Der Dollar gab nach der ersten ausführlichen Rede des neuen Vorsitzenden der Federal Reserve, Kevin Warsh, nach. Obwohl die Zentralbank durch ihn einen deutlich restriktiven Ton anschlug, deutete er zugleich an, dass er die übliche Art der Kommunikation mit den Märkten grundlegend verändern wolle. Warsh erklärte, die Fed werde einen „neuen Kurs einschlagen“, um besser fundierte Entscheidungen treffen zu können, und dass er die ersten vier Wochen seinem Schwerpunkt, der Geldpolitik, gewidmet habe. Die zentrale Botschaft der Rede war, dass der Kampf um die Preisstabilität weiterhin etwas ist, was die Zentralbank erst noch sicherstellen muss.
Die Haltung zur Inflation war entschlossen. Warsh stellte unmissverständlich fest, dass der Preisanstieg klar über dem Zielniveau liegt und dass die Preise „weiterhin zu hoch“ sind. „Wer geglaubt hat, wir würden uns mit einer Inflation von über 2 Prozent zufriedengeben, wird enttäuscht sein“, betonte er und ließ damit keinen Raum für eine dovishe Interpretation. Er wies jedoch auch auf einige ermutigende Signale hin: Die Inflationserwartungen sind in den ersten vier Wochen gesunken, und die Risiken einer beschleunigten Preissteigerung haben abgenommen, was zusätzlichen Druck auf den US‑Dollar gegenüber Risikoanlagen ausgeübt hat. Seinen Worten zufolge müssen die Taktik und Strategie zur Bekämpfung der Inflation noch ausgearbeitet werden; das Wichtigste, was die Fed tun könne, sei, ihre Geldpolitik richtig zu strukturieren.
Warsh hob außerdem hervor, dass mit früheren Kommunikationspraktiken gebrochen werde. Er bezeichnete Forward Guidance unter den aktuellen Bedingungen als unangemessene Politik und fügte hinzu, dass die Fed dem Markt keine direkten Signale oder Empfehlungen mehr geben werde. Er merkte an, dass die berühmten „Dots“, also die Zinsprognosen der Fed‑Mitglieder, nur noch für kurze Zeit fortgeführt würden. „Wenn veraltete Arbeitsmodelle die Umsetzung einer angemessenen Politik behindern, müssen wir sie abschaffen“, erklärte Warsh und deutete damit an, dass sich der Markt die Gewohnheit abtrainieren muss, die Absichten der Zentralbank anhand veröffentlichter Referenzwerte zu lesen.
Ebenso aufschlussreich war seine Haltung zur Bilanz der Fed. Warsh machte keinen Hehl daraus, dass er sie gern kleiner sähe, und betonte, dass sich seine Meinung in den ersten vier Wochen nicht geändert habe. Er erklärte, jede Änderung der Politik in Bezug auf die Bilanz werde sorgfältig abgewogen und transparent kommuniziert, und dass diese Politik in einem sehr engen Verhältnis zur Fiskalpolitik stehe. Er möchte den Leitzins als wichtigstes Instrument der Fed beibehalten, bleibt jedoch offen für unterschiedliche Auffassungen über den Umfang der Bilanz.
Warsh beschrieb den Arbeitsmarkt als stabil und die Angebotsseite als widerstandsfähig und formulierte den Auftrag der Fed so, dass sowohl Beschäftigung als auch Preisstabilität sichergestellt werden müssen. Er erinnerte daran, dass die Unabhängigkeit der Fed unverändert sei, und kündigte für die kommende Woche Neuigkeiten zu den Leitern von Arbeitsgruppen an, in die er führende Fachleute aus dem In‑ und Ausland einbinden will.
Für den Dollar stellt Warshs Rede ein Problem dar: Eine weniger straffe Rhetorik zur Inflation und der Verzicht auf ein vorab festgelegtes Lockerungspfad nehmen dem Markt die Argumente, weiter auf eine USD‑Stärkung zu setzen. Zugleich macht der Verzicht auf Forward Guidance künftige Entscheidungen weniger vorhersehbar, sodass die Marktreaktionen auf diese Beschlüsse ausgeprägter ausfallen könnten.