Steter Tropfen höhlt den Stein, und zwei kleine Kapitalströme können selbst den hartnäckigsten Krypto-Winter erodieren. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten nach fast zwei Monaten der Anlegerflucht in der Woche bis zum 17. Juli zum zweiten Mal in Folge Nettozuflüsse: 75,7 Millionen US-Dollar in dieser Woche nach 197,4 Millionen US-Dollar in der Woche davor. Und das, obwohl es am Vorabend der Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran zu Panikabflüssen in Höhe von 424,7 Millionen US-Dollar aus den Fonds kam.
Dynamik der Kapitalströme in Bitcoin-ETFs
DACM ist der Ansicht, dass die Trendwende bei den Zuflüssen in Bitcoin‑ETFs zusammen mit den Mittelzuflüssen in Ether‑Fonds auf eine Rückkehr positiver Stimmung am Kryptomarkt hindeuten könnte. Das Unternehmen bezeichnet dies ausdrücklich als Zeichen für eine Bodenbildung: Angesichts ihrer Größe gelten ETFs seit Langem als verlässlicher Indikator für die Anlegerstimmung, und zwei aufeinanderfolgende Fünf‑Tage‑Perioden mit positiven Zuflüssen nach acht Wochen von Abflüssen wirken überzeugend.
Bitcoin ist wieder über den 200‑Wochen‑Durchschnitt bei rund 63.300 US‑Dollar gestiegen – eine Marke, die Trader als Grenze zwischen einem lang anhaltenden Bärenmarkt und einem Bullenmarkt betrachten. Mehrere Wochen lang war der Token in einer Spanne von 60.000 bis 65.000 US‑Dollar gefangen, ausgelöst durch makroökonomische Unsicherheit. Selbst neue US‑Luftschläge gegen den Iran brachten das Währungspaar BTC/USD nicht vom Kurs ab: In Asien stiegen die Kurse zeitweise über 65.000 US‑Dollar.
Ein bewaffneter Konflikt birgt jedoch Inflationsrisiken und damit die Gefahr einer strafferen Politik der Federal Reserve. Ericsenz Capital warnt, dass die Aussicht auf Zinserhöhungen eine vollständige Rückkehr institutionellen Kapitals verzögern könnte. Die Verabschiedung des Clarity Act im Kongress vor der Augustpause wäre ein potenzieller Katalysator für eine neue Rally.
Dynamik des Bitcoin‑Rückgangs
Dennoch weiß niemand, wie sich die Dinge entwickeln werden. Noch vor einem Jahr schien die Zukunft von Bitcoin rosig: Die Branche blieb von Skandalen verschont, und die Regulierungsbehörden verschafften digitalen Vermögenswerten eine solidere rechtliche Grundlage. In der Realität hat die Kryptowährung jedoch seit dem Höchststand im Oktober von über 126.000 US-Dollar die Hälfte ihres Werts verloren und ist auf das Niveau von September 2024 zurückgefallen. Frühere Krypto-Winter waren zwar noch ausgeprägter – mit Rückgängen von bis zu 80 % vom Höchststand –, doch der aktuelle Einbruch ist für Bitcoin-Unterstützer schmerzhafter, weil er auf einem allmählichen Rückgang des Anlegerinteresses beruht und nicht auf einem einmaligen Schock.
Die institutionelle Nachfrage über ETFs half dem Token, sich nach dem Krypto-Winter 2022 zu erholen. Doch nun, da die Marktzinsen zusammen mit der Inflation steigen, verliert ein nicht verzinsliches Asset an Attraktivität und wird zunehmend wie ein gewöhnliches risikoreiches Instrument gehandelt, das mit Perpetual Futures und Prognosemärkten wie Polymarket konkurriert.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Zwei Wochen mit Zuflüssen sind nur der Beginn der Reise, noch kein bestätigter Trendwechsel.
Technisch gesehen bewegt sich BTC/USD im Tageschart weiterhin in einer Spanne von 62.000–65.000 US-Dollar. Ein Ausbruch über die obere Bandbreite mit einem nachhaltigen Schlusskurs darüber wäre ein Kaufsignal. Umgekehrt wäre es ein besorgniserregendes Zeichen, wenn das faire Bewertungsniveau bei 64.100 US-Dollar nicht gehalten werden kann.