Am Mittwoch verzeichnet der Edelmetallmarkt einen Aufwärtstrend bei Silber (XAG/USD), wobei die Notierungen auf das runde Niveau von 61,00 US‑Dollar steigen. Der Haupttreiber für den Anstieg des weißen Metalls ist die Schwächung des US‑Dollars, ausgelöst durch eher durchwachsene makroökonomische Daten und Kommentare des Federal-Reserve-Vertreters Kevin Warsh.
In seiner Rede auf dem Gipfel der Europäischen Zentralbank in Sintra skizzierte Kevin Warsh die Position der Fed: Sie verzichtet auf eine Forward Guidance und wird direkt zu ausgewogeneren, datenabhängigen Entscheidungen in der Geldpolitik übergehen. Ein weiterer Faktor, der Druck auf den Dollar ausübt und die Edelmetalle stützt, ist der vom Fed-Vertreter erwähnte Rückgang der Inflationsrisiken.
Auf der Makrodaten-Seite zeigte der ADP-Beschäftigungsbericht für den privaten Sektor, dass im Juni 98.000 neue Stellen geschaffen wurden – weniger als die Markterwartung von 113.000 und unter dem Wert von 122.000 im Mai. In der Folge ging der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Juni auf 53,3 zurück, nach 54 im Vormonat, und blieb damit hinter den Prognosen der Analysten zurück.
Um bessere Handelschancen zu erhalten, wartet der Markt nun auf die Veröffentlichung des Non-Farm-Payrolls-Berichts (NFP) am Donnerstag. Von diesem Indikator werden entscheidende Signale für den künftigen Kurs der Geldpolitik der Fed erwartet.
Trotz der aktuellen Rallye bleiben die Zinserwartungen ein entscheidender Faktor für die Dynamik am Edelmetallmarkt. Anleger preisen weiterhin eine Straffung der Geldpolitik ein, einschließlich der Möglichkeit von Zinserhöhungen in diesem Jahr. Ein Anstieg der Kreditkosten erhöht traditionell die Opportunitätskosten der Haltung nicht verzinslicher Anlagen wie Silber, was dessen mittelfristiges Wachstum begrenzen kann.
Auf geopolitischer Ebene gibt es keine nennenswerten Fortschritte bei der Erzielung einer endgültigen Friedenslösung zwischen den USA und Iran. Trotz der Anwesenheit von Vertretern beider Länder in Doha sind derzeit keine direkten Verhandlungen geplant, was die stabile Nachfrage nach Edelmetallen als klassischen sicheren Hafen stützt.
Aus technischer Sicht traf Silber im Zuge der Erholung auf Widerstand am runden Niveau von 61,00 US‑Dollar, wo sich auch die 9‑Tage‑EMA befindet. Die Oszillatoren sind negativ, und der Relative-Stärke-Index hat die überverkaufte Zone verlassen, was auf zunehmenden Verkaufsdruck hindeutet. Damit die Bullen eine erste Chance auf einen erneuten Aufwärtsimpuls erhalten, muss der Kurs die 20‑Tage‑SMA überwinden. Gelingt es Silber nicht, das Niveau von 55,40 US‑Dollar zu verteidigen, droht ein deutlicherer Rückgang.