Gold kehrt trotz zunehmender geopolitischer Spannungen zum Wachstum zurück

Gold ist heute auf 4.100 US-Dollar je Unze gestiegen. Das Paradoxe an der aktuellen Situation ist, dass dieser Anstieg vor dem Hintergrund einer starken Eskalation im Nahen Osten erfolgt, während das Metall auf solche Entwicklungen zuvor mit Kursrückgängen reagiert hatte.

Der zweite Tag der amerikanischen Angriffe auf den Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Inflationssorgen verschärft, ohne jedoch Druck auf Gold auszuüben. Das Ausmaß der Lage ist beeindruckend. Die Angriffe, die nach Angaben des US Central Command darauf abzielten, Irans Fähigkeit zur Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu schwächen, begannen nur wenige Stunden, nachdem Präsident Trump erklärt hatte, dass der Waffenstillstand aus seiner Sicht beendet sei. Teheran drohte mit einer großangelegten Vergeltungsoperation gegen amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten. Vor diesem Hintergrund schnellten die Ölpreise in die Höhe, und Washington hob endgültig die Ausnahmegenehmigung auf, die es dem Iran erlaubt hatte, weltweit Öl zu verkaufen.

Der Druck auf Gold könnte jedoch jederzeit zurückkehren. Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, verstärken Eskalationen der Kampfhandlungen die Befürchtungen der Trader, dass die Federal Reserve die Zinsen zur Bekämpfung der hartnäckigen Inflation länger hoch halten muss. Das Protokoll der Fed-Sitzung im Juni, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, hat diese Sorgen nur noch verstärkt. Einige Ausschussmitglieder sahen damals Argumente für eine Zinserhöhung, auch wenn sie letztlich die Entscheidung unterstützten, den Satz unverändert zu lassen. Im weiteren Sinne spiegelte das Protokoll die wachsende Besorgnis der Fed über die Inflation wider, während sich gleichzeitig die Ängste hinsichtlich des Arbeitsmarktes abschwächten. Höhere Kreditkosten sind traditionell ein Hindernis für Gold, das keine Zinsen abwirft, und dieser Faktor überwiegt derzeit die geopolitische Lage.

Die Marktstimmung bleibt auffallend vorsichtig statt panisch. Der Markt hat den Alarm aus dem Nahen Osten vernommen, nimmt ihn aber noch nicht als voll ausgereifte Krise wahr. Das ist eine wichtige Beobachtung. Tradern ist die Ernsthaftigkeit der Situation ganz offensichtlich bewusst, doch sie sind noch nicht bereit, darauf zu setzen, dass die aktuelle Eskalation mehr wird als eine weitere Episode im langwierigen Zyklus aus Krieg und Verhandlungen.

Betrachtet man die aktuelle charttechnische Situation bei Gold, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.124 $ überwinden. Dadurch würde sich ein Ziel bei 4.186 $ eröffnen, dessen Überwinden sich jedoch als recht schwierig erweisen dürfte. Das weiter entfernte Kursziel liegt bei 4.249 $. Sollte der Goldpreis fallen, werden die Verkäufer versuchen, die Kontrolle über die Marke von 4.062 $ zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Long-Positionen deutlich unter Druck setzen und Gold in Richtung des Tiefs bei 4.008 $ mit Potenzial bis 3.954 $ drücken.