Der kürzlich veröffentlichte Bericht zum Wachstum des US‑Verbraucherpreisindex (CPI) hat dem Greenback nicht in die Karten gespielt. Alle Bestandteile der Veröffentlichung lagen im roten Bereich und spiegeln eine Abschwächung der Inflation wider. Dies hat dem Dollar einen erheblichen Schlag versetzt: Er geriet unter Druck und konnte den geopolitischen Faktor trotz einer weiteren Eskalationsrunde im Nahen Osten nicht für sich nutzen. Insbesondere das Währungspaar EUR/USD legte um nahezu 100 Pips zu (vom Tagestief aus betrachtet) und testete den Widerstandsbereich bei 1,1460, der der oberen Linie der Bollinger Bänder im H4‑Zeitfenster entspricht. Auch andere Währungspaare haben ihre Konstellationen entsprechend verändert und damit die allgemeine Schwäche des Greenback widergespiegelt.
Meiner Ansicht nach ist eine derartige Marktreaktion angesichts der Dynamik der Schlüsselindikatoren und der wichtigsten Komponenten der Veröffentlichung durchaus gerechtfertigt.
Der gesamte Verbraucherpreisindex (Consumer Price Index, CPI) sank im Juni auf -0,4 % gegenüber dem Vormonat, während ein Rückgang auf lediglich -0,1 % prognostiziert worden war. Damit ist dieser Indikator erstmals seit April des vergangenen Jahres in den negativen Bereich gerutscht und hat zugleich ein Sechsjahrestief markiert. Auf Jahressicht hat sich die Gesamtteuerung ebenfalls deutlich von 4,2 % (dem höchsten Stand seit drei Jahren) auf 3,5 % verlangsamt. Die meisten Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 3,8 % gerechnet.
Auch die Kerninflation hat nachgelassen, obwohl die überwiegende Mehrheit der Experten davon ausging, dass sich die Kernrate im Juni auf dem Mai-Niveau halten würde. Auf Monatsbasis lag der Kernwert bei null (0,0 %), während der Markt mit einem Anstieg auf 0,2 % gerechnet hatte. Im Jahresvergleich verlangsamte sich der Kern-CPI auf 2,6 % nach 2,9 % im Mai. Erwartet worden waren 2,8 %.
Die Zusammensetzung der Gesamtinflation zeigt, dass Energiefaktoren eine wesentliche Rolle bei dem Rückgang gespielt haben. Der Energieindex fiel im Juni um 5,7 % (nach kräftigen Anstiegen in den Vormonaten), und der Rückgang der Benzinpreise war einer der Haupttreiber für die Abnahme des gesamten CPI.
Vor dem Hintergrund des Ölpreisrückgangs im Juni war eine solche Entwicklung absehbar. Für die Märkte erwies sich daher die Kerninflation als deutlich wichtiger, zumal sie stärker als erwartet nachließ.
Erstens deutet dies darauf hin, dass der Inflationsschub im Frühjahr eher ein vorübergehendes Phänomen gewesen sein könnte und nicht der Beginn eines neuen, anhaltenden Inflationsimpulses. Noch vor Kurzem sorgten sich viele Marktteilnehmer und einige Vertreter der Federal Reserve darüber, dass steigende Produktionskosten nach und nach an die Verbraucher weitergegeben werden könnten und so eine zweite Welle von Preisanstiegen auslösen würden. Die Juni-Daten liefern jedoch keine Hinweise darauf, dass sich ein solches Szenario derzeit herausbildet.
Zweitens – und das ist besonders wichtig – erfolgte die Verlangsamung der Kerninflation in Komponenten, die für die Fed von zentraler Bedeutung sind. Das moderate Preiswachstum im Dienstleistungssektor (traditionell das widerstandsfähigste Segment der Inflation) und das Ausbleiben einer Beschleunigung des binnenwirtschaftlichen Preisdrucks deuten darauf hin, dass der grundlegende Inflationstrend weiterhin auf das Zielniveau der Fed zuläuft.
Außerdem sei ein bereits erwähnter Punkt noch einmal hervorgehoben: Der Kern-CPI ist im Juni im Jahresvergleich nicht aufgrund eines hohen Basiseffekts vom Vorjahr gesunken, sondern weil es auf Monatsbasis überhaupt keinen Preisauftrieb gab. Monatlich betrachtet zeigt der Kernindex nun bereits den zweiten Monat in Folge eine rückläufige Dynamik (April: 0,4 %, Mai: 0,2 %, Juni: 0,0 %). Dies ist ein wichtiges Signal für die Fed, da diese kontinuierliche monatliche Entwicklung Aufschluss darüber gibt, ob eine Inflationsinertia noch fortbesteht.
Von einem endgültigen Sieg über die Inflation zu sprechen, wäre selbstverständlich verfrüht. Mit 3,5 % liegt der jährliche (gesamtwirtschaftliche) CPI weiterhin deutlich über dem Zielwert von 2 %, und die geopolitische Lage bleibt ein erhebliches Risiko – insbesondere angesichts der neuen Eskalationsrunde im Nahen Osten. Eine neue Welle steigender Ölpreise kann über höhere Transport- und Energiekosten Druck auf den Gesamtindex ausüben.
Dennoch hat der Juni-Bericht ein gewichtiges Argument für eine Abschwächung der Rhetorik der Fed in Bezug auf ihre weiteren möglichen Schritte geliefert. So ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Juli-Sitzung auf 12 % gesunken (laut Daten des CME FedWatch-Tools), nach zuvor 30–35 % vor der Veröffentlichung.
Aufschlussreich war auch die Reaktion des Dollars auf die Daten, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse. Die wieder aufgeflammte Risikoaversion aufgrund der Lage im Nahen Osten konnte dem Greenback keine umfassende Unterstützung verschaffen, während der Inflationsbericht erheblichen Druck auf den DXY ausübte (der Dollarindex fiel nach einem Anstieg auf 101,14 deutlich auf 100,30 zurück). Dies zeigt, dass derzeit „klassische“ fundamentale Treiber – allen voran die Erwartungen hinsichtlich der weiteren Schritte der Fed – einen stärkeren Einfluss auf den Devisenmarkt ausüben.
Für das Währungspaar EUR/USD hängt die kurzfristige Perspektive davon ab, ob es den Käufern gelingt, nach der ersten Reaktion auf die CPI-Daten weiteren Aufwärtsmomentum aufzubauen. In diesem Zusammenhang sollten Trader die Kursentwicklung in der Nähe der Widerstandsmarke von 1,1460 (obere Linie der Bollinger-Bänder im H4-Zeitrahmen) genau beobachten. Eine Stabilisierung oberhalb dieses Niveaus würde den Weg für einen weiteren Anstieg in Richtung der 1,15 eröffnen, konkret zur nächsten Kursbarriere bei 1,1550 (mittlere Linie der Bollinger-Bänder im W1-Zeitrahmen). Scheitern die EUR/USD-Käufer am Widerstandsbereich um 1,1460, würde dies auf eine Fortsetzung der Konsolidierungsphase mit einem anschließenden möglichen Rücklauf in die Preisspanne 1,1380–1,1410 hindeuten.