen weiter abwarten.
Aus lokaler Sicht befindet sich der Markt weiterhin in einer bärischen Phase, während der übergeordnete Trend bullish bleibt. Derzeit kommen für Trader nur Positionierungen ausgehend von Imbalance 17 in Betracht. Für das Eingehen von Long-Positionen ist eine Veränderung des technischen Bildes erforderlich, etwa die Ungültigmachung von Imbalance 17.
In der vergangenen Woche rückte die Geopolitik in den Hintergrund. Teheran und Washington unterzeichneten ein Memorandum of Understanding, verlängerten den Waffenstillstand um 60 Tage und begannen mit Vorbereitungen zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Am Sonntag starteten in der Schweiz die Atomverhandlungen. Der erwartete Rückgang des US‑Dollars nach der Entspannung der geopolitischen Lage blieb jedoch aus. Auch der Euro profitierte nicht von der restriktiveren geldpolitischen Ausrichtung der EZB.
Infolgedessen behalten die Bären die Kontrolle über das Marktmomentum, obwohl das fundamentale und geopolitische Umfeld eigentlich dagegen spricht. In einer solchen Situation gilt es, abzuwarten, bis die bärische Phase vollständig ausgelaufen ist. Der übergeordnete bullishe Trend bleibt intakt.
Die bärische Imbalance 16 hat sich letztlich behauptet, allerdings ist der Kurs zwischenzeitlich darüber gestiegen, weshalb es verfrüht wäre, sie als bestätigtes Verkaufssignal zu werten. Meiner Ansicht nach hätte das Währungspaar ohne die FOMC-Sitzung keinen so deutlichen Rückgang verzeichnet. Folglich stand Imbalance 16 kurz davor, ungültig zu werden, und die Marktentwicklung deutete bereits in diese Richtung.
Das aktuelle technische Bild spricht für eine Fortsetzung des bärischen Impulses, der am 17. April begonnen hat. Am Freitag wurde unterhalb der Tiefs vom 19. März und 30. März Liquidität abgegriffen, was den Bullen etwas Hoffnung gibt – bislang bleibt es jedoch bei Hoffnung. Zwei Tage sind vergangen, und der Euro ist nach wie vor eher einem weiteren Rückgang als einer Erholung näher. Zudem wurde am Freitag die bärische Imbalance 17 ausgebildet.
Es sei nochmals betont, dass die Aufwertung des US‑Dollars zwischen Januar und März in erster Linie durch geopolitische Entwicklungen getrieben war. Sobald die Vereinigten Staaten und Iran einem Waffenstillstand zustimmten, ließ der Abwärtsdruck auf EUR/USD sofort nach, und die Bullen dominierten mehr als einen Monat lang das Geschehen. Inzwischen ist das Abkommen unterzeichnet, und der Markt hatte sich bereits auf eine weitere Aufwärtsbewegung im EUR/USD vorbereitet. Stattdessen erhielt der Dollar jedoch deutliche Unterstützung durch den zunehmend restriktiven Kurs der Federal Reserve.
Trotz der Dollarstärke in der vergangenen Woche bleibt die Erwartung bestehen, dass der laufende bärische Impuls letztlich auslaufen und sich der übergeordnete bullishe Trend fortsetzen wird.
Am Montag wurden keine Konjunkturdaten veröffentlicht. Im Tagesverlauf wurde der Markt jedoch von zahlreichen geopolitischen Schlagzeilen begleitet. Obwohl die Verhandlungen letztendlich zustande kamen, bevorzugt der Markt weiterhin Verkäufe im EUR/USD. Meiner Ansicht nach stehen die aktuellen Marktbewegungen nicht vollständig im Einklang mit dem übergeordneten fundamentalen Umfeld.
Für ein aktives Engagement der Bullen im Jahr 2026 gibt es weiterhin zahlreiche Gründe, und der Konflikt im Nahen Osten hat diese nicht wesentlich geschmälert. Strukturell und fundamental haben sich Trumps politische Maßnahmen, die im vergangenen Jahr maßgeblich zum deutlichen Rückgang des Dollars beigetragen haben, nicht geändert. Trotz des restriktiven Tons des FOMC fehlen dem US‑Dollar derzeit bedeutende langfristige Unterstützungsfaktoren.
EUR/USD nähert sich einer Reihe wichtiger Tiefpunkte und Swing-Punkte, an denen Liquidität abgegriffen werden könnte. Ein solcher Schritt könnte als Signal für eine Umkehr des aktuellen bärischen Impulses dienen.
News‑Kalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone
Deutschland – Manufacturing PMI (07:30 UTC)Deutschland – Services PMI (07:30 UTC)Eurozone – Manufacturing PMI (08:00 UTC)Eurozone – Services PMI (08:00 UTC)Vereinigte Staaten – Manufacturing PMI (13:45 UTC)Vereinigte Staaten – Services PMI (13:45 UTC)Der Wirtschaftskalender für den 23. Juni umfasst sechs Veröffentlichungen, wobei den europäischen PMI-Daten besondere Aufmerksamkeit gilt. Die Konjunkturberichte könnten am Dienstag die Marktstimmung im Tagesverlauf maßgeblich beeinflussen.
EUR/USD‑Prognose und Trading‑Empfehlungen
Aus meiner Sicht befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines übergeordneten bullischen Trends. Das fundamentale Umfeld hatte sich vor vier Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben, doch der Trend selbst kann noch nicht als aufgehoben oder abgeschlossen gelten. Daher könnten die Bullen nach einem Liquiditätsabgriff unter klar definierten Tiefpunkten eine neue Aufwärtsbewegung starten, auch wenn das Eingehen von Long-Positionen zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam ist. Zunächst muss der bärische Impuls auslaufen und es müssen bullishe Muster entstehen.
Vorläufig sollten Trader auf neue Formationen warten, vorzugsweise bullishe. In der vergangenen Woche wurde die bärische Imbalance 17 ausgebildet, die als Grundlage für Short-Positionen dienen kann. Zudem sollte die Nähe von vier bedeutenden Swing-Punkten beachtet werden, an denen Liquidität abgegriffen werden könnte und die so den Weg für einen neuen bullischen Impuls ebnen können.