GBP/USD – Smart-Money-Analyse: Wie lange wird der aktuelle Rückgang noch andauern?

Das Währungspaar GBP/USD setzt seine übergeordnete Abwärtsbewegung fort. Am Montag schöpften die Bullen kurz Hoffnung, als das Pfund nach Berichten über den Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer zulegte. Doch auf den Montag folgte schnell der Dienstag, und die Marktrealität kehrte zurück. Diese Realität ist, dass der US‑Dollar sich weiter aufwertet – weitgehend unabhängig von den Rahmenbedingungen.

Die Federal Reserve hat vor einer Woche überraschend einen deutlich falkenhaften Kurs eingeschlagen, aber seitdem ist bereits eine ganze Woche vergangen. Der geopolitische Konflikt im Nahen Osten ist beendet, die Straße von Hormus ist wieder geöffnet und die Ölpreise haben sich fast wieder auf das Vorkrisenniveau eingependelt. Dennoch haben all diese Faktoren keinen erkennbaren Einfluss weder auf die Marktteilnehmer noch auf den Dollar ausgeübt. Die aktuelle Lage wirkt widersprüchlich: Einerseits liegt ein klarer Trend vor, andererseits gibt es keine schlüssige Erklärung dafür, warum dieser Trend besteht.

Gestern wurde ein Verkaufssignal generiert, das allerdings nur zustande kam, weil das Pfund am Montag gestiegen war – gewissermaßen zufällig. Aus meiner Sicht ist die aktuelle bärische Welle eher eine Anomalie als eine fundamental gerechtfertigte Bewegung. Der Markt eröffnet weiterhin Long‑Positionen im Dollar, und niemand kann ihn daran hindern. Es ist jedoch äußerst schwer zu begründen, warum Marktteilnehmer Tag für Tag weiter Short‑Positionen im GBP/USD aufbauen. Dennoch gibt es bislang keine Anzeichen für ein Ende des Vormarschs der Bären, und gestern ist ein weiteres Verkaufssignal entstanden.

In Phasen geopolitischer Unsicherheit schneidet die US‑Währung traditionell besser ab als der Euro oder das Pfund. Daher könnten beide europäischen Währungen noch Unterstützung erhalten, falls sich die Risikobereitschaft weiter verbessert. Derzeit bleibt der Markt in Bezug auf die Vereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten vorsichtig und wartet auf die vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus – was für sich genommen keine leichte Aufgabe ist. Immerhin lässt sich aber sagen, dass der Konflikt offiziell beendet ist oder sich zumindest einer Lösung nähert.

Die Federal Reserve hat eine kräftige Rallye des US‑Dollars ausgelöst, doch mir ist weiterhin unklar, was die Bären antreibt, ihre Angriffe fortzusetzen. Meiner Ansicht nach bleibt der übergeordnete Trend trotz der in diesem Jahr im GBP/USD verzeichneten scharfen Rückgänge, die nicht immer durch überzeugende Fundamentaldaten gestützt waren, bullisch.

Aus technischer Sicht stellt sich das Bild derzeit wie folgt dar: In der vergangenen Woche wurde ein neues bärisches Ungleichgewicht (Nr. 21) ausgebildet. Eine Reaktion auf diese Struktur könnte den Tradern Chancen für die Eröffnung von Short‑Positionen bieten. Im Moment kann das Pfund jedoch nur davon träumen, das Ungleichgewicht 21 zu erreichen. Der Markt reagierte stattdessen auf das näher gelegene Ungleichgewicht 22. Noch einmal sei betont: Eine Bewegung ohne klare fundamentale Grundlage kann jederzeit und unerwartet enden.

Außerdem ist die Nähe zum Swing‑Tief vom 31. März zu beachten, das als Liquiditätsziel dienen könnte. Wird Liquidität unterhalb dieses Tiefs abgegriffen, könnten die Bullen angesichts der Gesamtkonstellation der Faktoren zu einer Gegenoffensive ansetzen. Vorerst bleibt das lokale technische Bild jedoch bärisch.

