Am Freitag stieg EUR/USD bis zum 100,0%-Fibonacci-Retracement bei 1,1409 und prallte von diesem Niveau nach unten ab. In der Folge begann das Paar, sich in Richtung des 127,2%-Fibonacci-Retracements bei 1,1290 zurückzuziehen. Ein Ausbruch und eine anschließende Stabilisierung oberhalb von 1,1409 würden den Euro begünstigen und auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung in Richtung des nächsten Fibonacci-Retracements bei 76,4% bei 1,1514 hindeuten. Allerdings wirken die Bären derzeit äußerst schwach. Eine kräftige Rally des Euro bleibt zwar unwahrscheinlich, dennoch würde ich bullische Handelssignale nicht ignorieren.
Die Wellenstruktur im Stundenchart bleibt bärisch. Die zuletzt abgeschlossene Abwärtswelle hat das vorherige Tief unterschritten, während die jüngste Aufwärtswelle nicht in der Lage war, das vorherige Hoch zu überwinden. Die geopolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert, dennoch hat die Federal Reserve eine weitere bärische Verkaufswelle ausgelöst, die sich noch nicht vollständig entfaltet hat. Für eine ausgewachsene bärische Fortsetzung wären zusätzliche Katalysatoren erforderlich, die ich derzeit nicht erkenne. Dennoch leisten die Bullen nur sehr geringen Widerstand.
Der Konjunkturkalender am Freitag war nahezu leer; die einzige nennenswerte Veröffentlichung war der University of Michigan Consumer Sentiment Index in den Vereinigten Staaten. Der Indikator fiel schwächer aus als erwartet, was dem Euro ermöglichte, den US‑Dollar über weite Teile der Sitzung zu übertreffen. Dennoch gelang es der Gemeinschaftswährung nicht, nennenswerte Kursgewinne zu verzeichnen.
Am Montag steht als einziges wichtiges Ereignis eine Rede der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, auf dem Programm. In den vergangenen Wochen haben Vertreter der EZB widersprüchliche Signale gesendet. Einige Notenbanker haben sich für eine weitere Straffung der Geldpolitik ausgesprochen und argumentiert, der Konflikt im Nahen Osten habe der europäischen Wirtschaft dauerhaften Schaden zugefügt. Andere sehen keinen Grund zur Eile und verweisen auf die Deeskalation des Konflikts, den Rückgang der Ölpreise auf das Vorkrisenniveau sowie auf die Möglichkeit, dass die Inflation in den kommenden Monaten nachlassen könnte. Lagarde selbst hat bislang eine neutrale Haltung eingenommen und sich davor gehütet, einen weiteren Zinsschritt in Aussicht zu stellen. Sollte die EZB‑Präsidentin daher im Juli auf eine zusätzliche Straffung der Geldpolitik hindeuten, könnten die Bullen frischen Rückenwind erhalten. Zugegebenermaßen hat der Markt den Straffungsmaßnahmen der EZB im Juni nur wenig Beachtung geschenkt. Dennoch könnten Lagardes Äußerungen dem Euro weiterhin Unterstützung bieten.
Im 4-Stunden-Chart hat sich das Währungspaar unterhalb des 100,0%-Fibonacci-Retracements bei 1,1411 gefestigt, was es den Tradern ermöglicht, mit einer Fortsetzung des Rückgangs des Euro zu rechnen. Gleichzeitig hat der CCI-Indikator eine bullische Divergenz ausgebildet, während der RSI überkaufte Bedingungen signalisiert. Beides zusammen hat den Vormarsch der Bären vorübergehend gestoppt. Eine Stabilisierung oberhalb der Marke von 1,1411 würde das Szenario einer ausgeprägteren Erholung des Euro und einer Rückkehr in den abwärts gerichteten Trendkanal untermauern.
Commitments of Traders (COT) ReportIn der jüngsten Berichtswoche eröffneten professionelle Händler 19.327 Long-Positionen und 23.522 Short-Positionen. In den sieben Wochen von Februar bis März ist der zuvor deutliche Vorteil der Bullen aufgrund des Konflikts mit Iran verschwunden. In den vergangenen dreizehn Wochen hat sich die Lage jedoch mit der Aussetzung der Kampfhandlungen im Nahen Osten allmählich stabilisiert, sodass die Bullen wieder die Oberhand gewinnen konnten. Spekulative Marktteilnehmer halten derzeit rund 247.000 Long-Positionen gegenüber 217.000 Short-Positionen.
Insgesamt bevorzugen die wichtigsten Marktteilnehmer den Euro aus langfristiger Perspektive weiterhin. Selbstverständlich beeinflussen die zahlreichen geopolitischen und makroökonomischen Ereignisse der letzten Jahre die Stimmung der Anleger weiterhin. Aktuell richtet sich die Aufmerksamkeit des Marktes nach wie vor auf den Nahen Osten, wo der Konflikt derzeit ausgesetzt ist und ernsthafte Verhandlungen stattfinden, die letztlich zu einem dauerhaften Friedensabkommen führen könnten. Der Markt ignoriert jedoch weiterhin sowohl die Verbesserung des geopolitischen Umfelds als auch viele andere Faktoren, die den Euro unterstützen.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die EurozoneEurozone:
Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (17:30 UTC).Der Wirtschaftskalender für den 29. Juni enthält nur ein angekündigtes Ereignis. Daher dürfte der makroökonomische Hintergrund am Montag nur einen begrenzten Einfluss auf die Marktstimmung haben, hauptsächlich während der Abendsitzung.
EUR/USD Prognose und Trading-TippsKaufen: Long-Positionen können in Erwägung gezogen werden, nachdem auf dem Stundenchart ein bestätigter Schlusskurs oberhalb der Marke von 1,1409 verzeichnet wurde, mit einem Kursziel bei 1,1514.
Verkaufen: Neue Short-Positionen können in Erwägung gezogen werden, nachdem der Kurs auf dem Stundenchart von der Marke von 1,1409 nach unten abgeprallt ist, mit einem Ziel bei 1,1290.
Die Fibonacci-Gitter werden auf dem Stundenchart von 1,1409 bis 1,1850 und auf dem 4-Stunden-Chart von 1,1411 bis 1,1850 gezogen.