Gold legte kräftig zu, nachdem enttäuschende US-Daten zu den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) die Befürchtungen einer Fed-Zinserhöhung in diesem Jahr verringert hatten. Das Edelmetall schoss im Tagesverlauf um 2,8 % nach oben und setzte damit eine zweitägige Erholung von einem fast siebenmonatigen Tief fort. Bis zum Handelsschluss in New York stieg der Spotpreis für Gold um 2,1 % auf 4.113 US-Dollar je Unze. Die Rally ist geldpolitisch begründet: Die deutliche Abkühlung am Arbeitsmarkt verändert die Markterwartungen an den weiteren Zinsverlauf grundlegend – und genau darauf reagiert Gold besonders sensibel.
Die Gegenbewegung ist naheliegend und folgt der üblichen Logik des Goldmarkts. Ein schwächerer Arbeitsmarkt verringert den Druck auf Fed-Chef Kevin Warsh, die Zinsen auf der Juli-Sitzung anzuheben. Die Nonfarm Payrolls für Juni verfehlten fast alle Prognosen und schwächten damit das falkenhafte Szenario deutlich ab. Da hohe Zinsen der wichtigste Gegenwind für ein nicht verzinsliches Metall sind, stellt jede Abschwächung der Straffungserwartungen die Attraktivität von Gold automatisch wieder her. Genau das ist geschehen.
Die weitere Entwicklung des Metalls hängt davon ab, ob die kommenden Konjunkturdaten weiterhin Argumente für niedrigere Zinsen liefern. Mit anderen Worten: Für eine nachhaltige Rally braucht Gold zusätzliche Bestätigung dafür, dass sich die Wirtschaft abkühlt und die Fed auf Lockerungskurs geht.
Auch die Rhetorik von Warsh verdient Beachtung und hat zur Vorbereitung der Rally beigetragen. Obwohl der neue Vorsitzende sich weigert, direkte Signale zur Geldpolitik zu geben, wurden seine Äußerungen beim EZB-Forum in Sintra am Mittwoch – wonach die Inflationsrisiken zurückgegangen seien – als weniger falkenhaft als erwartet interpretiert. Dieser Tonwechsel, kombiniert mit dem schwachen Arbeitsmarktbericht, schuf ideale Voraussetzungen für die Erholung des Goldpreises.
In der heutigen asiatischen Sitzung erreichte Gold 4.190 $. Silber stieg um 2,5 % auf 60,63 $, während auch Platin und Palladium zulegten.
Auf technischer Ebene müssen Käufer den kurzfristigen Widerstand bei 4.186 USD überwinden, um das Ziel bei 4.249 USD anzuvisieren; ein Ausbruch über dieses Niveau hinaus dürfte jedoch schwierig werden. Das weiter entfernte Ziel liegt im Bereich von 4.304 USD. Bei einer Abwärtsbewegung werden die Bären versuchen, die Kontrolle bei 4.124 USD zu übernehmen; gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne den Bullen einen schweren Schlag versetzen und den Goldpreis in Richtung des Tiefs bei 4.062 USD mit der Aussicht auf einen Rückgang bis 4.008 USD drücken.