Am Mittwoch gab es keine nennenswerten Konjunkturdaten, was es schwer macht, den jüngsten Rückgang des Pfunds zu erklären. Es wurden weder wichtige Ereignisse noch Berichte veröffentlicht. Unabhängig davon, wie weit das Pfund fallen mag: Solange die Gründe für die Bewegung unklar bleiben, halte ich an meiner ursprünglichen Einschätzung fest, dass der übergeordnete Aufwärtstrend noch nicht beendet ist.

Im langfristigen fundamentalen Umfeld gehe ich nach wie vor eher von einer Schwäche des US‑Dollars als von anhaltender Stärke aus. Der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat an dieser Einschätzung nichts Grundsätzliches geändert. Gleiches gilt für die Möglichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im Jahr 2026.

Die geopolitischen Spannungen haben den Markt vorübergehend an den Status des Dollars als sicheren Hafen erinnert, doch der Konflikt ist beendet oder bewegt sich zumindest auf eine Lösung zu. Die Absicht der Federal Reserve, die Zinsen im Jahr 2026 anzuheben, ist zweifellos ein positives Argument für den Dollar. Allerdings würde eine straffere Geldpolitik auch die US‑Wirtschaft abbremsen. Zudem wurde Kevin Warsh von Donald Trump nicht mit dem Ziel an die Spitze des FOMC gesetzt, die Zinsen aggressiv anzuheben.

Ich gehe davon aus, dass eine mögliche zukünftige Straffung durch die Federal Reserve, falls sie kommt, nur vorübergehend wäre und in erster Linie darauf abzielt, die Inflation schnell zu senken. Anschließend dürfte die US‑Notenbank zu einem eher akkommodierenden Kurs zurückkehren. Daher sollte jede Aufwertung des Dollars aus meiner Sicht als temporär betrachtet werden. Dennoch dürfen Trader das technische Bild nicht ignorieren, das derzeit auf eine hohe Wahrscheinlichkeit weiterer Rückgänge in den kommenden Wochen hindeutet.

Terminkalender für die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich:

Vereinigte Staaten – Core PCE Price Index (12:30 UTC);Vereinigte Staaten – Auftragseingang langlebiger Güter (12:30 UTC);Vereinigte Staaten – BIP Q1 (12:30 UTC);Vereinigte Staaten – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC).

Der Wirtschaftskalender für den 25. Juni umfasst vier Veröffentlichungen, wobei voraussichtlich nur der BIP‑Bericht größere Aufmerksamkeit am Markt auf sich ziehen dürfte. Die Daten könnten in der zweiten Hälfte der Donnerstagssitzung Einfluss auf die Marktstimmung nehmen, doch der aktuelle Rückgang scheint von anderen Faktoren als den Konjunkturstatistiken getrieben zu sein.

GBP/USD‑Prognose und Trading‑Tipps:

Aus langfristiger Perspektive bleibt der Ausblick für das Pfund bullisch. Die Reaktion auf das bärische Ungleichgewicht 22 hat jedoch eine weitere Verkaufswelle ausgelöst. Infolgedessen wurde in dieser Woche ein neues Verkaufssignal generiert. Da sich GBP/USD auf dem Wochenchart nun seit fast einem Jahr in einer breiten Seitwärtsrange bewegt, lässt sich der aktuelle Rückgang in erster Linie technisch erklären. In einer Range‑Phase können sich Kursbewegungen praktisch in jede Richtung entwickeln.

Derzeit gibt es keine überzeugende Erklärung für die Stärke des Dollars, was darauf hindeutet, dass es sich um eine technische Bewegung innerhalb einer horizontalen Handelsspanne handelt. Das Pfund könnte bis zum Invalidation‑Level des Aufwärtstrends bei 1,3007 fallen. Das Hauptargument zugunsten der Bullen ist die Nähe zum Tief bei 1,3158, das als Liquiditätsziel dienen könnte, bevor eine potenzielle Umkehr einsetzt.