Gold übernimmt die Führung – Zentralbanken wenden sich der Entdollarisierung zu

OMFIF hat einen historischen Wendepunkt festgestellt: Erstmals in der Geschichte der Umfragen der Organisation plant die Mehrheit der Zentralbanken weltweit, den Anteil des Dollars an ihren Reserven in den kommenden zehn Jahren zu verringern, anstatt ihn zu erhöhen. Zu diesem Schluss kamen Analysten nach einer Befragung von 90 Zentralbanken, Staatsfonds und Pensionskassen mit einem Gesamtvermögen von rund 10 Billionen US‑Dollar.

Der Hauptnutznießer dieser Entdollarisierung ist Gold. 30 % der Befragten planen, ihre Investitionen in Edelmetalle in den nächsten ein bis zwei Jahren zu erhöhen – der höchste Wert unter allen Anlageklassen, wie aus dem Bericht von OMFIF hervorgeht.

Zentralbanken nennen physisch besicherte ETFs, in erster Linie SPDR Gold Shares, als direktes Instrument zur Aufstockung ihrer Goldbestände. Fachleute betonen, dass gerade über solche Fonds die institutionelle Nachfrage in Börsenliquidität umgewandelt wird, die einem breiten Spektrum von Anlegern zugänglich ist.

OMFIF verweist zudem auf einen Wandel in der Wahrnehmung des globalen Währungssystems: 79 % der befragten Zentralbanken und 60 % der Staatsfonds sind der Ansicht, dass sich das System auf eine „multipolare“ Struktur zubewegt, berichtet Reuters unter Berufung auf die Studie. Zu den Währungen, die ihren Anteil an den Reserven allmählich erhöhen, gehören die norwegische Krone, der neuseeländische Dollar und das britische Pfund.

„Die bisherige Annahme, dass staatliche Investoren auf eine Normalisierung der Lage warten könnten, erscheint zunehmend unrealistisch“, sagt Yara Aziz, Senior Economist bei OMFIF. Ihrer Ansicht nach haben geopolitische Turbulenzen und Handelskriege eine strukturelle Neubewertung der Reservepolitik beschleunigt.

China sieht bereits Ergebnisse seiner Strategie: Die Goldreserven des Landes haben 340 Milliarden US-Dollar überschritten, und ihr Anteil an den Devisenreserven hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt. Dieser Trend steht im Einklang mit der globalen Entwicklung: Zentralbanken weltweit haben in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich 1.000 Tonnen Gold pro Jahr gekauft – doppelt so viel wie im Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts.

Diese Verschiebung in der Reservepolitik könnte den Druck auf die Rolle des Dollars im internationalen Finanzsystem erhöhen und die Nachfrage nach Gold und alternativen Währungen auf den globalen Märkten weiter ankurbeln.