Analyse zu USD/CAD: Die Inflation in Kanada verlangsamt sich, die Bank of Canada bleibt bei einem abwartenden Kurs

Der am 20. Juli veröffentlichte Inflationsbericht übertraf die Erwartungen, da sich die Gesamtinflation stärker als erwartet verlangsamte und die wichtigsten Kerninflationsmaße erstmals seit Jahren unter das Ziel von 2 % fielen. Diese Entwicklung verändert die Aussichten für die Geldpolitik der Bank of Canada erheblich.

Die Gesamtinflation (Headline CPI) ging im Jahresvergleich von 3,2 % im Mai auf 2,8 % zurück und lag damit unter der Konsensprognose von 2,9 %. Auf monatlicher Basis fiel der Verbraucherpreisindex (CPI) um 0,4 % und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit Dezember 2024; der Markt hatte lediglich mit einem Rückgang um 0,2 % gerechnet. Unterdessen sanken die von der Bank of Canada bevorzugten Kerninflationsmaße – CPI-median und CPI-trim – auf 1,9 % bzw. 1,8 %, ihre niedrigsten Stände seit September 2020.

Der wichtigste Faktor für die Abschwächung war der Rückgang der Benzinpreise, was sowohl den hohen Basiseffekt des Vorjahres als auch die vorübergehende Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran widerspiegelt. Ohne die volatile Benzinkomponente blieb der Kern-VPI ohne Benzin im Jahresvergleich bei 2,2 %, was darauf hindeutet, dass sich zwar die allgemeinen Inflationsdynamiken verbessern, der zugrunde liegende Trend aber weiterhin über dem Zielwert der Bank of Canada liegt.

Die kanadische Wirtschaft zeigt Anzeichen einer Erholung, nachdem sie zu Beginn dieses Jahres stagniert hatte. In ihrem geldpolitischen Bericht vom Juli hat die Bank of Canada ihre Wachstumsprognosen für 2027 und 2028 nach oben revidiert und erwartet, dass sich die Wirtschaftsaktivität in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 verstärken wird. Für das zweite Quartal wird ein BIP-Wachstum von 2,5 % im Jahresvergleich prognostiziert, nach einem Nullwachstum im ersten Quartal.

Die rückläufige Inflation – und insbesondere der Rückgang der Kerninflationsraten unter 2 % – untermauert die Argumente für eine weiterhin akkommodierende geldpolitische Ausrichtung. Es wird daher erwartet, dass die Bank of Canada ihren Leitzins bis Ende 2026 bei 2,25 % belässt. Auf ihrer Juli-Sitzung wies die Bank zudem darauf hin, dass sie genau beobachtet, ob die höheren Energiepreise auf breitere Inflationskräfte übergreifen. Bislang gibt es dafür nur wenige Anzeichen.

Marktteilnehmer haben ihre Erwartungen nun eher auf zukünftige Zinssenkungen als auf weitere Straffungen ausgerichtet. Die meisten von Reuters befragten Volkswirte gehen davon aus, dass die Bank of Canada ihren Leitzins mindestens bis Juli 2027 unverändert lässt. In der Folge spricht der Marktkonsens für eine verlängerte Pause im aktuellen geldpolitischen Zyklus.

Das fundamentale Umfeld für den kanadischen Dollar bleibt gemischt. Einerseits belastet die nachlassende Inflation die Währung, da sie die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik dämpft. Andererseits sorgen eine Rally von 20 % bei den Ölpreisen – Kanadas wichtigstem Exportgut – im Verlauf des Juli sowie ein robuster Arbeitsmarkt weiterhin für Unterstützung des kanadischen Dollars.

Die Netto-Short-Positionierung im kanadischen Dollar stieg in der letzten Berichts­woche um 0,4 Mrd. CAD auf -12,5 Mrd. CAD. Insgesamt bleibt die Positionierung deutlich bärisch, auch wenn der geschätzte faire Wert inzwischen keine eindeutig gerichtete Tendenz mehr erkennen lässt.

Aus technischer Sicht bleibt die Marktstruktur bärisch. USD/CAD notiert weiterhin unterhalb seines abwärtsgerichteten Kanals, während die Bullen beim US‑Dollar nach schwächer als erwarteten US‑Inflationsdaten inaktiv bleiben, da sich dadurch die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve verringert haben.

Das Währungspaar dürfte sich innerhalb der Spanne von 1,4000–1,4100 konsolidieren. Der erste Widerstand befindet sich bei 1,4050. Ein Ausbruch über dieses Niveau könnte eine Korrekturbewegung in Richtung 1,4140–1,4150 auslösen, wo frühere Unterstützung nun als Widerstand fungiert. Der übergeordnete Ausblick bleibt bärisch. Zwar könnten die Erwartungen an eine verlängerte Zinspause der Bank of Canada mittelfristig etwas Druck auf den Kanadischen Dollar ausüben, doch hohe Ölpreise dürften das Ausmaß eines möglichen Rückgangs begrenzen.