EUR/USD. Die Situation in Bab al-Mandab: Ein neues Risiko für den Markt?

Das Währungspaar EUR/USD testete heute den mittelfristigen Widerstandsbereich bei 1,1450 (die mittlere Linie der Bollinger-Bänder im H4-Chart), bevor es im Zuge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten deutlich nach unten drehte und in Richtung der Unterseite des 1,14-Bereichs fiel.

Bemerkenswert ist, dass die Händler in der vergangenen Woche eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt haben, indem sie die Entwicklungen in der Region weitgehend ignorierten. Stattdessen konzentrierten sich die Marktteilnehmer auf die makroökonomische Agenda, die sich für den US‑Dollar als ungünstig erwies. Die wichtigsten Katalysatoren waren die US‑CPI- und PPI-Daten, bei denen fast alle zentralen Komponenten schwächer als erwartet ausfielen. Die geopolitischen Entwicklungen lieferten dem Greenback lediglich eine grundlegende Unterstützung – der US‑Dollar fungiert nach wie vor als sicherer Hafen – und verhinderten damit, dass EUR/USD-Käufer sich oberhalb des Widerstandsbereichs bei 1,1470 festsetzen konnten.

In dieser Woche steht der Markt vor einer weiteren Bewährungsprobe. Die jüngste Eskalation geht von den Huthi im Jemen aus, die eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt haben. Im Kern stellt dies eine weitere Phase des Konflikts im Nahen Osten dar. Während die Händler in der vergangenen Woche bereit waren, geopolitische Risiken in den Hintergrund zu drängen, müssen sie nun einschätzen, ob diese neue Krise die makroökonomischen Faktoren überlagern kann. Wird der Markt seine Widerstandskraft bewahren oder rücken geopolitische Themen nun doch in den Mittelpunkt?

Zunächst einmal hat die heutige Ankündigung der Huthi, eine „Seeblockade“ gegen Saudi-Arabien zu verhängen und Schiffe unter saudischer Flagge zu verbieten, sowohl am Ölmarkt als auch bei Währungspaaren mit dem US‑Dollar für erhöhte Volatilität gesorgt. Es ist weiterhin unklar, wie die Huthi die angekündigte Blockade in der Praxis durchsetzen wollen. Bereits die Erklärung an sich hat jedoch die Nervosität an den Märkten erhöht, da die Gruppe einen bedeutenden Teil der jemenitischen Küste entlang der Meerenge Bab al-Mandab kontrolliert – einer der wichtigsten maritimen Engstellen der Welt.

Der Markt versucht nun zu beurteilen, ob sich die aktuelle Lage sinnvoll mit der Krise um die Straße von Hormus vergleichen lässt und ob sich ein ähnliches Szenario entwickeln könnte.

Nach Einschätzung zahlreicher Analysten und politischer Beobachter bleibt die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Blockade der Meerenge Bab al-Mandab trotz der aggressiven Rhetorik der Huthi vergleichsweise gering.

Erstens unterscheidet sich die Meerenge Bab al-Mandab deutlich von der Straße von Hormus. Während der Iran über eine voll entwickelte Marine, Küstenraketensysteme, U-Boote, Militärflugzeuge und ein weit verzweigtes Netz zur Schiffsabwehr verfügt, sind die Fähigkeiten der Huthi weitaus begrenzter. Sie sind in der Lage, lokale Risiken für die Schifffahrt zu schaffen, verfügen jedoch nicht über die Ressourcen, um eine dauerhafte Kontrolle über die gesamte Wasserstraße auszuüben. Mit anderen Worten: Sie können punktuelle Angriffe auf bestimmte Ziele durchführen, besitzen aber nicht die Seestreitkräfte, die erforderlich wären, um die Meerenge physisch zu kontrollieren, Schiffe zu inspizieren oder umfangreiche Minenfelder zu legen, die den gesamten Seeverkehr zum Erliegen bringen könnten.

Zweitens würde eine vollständige Schließung der Meerenge auch die Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff in jemenitische Häfen, darunter Hodeidah, blockieren. Eine solche Blockade würde somit erhebliche wirtschaftliche und humanitäre Schäden für Jemen selbst nach sich ziehen.

Drittens spielt der China-Faktor eine Rolle. China gehört zu den größten Importeuren von saudischem Öl. Zudem würde jede Schließung der Meerenge Bab al-Mandab den Transport chinesischer Waren nach Europa unmittelbar beeinträchtigen. Bekanntlich übt Peking sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf den Iran und die Huthi aus und hat daher ein klares Interesse daran, länger anhaltende Störungen des Seehandels in der Region zu verhindern.

Viertens würde die Schließung der Meerenge Bab al-Mandab mit hoher Wahrscheinlichkeit eine umgehende internationale militärische Reaktion auslösen. Die Huthi müssten nicht nur mit vereinzelten Vergeltungsschlägen rechnen, sondern gegebenenfalls mit einer deutlich umfassenderen Militäroperation. Marineeinheiten der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreichs, mehrerer EU-Mitgliedstaaten und regionaler Länder sind bereits in dem Gebiet stationiert und haben in der Vergangenheit als Reaktion auf Angriffe auf Handelsschiffe Schläge gegen militärische Infrastruktur der Huthi geführt. Eine vollständige Blockade dürfte einen Vorwand für eine deutlich größere Operation liefern.

Schließlich gehen viele Beobachter davon aus, dass die Huthi selbst wenig Interesse daran haben, eine derart kritische rote Linie zu überschreiten. Wie schon zuvor scheint die Drohung mit einer Schließung der Meerenge vor allem als Instrument gezielten militärischen und politischen Drucks zu dienen und nicht als Ziel an sich. Vor diesem Hintergrund ist auch die heutige Ankündigung zu verstehen – als Versuch, den Druck auf Saudi-Arabien zu erhöhen. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Huthi versuchen werden, saudische Öltanker ins Visier zu nehmen; aus technischer wie strategischer Sicht ist es jedoch unwahrscheinlich, dass sie die Meerenge Bab al-Mandab vollständig blockieren können.

Dem Marktverhalten nach zu urteilen, sind die Händler zu einem ähnlichen Schluss gekommen. Trotz der anfänglichen heftigen Reaktion bleibt EUR/USD im Bereich von 1,14, in dem das Paar bereits seit vier Wochen gehandelt wird. Sollten es die Verkäufer kurzfristig nicht schaffen, einen Bruch und eine Bestätigung unterhalb der Unterstützung bei 1,1410 (untere Bollinger-Band-Linie im H4-Chart) zu erreichen, könnten Long-Positionen in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig sollten Händler berücksichtigen, dass die anhaltende geopolitische Unsicherheit das Aufwärtspotenzial des Paares weiterhin im Bereich von 1,1470 begrenzt (obere Bollinger-Band-Linie im Tageschart), wo sich Gewinnmitnahmen anbieten würden.