Der Markt reagierte auf die Nachricht, dass der US‑Präsident die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt hatte, und Wall Street beeilte sich, eine erneute Eskalation einzupreisen.
Die Panik am Morgen kostete den S&P 500 rund 1,1 %. Bis zum Handelsschluss hatte der Index den Großteil dieser Bewegung wieder aufgeholt, das Minus auf 0,3 % reduziert und testete damit den 50‑Tage‑Durchschnitt. Der Nasdaq 100 schloss im Plus. Rohstoffwerte, Konsumtitel und Finanztitel – die Sektoren, die am empfindlichsten auf Energiepreise und Finanzierungskosten reagieren – entwickelten sich unterdurchschnittlich.
Dynamik der US‑Aktienindizes
Der Ölpreis reagierte auf Trumps Kommentare mit dem größten Tagesanstieg seit Mai. Die Befürchtung, dass der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus auf ein Rinnsal zurückgehen könnte, löste einen breiten Ausverkauf bei Aktien und Anleihen aus. Dennoch rät Citigroup Global Markets von Panik ab: Das Institut wertet die Episode als kurzfristige Gegenbewegung und verweist darauf, dass der Präsident weiterhin auf ein diplomatisches Ergebnis hinzuarbeiten scheint. Der Handel mit TACO („Trump Always Chickens Out“) wirkt wieder en vogue.
Die wechselseitigen Washington–Teheran-Konfrontationen haben fragile diplomatische Bemühungen schon früher unterbrochen, aber Anleger konnten derartige Störgeräusche bislang oft am Wochenende verdauen, wenn die Märkte geschlossen waren. Diesmal preist Wall Street die Risiken in Echtzeit ein. Die Frage ist, ob Trumps markige Aussagen zum Vorspiel eines brüchigen Deals oder einer neuen Eskalationsrunde werden.
Die Unsicherheit kommt zur Unzeit. Futures preisen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 % mindestens einen weiteren Fed-Zinsschritt vor Jahresende ein, und die Protokolle der FOMC-Sitzung im Juni signalisierten, dass die Inflation „hoch bleibt und weiter steigt“ – getrieben durch Öl, Zölle und den Investitionsboom im Bereich AI.
Tech-Capex-Dynamik
Unterdessen haben Google, Microsoft, Amazon und Meta ihre Investitionsausgaben im Juni-Quartal im Jahresvergleich um 74 % auf 168 Mrd. US-Dollar erhöht, und der Konsens für den Gewinn je Aktie (EPS) im S&P 500 für das zweite Quartal ist um 22 % gestiegen. Goldman Sachs warnt jedoch, dass die Erwartungen so hoch sind, dass selbst starke Ergebnisse möglicherweise nicht ausreichen, um eine neue Aufwärtsbewegung zu tragen.
Nvidia, das in weniger als zwei Monaten rund 1 Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung verloren hat, wird nun auf Basis des erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (Forward P/E) günstiger gehandelt als der S&P 500 und der Nasdaq 100 – etwas, das es seit Anfang 2019 nicht mehr gegeben hat. Der einstige Marktliebling wird mit etwa dem 18-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet, verglichen mit mehr als dem 20-Fachen für den breiten Index.
Ist der Ausverkauf eine Kaufgelegenheit im Rücksetzer? Edwards Asset Management sagt ja: Jede Schwäche in den kommenden Wochen ist eine Einstiegschance, kein Anlass zur Flucht.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass sich ein Pin-Bar mit langem unteren Docht gebildet hat, was auf eine Erschöpfung der Bären hindeutet. Eine Rückkehr zum Pin-Bar-Hoch bei 7.492 und ein anschließender Ausbruch über den Fair Value bei 7.505 wären Kaufsignale.