Gold (XAU/USD) zog in der ersten Hälfte der europäischen Sitzung am Mittwoch Verkäufer an, nachdem es am Vortag nicht gelungen war, sich oberhalb der Marke von 4.100 USD zu behaupten. Dennoch verteidigen die Bullen weiterhin ihre Positionen. Trotz schwächer als erwarteter US-Verbraucherpreisindex-(CPI)-Daten bleiben die Marktteilnehmer auf Inflationsrisiken im Zusammenhang mit steigenden Energiepreisen fokussiert. Die eskalierenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sowie die Schließung der Straße von Hormus stützen weiterhin die Ölpreise.
Zusätzlichen Druck üben die Kommentare des Vorsitzenden der Federal Reserve, Kevin Warsh, aus, der bei seiner ersten Anhörung vor dem Kongress das Bekenntnis der Fed zur Wahrung der Preisstabilität bekräftigte. Dies lässt die Möglichkeit von mindestens einer Zinserhöhung vor Jahresende bestehen, was sich negativ auf Gold auswirkt. Gleichzeitig hat der schwächere US-Dollar dem Edelmetall ermöglicht, sich über der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 USD zu halten.
Nach Angaben des US Bureau of Labor Statistics fiel der Gesamt-CPI im Juni um 0,4 % und verzeichnete damit den stärksten monatlichen Rückgang seit April 2020; zugleich lag er deutlich unter den Erwartungen eines Rückgangs um 0,1 %. Der Kern-CPI, der Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, blieb unverändert, während ein Anstieg um 0,3 % prognostiziert worden war. Auf Jahresbasis verlangsamten sich die Gesamt- und Kerninflation auf 3,5 % bzw. 2,6 % und blieben damit jeweils unter den Konsensschätzungen. Diese Zahlen veranlassten die Märkte, ihre Erwartungen hinsichtlich einer weiteren Straffung der Fed-Geldpolitik zu überdenken, was den US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit fast vier Wochen drückte.
Heute sollten Händler die Veröffentlichung des US-Erzeugerpreisindex (PPI) sowie den zweiten Tag der Anhörung von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh vor dem Kongress genau verfolgen, da beide Ereignisse die nächste Bewegungsrichtung des US-Dollars maßgeblich beeinflussen könnten. Gleichzeitig dürften die Entwicklungen im Nahen Osten eine zentrale Quelle erhöhter Volatilität bleiben und kurzfristige Handelschancen am Edelmetallmarkt eröffnen.
Aus technischer Sicht bleibt XAU/USD in einem fallenden parallelen Kanal gefangen und notiert weiterhin deutlich unter dem 200-Tage-Simple-Moving-Average (SMA), was das Potenzial für weitere Kursgewinne trotz der jüngsten Erholung begrenzt. Die Oszillatoren verharren im negativen Bereich und bestätigen, dass die Bären nach wie vor die Oberhand haben.
Ein nachhaltiger Anstieg über die psychologisch wichtige Marke von 4.200 USD würde den Bullen die Chance geben, den vorherrschenden Abwärtstrend zu schwächen. Umgekehrt dürfte ein Bruch unter das Tief vom Juni den Rückgang des Goldpreises wahrscheinlich beschleunigen.