WTI (West Texas Intermediate), die US-Benchmark-Ölsorte, setzte ihren Anstieg heute fort, durchbrach die 200-Tage-SMA und notiert über 73,37 US‑Dollar. Die Marktteilnehmer mit bullisher Erwartungshaltung rechnen mit einem nachhaltigen Ausbruch über diesen technisch wichtigen 200‑Tage‑Simple‑Moving‑Average (SMA) vor dem Hintergrund der wieder aufgeflammten Spannungen zwischen den USA und Iran.
Am Dienstag starteten US-Streitkräfte eine neue Serie von Vergeltungsschlägen gegen den Iran, nachdem Berichte über Angriffe auf drei Öltanker in der Straße von Hormus aufgekommen waren und damit einen ohnehin fragilen Waffenstillstand gefährdeten. Zudem kündigten die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) Angriffe auf 85 US-Militärstandorte in Bahrain und Kuwait als Reaktion auf das, was sie als US-Verstoß gegen den Waffenstillstand bezeichneten, an und erklärten, sie hätten im Süden des Landes eine US‑Drohne vom Typ MQ‑9 abgeschossen. Diese Ereignisse erhöhen das Risiko einer weiteren Eskalation in der Region deutlich, zwingen Händler dazu, geopolitische Risiken einzupreisen, und stützen damit die Ölpreise.
Gleichzeitig hoben die Vereinigten Staaten eine Genehmigung auf, die es dem Iran erlaubt hatte, Öl auf den Weltmärkten zu exportieren. Die sich verschärfende Konfrontation zwischen den USA und Iran schürt zudem die Furcht vor möglichen Angebotsunterbrechungen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus, was die Ölnotierungen zusätzlich unterstützt. Das Aufwärtspotenzial der Preise wird jedoch durch die Entscheidung von OPEC+, die Förderung ab August zu erhöhen, begrenzt. Zusätzlich übt die Entscheidung Saudi-Arabiens, die offiziellen Verkaufspreise für Lieferungen nach Asien im August um 11 US‑Dollar pro Barrel zu senken, weiteren Abwärtsdruck auf die Preise aus und bremst die Aufwärtsdynamik an den Ölmärkten.
Die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer richtet sich nun auf die in Kürze anstehende Veröffentlichung des Protokolls der FOMC-Sitzung im Juni (Federal Open Market Committee der US‑Notenbank Federal Reserve). Diese Protokolle könnten die Nachfrage nach dem US‑Dollar und damit auch die Preisentwicklung von in US‑Dollar gehandelten Rohstoffen deutlich beeinflussen. Zugleich könnten weitere Entwicklungen in der Krise im Nahen Osten die erhöhte Volatilität am Ölmarkt aufrechterhalten.
Aus technischer Sicht durchbricht Öl derzeit die Konvergenz der 200‑ und 20‑Tage‑SMAs, was auf eine bullishe Marktstimmung hindeutet. Ein entschlossener Impuls oberhalb dieser Konvergenz würde den Bullen helfen, höhere Kursziele zu erreichen. Vorerst sind die Oszillatoren jedoch negativ, sodass die Bären weiterhin im Vorteil bleiben.